{"id":2889,"date":"2019-03-19T22:58:43","date_gmt":"2019-03-19T21:58:43","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2889"},"modified":"2019-03-19T22:58:43","modified_gmt":"2019-03-19T21:58:43","slug":"micha-el-goehre-wenn-das-leben-dir-limonade-gibt-mach-zitronen-draus-satyr-verlag-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/micha-el-goehre-wenn-das-leben-dir-limonade-gibt-mach-zitronen-draus-satyr-verlag-2019\/","title":{"rendered":"Micha-El Goehre \u2013 Wenn das Leben dir Limonade gibt, mach Zitronen draus \u2013 Satyr-Verlag 2019"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2890\" title=\"Micha-El Goehre - Wenn das Leben dir Limonade gibt, mach Zitronen draus\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Micha-El-Goehre-Wenn-das-Leben-dir-Limonade-gibt-mach-Zitronen-draus.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"172\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (19.03.2019)<\/p>\n<p>Der Autor nimmt das Credo seines Titels ernst: Was auch immer andere lecker finden m\u00f6gen, er findet einen Grund, dar\u00fcber sauer zu sein. Und sei es auf Leute, die auf alles sauer sind. Ohne das Spiel mit Meta-Ebenen und eingestreutem selbstkritischen Augenzwinkern hielte man den Autoren \u2013 oder seine Ich-Figur \u2013 f\u00fcr einen selbstgerechten, negativen Meckerkopp, der nach eigener Ansicht zu wenig Geschlechtsverkehr hat (k\u00f6nnte eine Erkl\u00e4rung sein). Die Texte aus diesem Buch stammen von Leseb\u00fchnen, Poetry Slams und Magazinkolumnen \u2013 und geben viel zu selten Goehres verletzlicher Seite Raum. Dabei wirkt er genau in solchen Momenten am sympathischsten \u2013 und das kann er nicht verbergen, der Black-Metal-Slammer, dass er n\u00e4mlich sympathisch ist. Sonst h\u00e4tte man an der Lekt\u00fcre n\u00e4mlich weit weniger Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p><!--more-->Goehre hat eine ernste Seite. Mit dem Text \u201eAch, Johannes, wo ist dein Punk geblieben?\u201c positioniert er sich gegen Nazis und hinterfragt die Beweggr\u00fcnde f\u00fcr den Rechtsruck selbst bei Leuten mit gleicher Sozialisation wie er \u2013 ein Ph\u00e4nomen, das wohl viele Menschen betrauern. Das d\u00fcrfte der tiefste Text in diesem Buch sein. Denn offenbar scheint er seiner ernsten Seite selbst nicht ausreichend zu trauen. Oder seinem Publikum diese Ernsthaftigkeit nicht zuzutrauen. Spricht er Themen an wie Depressionen (\u201eDer schwarze Hund\u201c), Posttraumatische Belastungsst\u00f6rungen (\u201eDer Sex deiner Eltern\u201c), missgl\u00fcckte Beziehungen oder die eigene Sterblichkeit, driftet er seinen Tonfall gern ins Flapsige und kurvt damit am Kern der Themen vorbei. Auf diese Weise geschieht es bisweilen, dass er manchen abgeholten Leser nach halber Strecke wieder verliert. So richtig einig kann man mit dem Ich-Erz\u00e4hler nicht immer sein. Dabei w\u00e4re man das doch so gern, weil: Metal!<\/p>\n<p>So kalt, wie Goehre tut, ist sein Herz n\u00e4mlich nicht. Der Text \u201eBei der Partnervermittlung\u201c d\u00fcrfte das Warmherzigste sein, das er in dieses Buch eingebracht hat. Hier beherrscht und bedient er die Nichterf\u00fcllung von Stereotypen und Vorurteilen und offenbart seine romantische Seite. Ganz anders als in dem mit \u201eRomantik\u201c \u00fcberschriebenen Text, in dem jene daraus besteht, mit der neuen Flamme gemeinsam nach dem Saufen kotzen zu k\u00f6nnen. Man versteht, was er meint, aber: Dieses Vulg\u00e4re und F\u00e4kale ist eigentlich die Spielwiese von Comedians, hier greift er diese billigen Lacher ungeniert ab \u2013 abermals mit dem Kniff, das selbst im Einleitungstext zuzugeben und jedem Kritiker den Wind aus den Segeln nehmen zu wollen. Am Produkt \u00e4ndert das indes nichts.<\/p>\n<p>\u00dcber solches muss man hinwegsehen, wenn man sich die Geschichten zu Gem\u00fcte f\u00fchrt, denn Goehre berichtet von Kuriosem und Allt\u00e4glichem, Naheliegendem und Weithergeholtem, wie es sich f\u00fcr Kolumnisten, Slammer und Leseb\u00fchnenautoren eben geh\u00f6rt. Er betrachtet die Menschen um sich herum, in \u00d6ffis, Kneipen, auf der Stra\u00dfe, nur dass er sie zumeist Schei\u00dfe findet. Diesen kleinsten gemeinsamen Nenner teilt er vermutlich mit seiner Gefolgschaft, wird aber \u2013 der Rufer im Walde \u2013 die Nichtbekehrten erst gar nicht in sein Publikum integriert bekommen. Damit strahlt er dann manchmal eine auf den schnellen Lacher abgezielte, aber unangebrachte \u00dcberheblichkeit aus.<\/p>\n<p>Was hier nat\u00fcrlich fehlt, ist systemimmanent: Diese Texte funktionieren vermutlich mit Goehres Vortragsweise viel besser. Man sieht und h\u00f6rt ihm gern zu, wie er inmitten h\u00e4rtester Themen pl\u00f6tzlich niedlich spricht oder bei gesteigertem Angepisstsein in \u00fcbelste Schreierei ausbricht. Hat man ihn mal erlebt, f\u00e4llt es leicht, Goehres Performanceweise in die Lekt\u00fcre einzuflechten. Einen eigenen Sound hat Goehre auch als Schreiber, damit unterstreicht er, warum man sich ihn als Autoren aus der Masse der Kollegen zur Lekt\u00fcre herauspicken sollte. Mit den oben genannten Punkten muss man sich arrangieren, wenn man das Buch nicht komplett beiseite legen will. Den schlie\u00dflich ist es mindestens kurzweilig. Und irgendwie bleiben die ekligen Sachen ja auch h\u00e4ngen: Wer sich etwa mit Sabber auf der Wange aufwachend ertappt, hat sofort eine bestimmte Geschichte aus diesem Buch vor Augen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (19.03.2019) Der Autor nimmt das Credo seines Titels ernst: Was auch immer andere lecker finden m\u00f6gen, er findet einen Grund, dar\u00fcber sauer zu sein. Und sei es auf Leute, die auf alles sauer sind. Ohne das Spiel &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/micha-el-goehre-wenn-das-leben-dir-limonade-gibt-mach-zitronen-draus-satyr-verlag-2019\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2890,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-2889","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-buch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2889","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2889"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2889\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2891,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2889\/revisions\/2891"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2890"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2889"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2889"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2889"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}