{"id":3026,"date":"2019-06-14T15:54:14","date_gmt":"2019-06-14T13:54:14","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3026"},"modified":"2019-06-14T15:54:14","modified_gmt":"2019-06-14T13:54:14","slug":"the-dead-dont-die-jim-jarmusch-usa-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-dead-dont-die-jim-jarmusch-usa-2019\/","title":{"rendered":"The Dead Don\u2019t Die \u2013 Jim Jarmusch \u2013 USA 2019"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Von Matthias\nBosenick (14.06.2019)<br>\n<br>\nDer Schuss ging nach hinten los.\nAnders als bei \u201eDead Man\u201c und \u201eOnly Lovers Left Alive\u201c\ngelingt es Jim Jarmusch mit \u201eThe Dead Don\u2019t Die\u201c nicht, ein\nGenre in seinem Sinne umzukrempeln. Western und Vampirfilm\nfunktionierten bei ihm deshalb so gut, weil er etwas Eigenes daraus\nmachte; den Zombiefilm \u00fcbernimmt er mit eigenem Tempo und einigen\neigenen Dialogideen, l\u00e4sst ihn aber ansonsten zu sehr im Genre\nverhaftet und bleibt bei der Umsetzung seiner sp\u00e4rlichen\nTraditionsbr\u00fcche inkonsequent. Nach \u201eThe Limits Of Control\u201c ist\ndies sein zweiter mittelschlechter Film \u2013 was die erheblich\ngigantische Ausbeute an hochgradig guten Filmen zum Gl\u00fcck nicht\nallzusehr beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\nMan glaubt, Jarmuschs Intention wahrnehmen zu k\u00f6nnen: Ein Rudel\nseiner Lieblingsschauspieler zusammentrommeln, um einmal einen etwas\nanderen Zombiefilm zu drehen, der die Klassiker dennoch fest im Blick\nhat. Doch dabei verzettelt er sich: Das Eigene zieht er nicht\nkonsequent genug durch und bleibt letztlich bei Stereotypen h\u00e4ngen.\nUm es mit einem anderen Kinobesucher zu sagen: Hier kommen weder\nZombiefilmfans noch Jim-Jarmusch-Fans auf ihre Kosten.<br>\n<br>\nZun\u00e4chst\nf\u00fchrt Jarmusch das Personal seiner US-Kleinst-Stadt mitten im\ntiefsten Wald ein, das bis auf wenige Striche keine nennenswerten\nCharakterz\u00fcge aufweist: Ein stoisches Polizeiteam, ein rassistischer\nFarmer, ein obskurer Einsiedler, ein schwarzer Kaufmann, ein\nComicladennerd, zwei Dinerbedienungen, ein Paketzusteller, ein\nschmieriger Motelier, eine undurchsichtige fremde Bestatterin, dazu\ndrei Teens in einem Heim sowie drei Jugendliche aus der\nn\u00e4chstgr\u00f6\u00dferen Stadt auf der Durchreise. Kein Pfarrer, kein\nWissenschaftler, kein Reporter, \u00fcbrigens. Damit sind die Charaktere\nauch schon festgelegt, es gibt keine weitere Tiefe und auch kaum\nerhellende Dialoge. Die meisten belaufen sich auf immerhin grandiosen\nZynismus oder auf Running Gags, die sich enervierend schnell\nabnutzen. Und die Geschichten versanden einfach im Nichts oder enden\nsubstanzlos im Tod.<br>\n<br>\nWie man es richtig macht, zeigen\ndiverse Kollegen: In \u201eThree Billboards Outside Ebbing, Missouri\u201c\nf\u00fchrt Martin McDonagh die Figuren ebenfalls als Stereotype ein,\nbricht aber fortw\u00e4hrend mit ihnen und damit mit den Erwartungen des\nPublikums, \u00fcberrascht mit jeder Wendung und bleibt doch immer\nnachvollziehbar. Quentin Tarantino und die Coen-Br\u00fcder adaptierten\nebenfalls diverse Male das Genrekino und transferierten es zu etwas\nkomplett Eigenem. Ins Nichts f\u00fchrende Spuren etwa gibt es mit dem\nMc-Guffin-Koffer in \u201eNo Country For Old Men\u201c gelungen umgesetzt,\nda ist das Objekt der Begierde nach zwei Dritteln des Films komplett\naus dem Inhalt verschwunden und fehlt doch keine Sekunde lang. Hier\nist das Auftreten diverser Figuren nicht einmal reiner Selbstzweck,\nsondern gar keiner. Die drei eigentlich sogar sympathischen\n\u201eHipster\u201c, die drei eingesperrten Kids und  die sich wenig\n\u00fcberraschend entwickelnde Bestatterin haben die zun\u00e4chst\nvielversprechendsten Nebenrollen, aber keinerlei Auswirkung auf den\nPlot. Storyless stories.<br>\n<br>\nF\u00fcr das Auftreten der Zombies\nf\u00fchrt Jarmusch eine Erdachsenverschiebung aufgrund von Pol-Fracking\nein, das laut wiederholt eingespielter Nachrichten sowohl von den\nUnternehmen als auch von der Regierung als ungef\u00e4hrlich eingestuft\nwird; das ist Systemkritik f\u00fcr Dummies, ebenfalls die Szene mit den\nZombies, die mit leuchtenden Smartphones in den H\u00e4nden nach Wifi\nsuchen. Nat\u00fcrlich greift Jarmusch zudem immer wieder Elemente des\nZombiefilmerfinders George A. Romero auf, zitiert diese aber eher\nplump und zuletzt sogar \u00fcberfl\u00fcssigerweise wie eine Art\nnachgeschobene Sinngebung, indem pl\u00f6tzlich platte Konsumkritik\nert\u00f6nt. Tats\u00e4chlich, daf\u00fcr stehen also Zombies! Wir alle sind\nZombies! Wer h\u00e4tte das gedacht.<br>\n<br>\nUnd dann die CGI-Effekte:\nDie sind so schlecht, dass man sich fragt, ob das Absicht ist, und\ndann zu dem Schluss kommt, dass das nicht sein kann, weil Jarmusch\ndann auch damit nicht konsequent gewesen w\u00e4re: Aus den\nabgeschlagenen K\u00f6pfen und den R\u00fcmpfen dringt so etwas wie schwarzer\nAscherauch, oftmals jedoch leicht versetzt und schlecht transparent\nanimiert. Wenn schon kein Budget, dann sollte man Effekte lieber\nerkennbar bewusst auf schlecht machen, wie Michel Gondry oder\nTarantino. \u00dcberhaupt ist auch filmisch Jarmuschs Handschrift kaum\nwahrzunehmen, bis auf die warmen Polizeiautofahrten h\u00e4tte jeder\ndiese Bilder schie\u00dfen k\u00f6nnen.<br>\n<br>\nMan hat dennoch viel zu\nlachen, das bleibt auf der Habenseite, inklusive einer \u201eStar\nWars\u201c-Referenz bei Adam Driver, jedoch vergeht es einem mit der\nZeit, weil sogar manche Gags bald vorhersehbar sind, insbesondere die\nauf der beim ersten Mal noch grandios eingesetzten Metaebene sowie\ndie rund um Identit\u00e4t der Bestatterin. Ansonsten herrscht der\nZynismus, das allerdings grandios. Die Gags sind teilweise so subtil,\ndass sie nicht jeden im Publikum erreichen; es lachen manchmal\nlediglich gewisse Sitzinseln, nicht alle im Saal. Und die Mucke ist\nnat\u00fcrlich gut, stammt sie doch einmal mehr von Jarmuschs Drone-Band\nSq\u00fcrl. Das Country-Titellied von Sturgill Simpson hingegen geh\u00f6rt\nzu den Running Gags, die bald nerven (das St\u00fcck fehlt auf dem\nSoundtrack \u00fcbrigens). Gut ist nat\u00fcrlich die Besetzung, aber so\nrichtig zur Geltung k\u00f6nnen die Granden hier kaum kommen. Und typisch\nist das Erz\u00e4hltempo, das nach Jarmuschs Art angenehm entschleunigt\ndie lebenden und die toten Figuren aufeinandertreffen l\u00e4sst. Oder\nauch nicht.<br>\n<br>\nMerkw\u00fcrdig, dass Jarmusch diesen Film auf\ndiese Weise drehte. Mit \u201eOnly Lovers Left Alive\u201c versuchte er\nsich beispielsweise am Vampirfilm, in dem aber das Vampirische\nlediglich die Grundlage ist f\u00fcr Jarmuschs Blick auf Welt und Kultur\nund die Figuren einen atmosph\u00e4rischen Trip durch die Welt antreten.\nBei den Zombies verl\u00e4sst er kaum die \u00fcber die Jahrzehnte\neingetretenen Pfade. Dabei gibt es l\u00e4ngst \u00fcberzeugende\nZombiekom\u00f6dien, \u201eBraindead (Dead Alive)\u201c von Peter Jackson,\n\u201eShaun Of The Dead\u201c von Edgar Wright und \u201eZombieland\u201c von\nRuben Fleischer sind da die zu Recht beliebtesten Beispiele. Wenn\nJarmusch so weitermacht, wird das b\u00f6se enden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (14.06.2019) Der Schuss ging nach hinten los. Anders als bei \u201eDead Man\u201c und \u201eOnly Lovers Left Alive\u201c gelingt es Jim Jarmusch mit \u201eThe Dead Don\u2019t Die\u201c nicht, ein Genre in seinem Sinne umzukrempeln. 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