{"id":296,"date":"2012-11-07T17:19:32","date_gmt":"2012-11-07T16:19:32","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=296"},"modified":"2013-11-15T13:09:21","modified_gmt":"2013-11-15T12:09:21","slug":"camera-shy-mark-sawers-cdn-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/camera-shy-mark-sawers-cdn-2012\/","title":{"rendered":"Camera Shy \u2013 Mark Sawers \u2013 CDN 2012"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-667\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Kino-Film1.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (07.11.2012)<\/p>\n<p>Die Idee ist so gro\u00dfartig und so naheliegend, dass man sich wundert, dass sie vorher noch niemand hatte. Nicht nur das: Das Drehbuch bleibt konsequenz und zieht mit allen erdenklichen m\u00f6glichen Folgen bis zum Ende durch. Der ganze Film ist eine durchgehende Meta-Geschichte: Ein korrupt werdender Stadtrat aus Vancouver glaubt infolge einer Psychose, immerzu von einem Kameramann gefilmt zu werden. Der Clou daran ist, dass der Zuschauer den Film aus der Sicht des imagin\u00e4ren Kameramanns sieht. Und h\u00e4misch grinsend verfolgt, wie der Politiker Zug um Zug sein ganzes Leben versaut. Gro\u00dfartig.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nMit dem Moment, da Stadtrat Larry sich erstmals korrumpieren l\u00e4sst, beginnt der Film. Erste Meta-Ebene: Der Film ist geschnitten wie ein \u2013 Film, aber der real existierende Kameramann, der ja an sich nur im Sinne des Regisseurs seinen Job macht, ist jetzt Inhalt des Films. Nur Larry und der Zuschauer k\u00f6nnen ihn wahrnehmen. Sobald Larry auf den Kameramann eindreschen will, gibt es einen Schnitt und man sieht von der Seite, wie Larry ins Leere haut und in Richtung der neuen Kamera-Position sagt: \u201eWie hast du das gemacht?\u201c Sobald Larry merkt, dass nur er den Kameramann sieht, holt er sich Rat bei einem Psychologen. Der gibt ihm und damit dem Zuschauer die Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Film: Der Kameramann filmt nur die Szenen, in denen Larry sein Ego aufbl\u00e4ht und zum Arschloch wird, etwa, als er sich vom Bau-Tycoon korrumpieren l\u00e4sst, seine Frau bel\u00fcgt oder seine Assistentin poppt. Doch den Rat des Psychologen, den Kameramann als Freund aufzufassen, schl\u00e4gt Larry in den Wind. Stattdessen geht sein Leben mehr und mehr den Bach herunter. Larry t\u00f6tet versehentlich den Ex seiner Assistentin, bel\u00fcgt weiter seine Frau, willigt den Deal mit dem Tycoon ein und schl\u00e4gt hin und wieder ins Leere. Einmal fasst er einen echten Kameramann als seinen imagin\u00e4ren auf und geht dem fast an die Gurgel \u2013 ein gefundener Skandal f\u00fcr die Presse, sehr zum \u00c4rger des Tycoons.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Meta-Ebene: Larry glaubt, der Hauptdarsteller in einem Hollywood-Film zu sein. Ein Beleg ist f\u00fcr ihn die klischeehafte Kleidung seines Psychologen, ein anderer, dass er pl\u00f6tzlich ein Orchester h\u00f6rt. Mit dem Moment der Erkenntnis ver\u00e4ndert sich die Qualit\u00e4t des Films: feste Kamera, satte Farben und T\u00f6ne, hollywood-artige Schnitte, Dudelmusik. Wenn das ein Film ist, glaubt Larry, und er der Held, dann hat er auch das Drehbuch in der Hand. Gro\u00dfkotzig will er jetzt seine Frau zum Zur\u00fcckkommen bewegen und aus dem Deal mit dem Tycoon aussteigen \u2013 mit t\u00f6dlichen Folgen. In einer Bank wird Larry f\u00e4lschlich f\u00fcr einen Geiselnehmer gehalten. Er fordert kurzerhand, dass seine Familie zu ihm zur\u00fcckkehrt \u2013 und einen vern\u00fcnftigen Drehbuchautoren. Inzwischen kann Larry seine Gedanken als Voice-Over h\u00f6ren. Ein Bankangestellter entpuppt sich als Hobby-Scriptautor und erl\u00e4utert Larry, wie es im typischen Hollywoodfilm \u2013 und auch in \u201eShy Cam\u201c \u2013 weitergeht. Erst der Bankangestellte bringt Larry auf den Trichter, was es mit der ganzen Sache auf sich hat und dass er seine urspr\u00fcngliche moralische Haltung wiederherstellen muss, um aus dem Film auszusteigen.<\/p>\n<p>Die Geschichte an sich ist schon spannend, dass ein Politiker glaubt, von einem Kameramann verfolgt zu werden. Besser noch als diese knappe Inhaltsangabe ist eben die Umsetzung, dass der Film das zeigt, was der imagin\u00e4re Mensch filmt. Form und Inhalt sind eins. So sch\u00f6n ist das Medium Film selten Bestandteil seiner selbst gewesen. Sehr sch\u00f6n ist auch, dass man als der kleine Mann mal sieht, wohin es den gro\u00dfen Mann f\u00fchren kann. Es ist eine gro\u00dfe Freude, dem Arschloch beim Scheitern zuzusehen. \u201eCamera Shy\u201c ist ein kleiner Film mit dem Zeug zum \u00dcberraschungserfolg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (07.11.2012) Die Idee ist so gro\u00dfartig und so naheliegend, dass man sich wundert, dass sie vorher noch niemand hatte. 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