{"id":2864,"date":"2019-03-09T17:25:31","date_gmt":"2019-03-09T16:25:31","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2864"},"modified":"2019-03-09T17:25:31","modified_gmt":"2019-03-09T16:25:31","slug":"the-claypool-lennon-delirium-south-of-reality-ato-records-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-claypool-lennon-delirium-south-of-reality-ato-records-2019\/","title":{"rendered":"The Claypool Lennon Delirium \u2013 South Of Reality \u2013 ATO Records 2019"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2866\" title=\"The Claypool Lennon Delirium - South Of Reality\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/The-Claypool-Lennon-Delirium-South-Of-Reality.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"110\" \/><\/p>\n<p>Von Michael \u201eSchepper\u201c Schaefer (08.03.2019)<\/p>\n<p>Moin,<\/p>\n<p>wie schreibt man eine Rezi, wenn eigentlich schon vorher klar ist, dass wir hier mein pers\u00f6nliches Lieblingsalbum des Jahres vorliegen haben?<br \/>\nAll meine Erwartungen wurden sogar noch weit \u00fcbertroffen.<br \/>\nMal ehrlich \u2013 was soll denn da jetzt noch kommen? Au\u00dfer vielleicht, die Herren Claypool und Lennon sind noch kreativer als jetzt und legen dieses Jahr noch ein Album nach&#8230;<\/p>\n<p><!--more-->Aber von vorne: Bereits beim genialen Debutalbum haben Les Claypool (Bass, Vocals, etc., kennt man von u.a. \u201ePrimus\u201c) und Sean Lennon (Git, Vocals, etc., kennt man von \u201eThe Ghost Of A Saber Tooth Tiger\u201c und von Yoko und John) gezeigt, dass sie prima harmonieren und irre gute Songs zusammen schreiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Beim der nachfolgenden Maxi gab es daf\u00fcr \u2018ne Rutsche gut umgesetzter Coversongs, die ziemlich genau zeigen welchen Einfl\u00fcssen die beiden so ausgesetzt waren\/sind (Pink Floyd\/Syd Barrett, King Crimson, The Who\/John Entwistle, etc.).<\/p>\n<p>Auf dem neuesten Output haben sich die Enfants Terribles in Claypools Rancho-Relaxo-Studio verschanzt und ihrer Kreativit\u00e4t freien Lauf gelassen. Alle Instrumente wurden von den beiden selbst eingespielt und nur bei einigen Tracks wurde auf die Hilfe eines Schlagzeugers zur\u00fcckgegriffen (Paulo Baldi).<\/p>\n<p>Das schr\u00e4ge Plattencover l\u00e4sst bereits auf den nicht minder schr\u00e4gen Inhalt schlie\u00dfen: Eine Grille (Cricket Chronicles Revisited) starrt auf einen Kompass inmitten einer felsigen Planetenlandschaft mit drei Monden und \u2013 wenn man genauer hinguckt \u2013 einen Todesstern. Hier und da findet man weitere Andeutungen auf einzelne Songs, so kann man u.a. eine Raketenstartrampe entdecken (Blood And Rockets) und auch einige Edelsteine im Felsboden (Amethyst Realm).<\/p>\n<p>Die beiden Vinylscheiben kommen in augenkrebsf\u00f6rderndem Pink daher, versehen mit einem psychedelischen Mandala als Label in der Mitte.<br \/>\nSo m\u00fcssen coole Schallplatten aussehen!<\/p>\n<p>Aber kommen wir zur Musik. Hier wurden von zwei h\u00f6chst individuellen Spezialmusikern extrem eigenst\u00e4ndige, interessante und wahnwitzige Songs geschrieben, bei denen sich auch nach mehrmaligem H\u00f6ren immer wieder Neues entdecken l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Eine wilde Mischung aus 60er-Psychedelia, 70er-Progrock, Beatles-Harmonien, Syd-Barrett-Wahnsinn, Zappa-Eskapaden, pinkfloydigen Gitarrensoli, frickeligen Basslinien und Jahrmarktsmelodien machen das Zuh\u00f6ren zu einer reinen Achterbahnfahrt.<br \/>\nIn meinem Kopf laufen gleichzeitig alle Tim-Burton-Filme, 50er-Ufo-Streifen und die Muppet Show ab. Das ist wahre Psychedelic&#8230;<\/p>\n<p>Song Nummer Eins (\u201eLittle Fishes\u201c) gibt bereits die grobe Richtung vor und l\u00e4sst schon erahnen, wo die Reise hingeht. Kinderliedmelodien treffen auf irre Wendungen, coole Tempiwechsel und\u00a0 halsbrecherische Bassl\u00e4ufe.<\/p>\n<p>\u201eBlood and Rockets\u201c strotzt nur so mit Beatles-Zitaten, aber wenn das einer darf, dann Sohnemann Sean, der segensreicherweise die Stimme seines Vaters und die Schr\u00e4gheit seiner Mutter geerbt hat (zum Gl\u00fcck nicht andersrum).<br \/>\nClaypool hingegen kann auch songdienlich und liefert hier eine solide Paule-Basslinie mit sch\u00f6nen Einsch\u00fcben.<br \/>\nMit schwurbeligen Mellotronkl\u00e4ngen wird hier die Psychedelic der 60er in ein neues Jahrtausend gebeamt. \u00dcberhaupt klingt hier nichts verstaubt oder altbacken. Themen werden maximal zitiert und in die v\u00f6llig eigenst\u00e4ndigen Songs integriert.<\/p>\n<p>\u201eSouth Of Reality\u201c beginnt mit einem wilden Ritt auf einem wilden Riff, der in einen groovigen Refrain endet und anschlie\u00dfend in unendliche Weiten abdriftet. Ein spaciges Orgelsolo und der typische nasale Claypool-Gesang lassen mich grinsend zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eBoriska\u201c hingegen ist ganz gro\u00dfe Kino. Der orchestrale Auftakt m\u00fcndet in einen gottgleichen, mit Streichern unterlegten Refrain, der s\u00fc\u00df wie Honig die Ohren umsp\u00fclt und darin kleben bleibt. Und das tagelang \u2013 ich schw\u00f6re.<br \/>\nDer kn\u00f6rrige Bass-Sound Claypools h\u00e4tte einem Geddy Lee (Rush) zur Ehre gereicht und die genialen Wendungen und das indisch angehauchte Gitarrensolo m\u00e4andern in das Ungewisse. Nochmal! Mein absoluter Lieblingstrack.<\/p>\n<p>\u201eEasily Charmed By Fools\u201c wird durch einen typisch aufdringlichen Primus-Bass dominiert, der zeigt, wo die Reise hingeht. Bei den schr\u00e4gen Gitarrenriffs blitzt hier und da ein Schorse Harrison durch und das Mellotron trifft auf Zerrbass und Lagerfeuergitarre. Unvorhersehbar, ungew\u00f6hnlich, geil. Ihr habt doch \u2018ne Meise&#8230;<\/p>\n<p>\u201eAmethyst Realm\u201c beginnt h\u00f6chst mysteri\u00f6s mit stoischem Bass und unheilschwangerem Gesang von Lennon, der hier mit originellen Gitarrensounds \u00fcberrascht und ein derma\u00dfen floydiges Gitarrensolo abliefert, dass mich staunend zur\u00fcck und nochmal auf die Plattenh\u00fclle schauen l\u00e4sst. Tats\u00e4chlich: All instruments played by Les Claypool and Sean Lennon. Unglaublich! Unglaublich geil.<\/p>\n<p>\u201eToday\u2018s Man\u2018s Hour\u201c ist ein grooviger, recht kurzer Song, der besticht durch tolle Gitarrensounds mit abgefahrenen Effekten, Primus\u2018schem Frickelbass und n\u00e4selndem Claypool. Auch hier l\u00e4sst sich immer wieder etwas Neues entdecken.<br \/>\nEs gibt unendlich viele Sounds, Effekte, Feinheiten und Parts. Cool.<\/p>\n<p>\u201eCricket Chronicles Revisited\u201c schie\u00dft den Vogel ab mit indischen Ankl\u00e4ngen, Sitar und Singsanggesang \u00e0 la Harrison. Der sitzt derweil oben auf Wolke sieben und freut sich \u00fcber dieses liebevolle Zitat. Meine G\u00fcte, das muss man geh\u00f6rt haben \u2013 allein, was der Bass dazu veranstaltet&#8230;<\/p>\n<p>\u201eLike Fleas\u201c ist der Popsong zum Weltuntergang. Ein zynisches, b\u00f6ses, schr\u00e4ges, von Claypool intoniertes und von Lennon mit Harmoniegesang veredeltes Lied, das den typisch britischen Humor atmet, obwohl die Jungs gar keine Briten sind.<br \/>\nSyd h\u00e4tte seine Freude gehabt und wir haben sie jetzt.<\/p>\n<p>Fazit: Ein aus der Zeit gefallenes Hammeralbum! Eine Scheibe mit den Vibes von\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 gestern, f\u00fcr das Hier und Heute und f\u00fcr die Ewigkeit. Hallelujah&#8230;<br \/>\nPsychedelisch, proggig, schr\u00e4g, abgefahren, genial.<br \/>\nDa haben sich zwei absolute Genies gefunden. Bitte mehr davon.<br \/>\nAber erstmal muss ich dieses wundervolle Doppelalbum verarbeiten&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Michael \u201eSchepper\u201c Schaefer (08.03.2019) Moin, wie schreibt man eine Rezi, wenn eigentlich schon vorher klar ist, dass wir hier mein pers\u00f6nliches Lieblingsalbum des Jahres vorliegen haben? All meine Erwartungen wurden sogar noch weit \u00fcbertroffen. 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