{"id":2931,"date":"2019-04-25T20:43:13","date_gmt":"2019-04-25T18:43:13","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2931"},"modified":"2019-04-25T20:56:39","modified_gmt":"2019-04-25T18:56:39","slug":"dumbo-tim-burton-usa-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dumbo-tim-burton-usa-2019\/","title":{"rendered":"Dumbo \u2013 Tim Burton \u2013 USA 2019"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Kino-Film1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-667\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Von Matthias\nBosenick (25.04.2019)<br>\n<br>\nWas hat sich der K\u00fcnstler dabei\ngedacht? Wollte sich Tim Burton, wie weiland Peter Jackson mit \u201eKing\nKong\u201c, einen Kindheitswunsch erf\u00fcllen? Dann h\u00e4tte er \u201eDumbo\u201c\nbesser privat f\u00fcr sich drehen sollen. Sein Remake des\nDisney-Zeichentrickklassikers von 1941 l\u00e4sst beinahe alles\nvermissen, was man von einem Burton-Film erwartet: das M\u00e4rchenhafte,\ndas Fantastische, das Spukige, das Skurrile, den subtilen Humor, die\nmelancholische Tragik, die schlagfertigen Dialoge, die\nbemerkenswerten Charaktere. Burton versteckt seine wenigen guten\nIdeen in einer stressig aneinander montierten, in sich aber d\u00fcnnen\nGeschichte, und findet erst am Ende die Ruhe, die der ganze Film\nverdient h\u00e4tte. Au\u00dferdem l\u00e4sst er den Titelhelden viel zu kurz\nkommen. Entt\u00e4uschend.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Da hat Burton\nalle Tr\u00fcmpfe in der Hand: ein Sujet, das ihm am Herzen liegt und das\ner im Auftrag des Rechteinhabers, der ihn einst sogar chasste, neu\nverwursten darf, eine lebenslange Erfahrung mit abseitigen Filmen in\nh\u00f6chster Qualit\u00e4t und eine Fantasie, um die ihn Horden von\nRegisseuren und Drehbuchautoren beneiden, nicht nur in Hollywood. Und\nwas macht er aus \u201eDumbo\u201c? Eine stressige plakative\nAchterbahnfahrt durch die Kindheit eines Verst\u00e4ndnisgehemmten ohne\nVorstellungskraft.<br>\n<br>\nZun\u00e4chst kreiert Burton eine\nZirkuswelt, die nach dem Ersten Weltkrieg in den USA die\nwirtschaftlichen und k\u00f6rperlichen Folgen des Krieges zu tragen hat,\nalso personell und finanziell ausged\u00fcnnt ist und mit einarmigen und\nalleinerziehenden Kriegsheimkehrern das Programm retten muss, gegen\ndie Sparma\u00dfnahmen des Direktors. Dieser Direktor verh\u00f6kerte, was\ndem Kriegsheimkehrer heilig war, und degradiert den zum\nElefantenpfleger. Nat\u00fcrlich bev\u00f6lkern so einen Zirkus jede Menge\nFreaks, Meerjungfrau, Kraftmensch, Magier, Schlangenmensch, Fakir und\nso weiter. Kennt man. Dann kommt Hans Christian Andersen und kredenzt\ndem Zirkus einen schwangeren Elefanten, der ein h\u00e4ssliches Entlein\ngebiert, mit unf\u00f6rmigem Sch\u00e4del und Riesenohren. Die halbwaisen\nKinder des erziehungsunf\u00e4higen Einarmigen entdecken die\nFlugf\u00e4higkeit des ungeliebten Dickh\u00e4uters und machen das Wundertier\nmanegentauglich. Der Zirkus ist gerettet \u2013 und ger\u00e4t ins Visier\neines Vergn\u00fcgungsparkinhabers, der die Menagerie komplett aufkauft\nund den Direktor zum Compagnon macht. Nun kommt, was sich offenbar so\ngeh\u00f6rt: Der neue Chef ist geldgierig, geht \u00fcber Elefantenleichen\nund setzt die mitgeschleppte Belegschaft vor die T\u00fcr. Die braven\nAusgesto\u00dfenen starten mit Hilfe der akrobatischen Geliebten des\ndemaskierten Vergn\u00fcgungsbosses eine elefant\u00f6se Befreiungsaktion und\nam Ende siegt das instagramkompatible Selbstvertrauen.<br>\n<br>\nAus\ndieser Konstellation h\u00e4tte man so viel machen k\u00f6nnen. Die einzelnen\nmenschlichen Zirkusattraktionen k\u00f6nnten mit ihren archetypischen\nF\u00e4higkeiten individuell in die Geschichte eingearbeitet werden,\nbekommen aber lediglich in der Befreiungsaktion drei knappe Momente.\nAlles verbleibt in Stereotypen, vom Artisten bis zum B\u00e4nker, der\nauch noch mit seiner Arschlochmentalit\u00e4t als Guter aus der Story\ngehen darf. Nicht zuletzt bekommt Dumbo selbst viel zu wenig Raum, um\nProfil zu entwickeln; lediglich in den sp\u00e4rlichen Flugszenen sowie\nbeim Training mit der Akrobatin r\u00fchrt er ein Wenig an. Burton\nklatscht lauter stressige Situationen aneinander und erh\u00f6ht damit\nzus\u00e4tzlich den Stressfaktor. Danny Elfmans permanentes Gedudel tr\u00e4gt\neinen wesentlichen Anteil dazu bei. Anstatt also eine zauberhafte\nGeschichte mit besonderen Figuren zu erz\u00e4hlen, erf\u00fcllt Burton\nlediglich die Sehgewohnheiten modernen Kinopublikums und verzichtet\nauf die eigene Handschrift, die er dem Blockbustervolk ansonsten so\ngern untermogelte. Ja, visuell macht der Film etwas her, aber auch\ndas k\u00f6nnen dank CGI alle anderen Hollywoodfilme auch.<br>\n<br>\nImmerhin\nkann man festhalten, dass Danny De Vito als Zirkusdirektor fabelhaft\nspielt \u2013 und damit eigentlich als einziger. Ex-Batman Michael\nKeaton performt den B\u00f6sewicht, wie man es erwarten w\u00fcrde, bis hin\nzur slapstickhaften Dekonstruktion, nur ohne tiefdunkle Abgr\u00fcnde,\nsodass man es am Ende auch f\u00fcr nicht gerechtfertigt h\u00e4lt, dass\nausgerechnet sein an Disneyland erinnernder Traum dem Erdboden\ngleichgemacht wird; so schlimm war er nun auch wieder nicht.\nGesch\u00e4ftsmann halt. Und der tats\u00e4chlich menschen- und\ntierverachtende B\u00e4nker geht, wie gesagt, straffrei aus.<br>\n<br>\nErst\nmit der Befreiungsaktion l\u00e4sst Burton seiner Fabulierkunst etwas\nmehr Leine. Die l\u00e4utet aber schon das Ende ein, kommt also viel zu\nsp\u00e4t. Und was sich der Rettung anschlie\u00dft, inszeniert Burton dann\nso, wie man sich den ganzen Film gew\u00fcnscht h\u00e4tte: stimmungsvoll,\nromantisch, einfallsreich, entspannt. Au\u00dferdem bricht er eine Lanze\nf\u00fcr die Befreiung von Zirkustieren aus ihren K\u00e4figen und bringt\ndamit noch so etwas wie Haltung unter. Seine Figuren hingegen haben\nwenig Format, Burton g\u00f6nnt ihnen im Tohuwabohu der Geschehnisse\nnicht mal den Raum f\u00fcr die wenigen Lustigkeiten, die er ihnen\ntats\u00e4chlich zugesteht. Das mit dem angeklebten Schnauzbart und der\naus dem Nichts erscheinenden Taube ist lustig, geht aber unter \u2013\nund h\u00e4tte noch einiges mehr seiner Art mitbringen d\u00fcrfen. Als w\u00e4ren\ndem Fantasten die Ideen ausgegangen. Zudem richtet sich das Geschehen\nso sehr an Kinder, dass man als Erwachsener wenig Spa\u00df daran findet,\nanders als etwa an den Lego-Filmen. Aber Spa\u00df hatten eigentlich auch\ndie Kinder im Kino nicht. Man f\u00fchlt sich von Burton um ein\nfantastisches Kinoabenteuer betrogen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (25.04.2019) Was hat sich der K\u00fcnstler dabei gedacht? Wollte sich Tim Burton, wie weiland Peter Jackson mit \u201eKing Kong\u201c, einen Kindheitswunsch erf\u00fcllen? Dann h\u00e4tte er \u201eDumbo\u201c besser privat f\u00fcr sich drehen sollen. 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