{"id":3101,"date":"2019-08-21T21:26:25","date_gmt":"2019-08-21T19:26:25","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3101"},"modified":"2019-08-21T21:26:25","modified_gmt":"2019-08-21T19:26:25","slug":"once-upon-a-time-in-hollywood-quentin-tarantino-usa-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/once-upon-a-time-in-hollywood-quentin-tarantino-usa-2019\/","title":{"rendered":"Once Upon A Time \u2026 In Hollywood \u2013 Quentin Tarantino \u2013 USA 2019"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias\nBosenick (21.08.2019)<br>\n<br>\nDa verwirklicht sich der\nMeisterregisseur Quentin Tarantino einen Jugendtraum und dreht einen\nmordscoolen Film \u00fcber die Zeit, aus der die Filme stammen, die ihn\nals Heranwachsenden beeinflussten. Gleichzeitig nutzt er diese\nHommage dazu, den Hippiealptraum schlechthin m\u00e4rchenhaft und blutig\numzudeuten. Wer nicht dieselbe Sozialisation wie Tarantino erfuhr und\ndie zwei wechselhaften Stunden bis zum H\u00f6hepunkt einigerma\u00dfen\ndurchgehalten hat, wei\u00df dann, wof\u00fcr sich der Film lohnt. Es ist\nschwierig, \u201eOnce Upon A Time \u2026 In Hollywood\u201c als durchweg\ngelungen zu empfinden, aber ausgesprochen einfach, die grandiosen\nAspekte zu feiern.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\nHollywood 1969, das bedeutet Hippies als neue Str\u00f6mung und die\nendg\u00fcltige Abkehr vom Kintopp der F\u00fcnfziger. In jener Epoche war\nRick Dalton (hochgradig grandios: Leonardo DiCaprio) ein beliebter\nWesternseriendarsteller, dessen Stern nunmehr im Sinken ist, was ihn\ntrotz und gerade wegen eines Angebots, in Italien Spaghettiwestern zu\ndrehen, depressiv macht. Sein bester Freund, Stuntdouble und M\u00e4dchen\nf\u00fcr alles Cliff Booth (tarantinoesk cool: Brad Pitt), steht ihm zur\nSeite und cruist in seiner Freizeit mit seinem Auto durch Los\nAngeles. Auf einer dieser Touren bringt er ein Hippiem\u00e4dchen zu\ndessen Kommune, die in der fr\u00fcheren Spahn Movie Ranch untergebracht\nist und wo Cliff erste Erfahrungen mit der sich physisch bemerkbar\nmachenden Dickk\u00f6pfigkeit der vermeintlichen Blumenkinder machen\nmuss. In Cliffs Nachbarhaus zieht derweil der polnische Starregisseur\nRoman Polanski mit seiner schwangeren Freundin Sharon Tate ein, nicht\nwissend, dass die Vormieter eine Rechnung mit den Hippes aus der\nSpahn Ranch offen haben, was sie zum Ziel der Kommune macht.<br>\n<br>\nDie\nGeschichte ist schneller nacherz\u00e4hlt, als der Film dauert. Ohne\nKenntnis der ganzen Anspielungen, die Tarantino unterbringt, geht\nm\u00f6glicherweise der Spa\u00df verloren \u2013 man schleppt sich bisweilen\ndurch die Kulissen, wundert sich gelegentlich, dass Langeweile derart\nstressen kann, und wartet den Verlauf der d\u00fcnnen Handlung ab. Die\nallerdings mit grandiosen Szenen gespickt ist, \u00fcber die man sich\nmehr als freut.<br>\n<br>\nAls da w\u00e4ren: Tarantino dreht\nF\u00fcnfzigerwesternszenen nach, allerdings in seinem Stil, also wenig\nauthentisch, daf\u00fcr sch\u00f6n. Die Sequenz auf der Spahn Ranch gestaltet\ner trotz brennender Sonne wie einen Horrorfilm, die unterschwellige\nBedrohung wird auch dann klar, wenn man nicht wei\u00df, wer sich dort\neingenistet hat. Er l\u00e4sst DiCaprio \u00fcber Pitt sagen, \u201eer gleicht\nmir wie ein Ei dem anderen\u201c, und setzt damit zwei Anw\u00e4rter f\u00fcr\nden Titel des gr\u00f6\u00dften Frauenschwarms der Neunziger gemeinsam  auf\ndiesen Thron. Die Szenen vom Dreh eines Westerns sind doppelt\nspannend: Die Dialoge zwischen den Figuren strahlen eine immense\nBedrohung aus und es ist ungewiss, ob Rick seine Rolle wirklich im\nGriff hat. Daf\u00fcr bekommt er dann r\u00fchrendes Lob von einer\nMinderj\u00e4hrigen. Wenn Cliff herumgurkt, ist er einfach nur cool, und\ndabei moralisch, wenn er Avancen einer Minderj\u00e4hrigen abweist.<br>\n<br>\nUnd\ndergleichen mehr. Auch in diesem Film l\u00e4sst Tarantino seiner\nHandschrift freien Lauf: Der Filmmaterialmix geh\u00f6rt dazu, von\nTV-Serie \u00fcber 35 Millimeter bis zu Super-8, ebenso eingeblendete\nTexte, nackte F\u00fc\u00dfe in Gro\u00dfaufnahme und ein Soundtrack, f\u00fcr den er\nalle 30 Sekunden die Songs wechselt, damit daraus auf jeden Fall eine\nDoppel-CD wird. Ungew\u00f6hnliche Perspektiven, Details, Nahaufnahmen,\nSchwenks und Fahrten machen Tarantinos Filme ohnehin zu Kunstwerken;\ndas trifft auch hier zu, wenn auch etwas weniger ausgepr\u00e4gt und\nbisweilen derart routiniert, dass der Zauber leicht abhanden kommt.\nDie Riege der Stars und Cameos ist l\u00e4nger als die Credits bei \u201eHerr\nder Ringe\u201c, jeder will bei Tarantino mitmachen. Selbst darin liegen\nnoch Querverweise: So spielt Damon Herriman nicht nur hier, sondern\nauch in der Netflix-Serie \u201eMindhunter\u201c den Massenm\u00f6rder Charles\nManson, und die Figur von Maya Hawke, bekannt aus \u201eStranger Things\n3\u201c, l\u00e4sst Tarantino hier \u00fcberleben, schlie\u00dflich ist sie die\nTochter von Ethan Hawke und seiner Lieblingsschauspielerin Uma\nThurman. Was tats\u00e4chlich an Tarantino-Traditionen fehlt, ist der\nBlick aus dem Kofferraum. Und der Titel, der nun zum zweiten Mal\nnacheinander mehr als nur zwei W\u00f6rter hat.<br>\n<br>\nWas wiederum\ngegeben ist, sind Querverweise, die umfassend zu entschl\u00fcsseln\nvermutlich weit l\u00e4nger dauert als der Film selbst: Tarantino zitiert\nnebenbei noch den Spaghettiwestern, den Giallo, Martial Arts,\nTV-Spionageserien, Werbung und vieles mehr und stattet den Film wie\nein Suchspiel nach Originaldevotionalien aus den Sechzigern aus, f\u00fcr\nalle, die diese Zeit bewusst erlebten und sich noch erinnern k\u00f6nnen.\nUm alles erfassen zu k\u00f6nnen, m\u00fcsste man den Film mehrmals sehen;\njedoch: Aufgrund der zwischenzeitlich etwas langatmigen Passagen ist\nnicht gesagt, dass man das zwingend will; so viele humorvolle Dialoge\nzum Nacherz\u00e4hlen wie die anderen Filme hat dieser leider auch nicht\nzu bieten, trotz der grandiosen Rollen, die die beiden Hauptfiguren\nhier darbieten.<br>\n<br>\nUnd dann gibt es da ja noch diesen\ngrandiosen Schluss. Immer wieder feiert Tarantino in diesem Film das\nbl\u00fchende Leben der Sharon Tate, deren reales Ableben der Welt einen\nbis heute nachhallenden Schock versetzte. Der Twist in diesem Film\nnun erinnert in seiner Schonungslosigkeit an \u201eFrom Dusk Till Dawn\u201c\nund rei\u00dft die Stimmung der Stunden davor komplett herum. Er schockt,\naber positiv, weil die Sto\u00dfrichtung stimmt. Beruhigend ist, dass\nsich Tarantinio eben nicht schlicht der Manson-Morde annimmt und sie\ngewohnt blutr\u00fcnstig nachstellt; er tappt nicht in die Falle, die\nGeschehnisse zu verkl\u00e4ren oder gar zu verherrlichen, sondern gibt\nihnen den kleinstm\u00f6glichen Raum. Tarantino r\u00e4umt mit der Geschichte\nauf, einmal mehr, und l\u00e4sst das M\u00e4rchen quasi enden mit \u201eUnd wenn\nsie nicht gestorben sind\u201c.<br>\n<br>\nJa, doch, der Film ist gut.\nAber nicht der beste Tarantino.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (21.08.2019) Da verwirklicht sich der Meisterregisseur Quentin Tarantino einen Jugendtraum und dreht einen mordscoolen Film \u00fcber die Zeit, aus der die Filme stammen, die ihn als Heranwachsenden beeinflussten. 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