{"id":2994,"date":"2019-05-31T22:57:23","date_gmt":"2019-05-31T20:57:23","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2994"},"modified":"2019-06-03T10:26:44","modified_gmt":"2019-06-03T08:26:44","slug":"roads-sebastian-schipper-d-f-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/roads-sebastian-schipper-d-f-2019\/","title":{"rendered":"Roads \u2013 Sebastian Schipper \u2013 D\/F 2019"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (31.05.2019)<br> <br> Hier gewinnt der Inhalt \u00fcber die Form: Verglichen insbesondere mit Sebastian Schippers vorherigem Film \u201eVictoria\u201c besticht \u201eRoads\u201c mit der Geschichte, die er erz\u00e4hlt, und dies in eher konventionellen Bildern. Aber die Handlung fesselt: Ausgehend von zwei Familiendramen, handelt \u201eRoads\u201c Adoleszenz, Fl\u00fcchtlingsschicksale, Europa und Antirassismus gekonnt miteinander verwoben ab. Zwei Teenager aus verschiedenen Kulturkreisen suchen Angeh\u00f6rige und \u00fcberwinden dabei nicht nur geographische Grenzen. Und The Notwist besorgen den chilligen Soundtrack dazu.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>F\u00fcr\nden englischen Achtzehnj\u00e4hrigen Gyllan stellt sich die Frage gar\nnicht, ob der dunkelh\u00e4utige William ein Fl\u00fcchtling ist oder nicht.\nWilliam hilft Gyllan in Marokko aus einer misslichen Lage, indem er\ndas von Gyllans Stiefvater geklaute Wohnmobil zu bewegen wei\u00df, und\nbekommt damit ein Ticket nach Europa kredenzt. Gemeinsam l\u00f6sen sie\nihre sich dabei ergebenden Probleme unkonventionell und geraten\ndadurch in nicht minder unkonventionelle neue Probleme. Die\ngesellschaftlichen Unterschiede der beiden sind dabei gar nicht so\ngro\u00df, schon ihre erste Begegnung stellt au\u00dfer Frage, dass sie\nFreunde sein k\u00f6nnten, was sie schlie\u00dflich auch sind, doch die\nvermeintlich \u00e4hnlichen famili\u00e4ren Hintergr\u00fcnde entpuppen sich bald\nals mindestens gesellschaftlich begr\u00fcndet recht unterschiedlich, um\nletztlich pers\u00f6nlich gesehen doch wieder auf Vergleichbares\nhinauszulaufen. Drehpunkt ist die Szene, in der beide sich\ngegenseitig bitten, die Augen erst zu \u00f6ffnen, wen der andere ein\nWort gesagt hat \u2013 und jeder sagt Dinge, als die das Gegen\u00fcber ihn\nsehen sollte: William Gyllan als \u201ewei\u00dfen Rassisten\u201c oder\n\u201eMitglied einer Boyband\u201c, umgekehrt Gyllan William als \u201eersten\nSchwarzen auf dem Mond\u201c oder \u201eJesus\u201c.<br>\n<br>\nDen \u00e4u\u00dferen\nEinfl\u00fcssen sind sie beide ausgeliefert, schlie\u00dflich sind sie\ngemeinsam im geklauten Wohnmobil illegal von Marokko \u00fcber Spanien\nnach Nordfrankreich unterwegs. Ihre erste gesuchte Vertrauensperson\nerweist sich trotz vollzogener Hilfe als Arschloch, in der\nfranz\u00f6sischen Provinz kann man als Engl\u00e4nder und Kongolese schon\nmal fremdenfeindliche Ressentiments auf sich ziehen, die gesuchten\nAngeh\u00f6rigen entpuppen sich f\u00fcr beide jeweils als unterschiedliche\nEntt\u00e4uschung \u2013 und jeder zieht seine eigenen Konsequenzen aus dem\ngemeinsam Erlebten.<br>\n<br>\nDabei sieht das Drehbuch zwar \u2013\nneben kleinen Episoden \u00fcbers Kiffen \u2013 die erwartbaren brenzligen\nund bedrohlichen Situationen vor, doch l\u00e4sst es die beiden jungen\nHelden relativ ungeschoren davonkommen. Tiefgreifend sind die\nErfahrungen dennoch f\u00fcr beide, und insbesondere f\u00fcr den jungen\nEngl\u00e4nder bedeuten sie einen eklatanten und erfreulichen\nRichtungswechsel. Was nicht bedeutet, dass einer von beiden\nunsympathisch gewesen w\u00e4re, aber Gyllan offenbart gelegentlich\negomanische Z\u00fcge, deren famili\u00e4r begr\u00fcndete Herkunft er sp\u00e4ter\naber plausibel macht. Man r\u00fcckt beiden Charakteren zusehends immer\nn\u00e4her und schlie\u00dft sie ungef\u00e4hr so sehr in sein Herz wie sie sich\ngegenseitig.<br>\n<br>\n\u201eRoads\u201c verdeutlicht, dass es im B\u00f6sen\ndas Gute gibt und im Guten auch das B\u00f6se, in politischen\nSchlagzeilen Menschen, vorurteilsfreie Zuneigung, Hoffnung f\u00fcr die\nJugend, Altruismus inmitten der Egozentrik, und dass es nicht wehtut,\nFremden zu helfen. Der Film ist ein Appell an die Mitmenschlichkeit.\nTrotz ihrer Jugendlichkeit wirken beide Figuren zumeist \u00e4lter, als\nsie sein sollten, was die Identifikation f\u00fcr \u00e4ltere Zuschauer umso\ndeutlicher leicht macht.<br>\n<br>\nFilmisch verzichtet Schipper auf\ndie Experimente, mit denen er noch via \u201eVictoria\u201c f\u00fcr Aufsehen\nsorgte, vergisst aber seine Handschrift nicht. In langen\nEinstellungen folgt seine Kamera der Stra\u00dfe und beobachtet seine\nFiguren, doch bleiben diese Bilder eher konventionell und sind nicht\nder Hauptgrund, f\u00fcr diesen Film ins Kino zu gehen. Den Erz\u00e4hlfluss\nbegleiten sie perfekt, das hat Schipper gut in der Hand, und mit der\ndezenten elektronischen Musik der soundtrackerprobten The Notwist\nverh\u00e4lt es sich ebenso. Ach ja: Moritz Bleibtreu folgt seinem\nNachnamen und spielt \u00fcberzeugend eine vertraute durchgeknallte\nFigur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (31.05.2019) Hier gewinnt der Inhalt \u00fcber die Form: Verglichen insbesondere mit Sebastian Schippers vorherigem Film \u201eVictoria\u201c besticht \u201eRoads\u201c mit der Geschichte, die er erz\u00e4hlt, und dies in eher konventionellen Bildern. 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