{"id":3048,"date":"2019-07-15T21:58:53","date_gmt":"2019-07-15T19:58:53","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3048"},"modified":"2019-07-15T21:58:53","modified_gmt":"2019-07-15T19:58:53","slug":"stranger-things-3-the-duffer-brothers-netflix-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/stranger-things-3-the-duffer-brothers-netflix-2019\/","title":{"rendered":"Stranger Things 3 \u2013 The Duffer Brothers \u2013 Netflix 2019"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"110\" height=\"163\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Stranger-Things-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3049\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias\nBosenick (15.07.2019)<br>\n<br>\nWas tut man, wenn eine Geschichte\neigentlich l\u00e4ngst auserz\u00e4hlt ist, aber \u00fcberraschenderweise so\nviele Anh\u00e4nger fand, dass man sich von Marktes Seite dazu getrieben\nsieht, sie fortzusetzen? Man baut \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde wie das\nErwachsenwerden der Jungschauspieler in die Story ein, zitiert die\nrahmengebenden Achtziger wie nix, dreht an der Action- und\nGewaltschraube und vergisst, worum es vor drei Jahren mal ging. In\nStaffel 3 der Netflix-Serie \u201eStranger Things\u201c findet man sich als\nFan der ersten Stunde kaum noch zurecht. Zwar ist die Geschichte \u2013\nnachdem man die uns\u00e4glichen ersten Episoden \u00fcberstanden hat \u2013\nspannend, aber nicht im Sinne der Serie, sondern lediglich aus sich\nselbst heraus. Ein, zwei Staffeln sollen noch folgen, hei\u00dft es. So\ngeht das im Kapitalismus, der ist st\u00e4rker als die Kunst. Zum\nBeispiel die Kunst, aufzuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\nMan muss geduldig sein, bis man \u00fcberhaupt einen Zugang zur dritten\nStaffel findet. Schon das letzte Drittel der zweiten Staffel hatte\nmit Elfies Entwicklung Akzente gesetzt, mit denen man sich nur schwer\nbis gar nicht arrangieren konnte. War die Serie urspr\u00fcnglich dunkel,\nr\u00e4tselhaft, mysteri\u00f6s, empathisch, monstr\u00f6s, startet Staffel 3 nun\nbunt, kreischig, nervig, mit Erste-Welt-Teenagerproblemen,\nHolzhammer-Achtziger-Referenzen und dem deplazierten Dauerthema Sex.\nKeine Figur ist mehr sympathisch, selbst Dusty und insbesondere der\nv\u00f6llig aus dem Ruder agierende Hopper lassen einem keine\nIdentifikationsans\u00e4tze \u00fcbrig. Die Hawkins-typischen Gruseligkeiten\nsickern zun\u00e4chst nur sp\u00e4rlich in die Nichthandlung ein. Aber ab\nEpisode drei, vier geht es dann richtig los und man vergisst beinahe\nden erschreckend beschissenen Anfang, der sich f\u00fcrderhin nur noch\ngelegentlich sowie halbwegs tolerabel Bahn zu brechen hat.<br>\n<br>\nMax\u2018\nBruder Billie hat pl\u00f6tzlich lethale Eigenschaften und sammelt\nMenschen zu einer Armee zusammen, aus der die Reinkarnation des\nStaffel-2-Gegners erw\u00e4chst: der Mind Flayer, eine Megaspinne. Will\nhat durch seine Erlebnisse in Staffel 1 physisch Kontakt zu dem, er\nsp\u00fcrt, wenn das Monster in der N\u00e4he ist; das ist dann auch alles an\nBezug zum Anfang. Das Tor zum Upside Down aus Staffel 2 ist nicht\nmehr verschlossen, erst das erm\u00f6glicht \u00fcberhaupt das Ausb\u00fcxen des\nMind Flayers. Und zwar sitzen \u2013 logisch! \u2013 omin\u00f6se\nWissenschaftler und das Milit\u00e4r aus Russland in einer gigantischen\nBasis unter dem Einkaufszentrum von Hawkins und experimentieren mit\ndiesem Zugang. Warum auch immer. Die Mall ist immerhin ein\nwillkommener Anlass f\u00fcr Product Placement.<br>\n<br>\nJedenfalls\nkriegen sich die vier Ur-Kids aus Staffel 1 in die Haare und ziehen\nmit neuen und alten Verb\u00fcndeten getrennt voneinander in die\nSchlacht, als dritte Partei agieren der immer noch brachiale Hopper\nund Joyce, im Verbund mit dem Sechziger-Hippe und Computer-Nerd aus\nStaffel 2 sowie einem desertierten Russen. Da stecken zwar viel\nSpannung und einiger Humor drin, aber auch ein hoher Nervanteil. Mit\nder Laufzeit zumindest \u00e4ndern sich auch die Charakterzeichnungen der\nmeisten Figuren wieder und n\u00e4hern sich zaghaft dem an, wof\u00fcr man\nsie seinerzeit liebte; nur Hopper bleibt unangenehm\nunberechenbar.<br>\n<br>\nWas allerdings nicht geschieht, ist, dass\ndie Geschichte wieder mysteri\u00f6s wird. Der Gegner ist bekannt,\nn\u00e4mlich der Mind Flayer, und neue Kreaturen aus Upside Down kommen\nnicht hinzu. Dieses Mal sind es indes keine amerikanischen\nWissenschaftler, gegen die es anzutreten gilt, sondern: b\u00f6se Russen.\nDieses \u00fcberkommene Weltbild aus dem Kalten Krieg der Achtziger ist\nextrem plump. Es mag ja sein, dass Russland f\u00fcr die US-Amerikaner\naktuell unter ihrem Pr\u00e4sidenten Donald Trump wieder zum B\u00f6sen\nmutiert, aber diese Schwarz-Wei\u00df-Zeichnung ist f\u00fcr diese Serie\nvollkommen unangemessen.<br>\n<br>\nDas Ergebnis ist, dass \u201eStranger\nThings\u201c nicht l\u00e4nger eine Serie \u00fcber Kleinstadtkids mit inneren\nKonflikten ist, die sich gegen eine externe Monstermacht wehren\nm\u00fcssen, sondern ein im Stile der Achtziger und Neunziger\nchoreografiertes Action- und Gewalt-Szenario. Pr\u00fcgeleien,\nSchie\u00dfereien, bedenkenlos Get\u00f6tete: Das ist ja alles sch\u00f6n\nspannend, aber lediglich f\u00fcr sich selbst, nicht im Sinne der\nvorherigen Staffeln. Unm\u00f6glichkeiten wie Kinder, die die Russen in\nihrem eigenen unterirdischen Labyrinth schlagen, die Abwesenheit von\n\u00fcbergeordneten Beh\u00f6rden angesichts eskalierender Monstrosit\u00e4ten\nsowie andere Logikl\u00fccken seien einfach mal als Fantasyanteil\nhingenommen; akzeptieren kann man solche Elemente eher nicht, sogar\nnoch weniger als die Existenz von \u00dcbersinnlichem.<br>\n<br>\nBei\nvielen Anteilen der Staffel hat man den Eindruck, sie seien lediglich\ndeshalb enthalten, um der Generation der Umdief\u00fcnfzigj\u00e4hrigen ein\npopkulturelles Referenzding zu kredenzen. M\u00fcssen Dusty und Suzie\nunbedingt an einer spannenden Stelle \u201eNever Ending Story\u201c singen?\nMuss Elfie mit Max in der Mall shoppen gehen und in schlimmstem\nAchtziger-Outfit zu ihrem geschassten Exfreund Mike sagen: \u201eDas ist\njetzt mein Style!\u201c? Andere Anspielungen wie Filmplakate, Gespr\u00e4che\n\u00fcber Popkultur oder direkte filmische Zitate wie aus \u201eAlien\u201c\noder \u201eTerminator\u201c sind ja noch nett, ein vor Russen rettender\nKinobesuch von \u201eZur\u00fcck n die Zukunft\u201c wiederum wirkt sehr \u00fcbers\nKnie gebrochen. Die ersten Staffeln beinhalteten zwar ebenfalls ein\nAchtziger-Setting, aber deutlich behutsamer, viel mehr aus der\nGeschichte heraus. Sicherlich war die Serie von Anfang an klar in\n\u00c4sthetik und Historie in den Achtzigern verankert, blieb f\u00fcr sich\naber deutlich zeitloser als die dritte Staffel. In einem weiteren\nPunkt \u00e4u\u00dfert sich die Mainstreamisierung der Serie: Waren in\nStaffel 1 noch Bands wie The Clash Thema, l\u00e4uft in der neuen nur\nnoch \u00f6der MOR-Radiorock, den die Mehrheit mitsingen kann; die Serie\nl\u00e4sst ihre Coolness fahren.<br>\n<br>\nEs bleibt am Ende emotional\nnicht viel h\u00e4ngen, selbst der Tod von nahestehenden Figuren\nhinterl\u00e4sst eher ein Schulterzucken (wobei der Nachklapp die diffuse\nHoffnung zul\u00e4sst, dass einer von ihnen in Kamtschatka\nweiterexistiert; die einzige Szene \u00fcberdies, in der ein Demogorgon\nzu sehen ist). Wenn dann alle nach r\u00fchrseliger \u201eEs\u201c-Manier\nauseinandergerissen werden, schluckt man zwar sehr wohl einmal, aber\nso richtig nimmt es einen nicht mehr mit. Daf\u00fcr hat sich die Serie\nin eine viel zu belanglose Richtung entwickelt. Aber das sind die\nZeichen der Zeit \u2013 das war selbst in den Achtzigern schon so. Wer\nmag beispielsweise ernsthaft die Ewoks?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (15.07.2019) Was tut man, wenn eine Geschichte eigentlich l\u00e4ngst auserz\u00e4hlt ist, aber \u00fcberraschenderweise so viele Anh\u00e4nger fand, dass man sich von Marktes Seite dazu getrieben sieht, sie fortzusetzen? 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