{"id":2853,"date":"2019-03-02T17:10:32","date_gmt":"2019-03-02T16:10:32","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2853"},"modified":"2019-03-02T17:16:11","modified_gmt":"2019-03-02T16:16:11","slug":"heavy-trip-jukka-vidgren-juuso-laatio-bfinn-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/heavy-trip-jukka-vidgren-juuso-laatio-bfinn-2018\/","title":{"rendered":"Heavy Trip \u2013 Jukka Vidgren &#038; Juuso Laatio \u2013 B\/FIN\/N 2018"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20190301_210516.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2855\" title=\"Schepper auf dem Heavy Trip\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20190301_210516-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20190301_210516-300x168.jpg 300w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20190301_210516-1024x575.jpg 1024w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20190301_210516-500x280.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (02.03.2019)<\/p>\n<p>Eine Ansammlung von Klischees aus Kom\u00f6die und Heavy Metal, die beiden Seiten nicht gerecht wird und bei der es dann umso mehr verwundert, dass dabei trotzdem gelegentlich \u00fcberm\u00e4\u00dfig gute Gags herauskommen: Das ist \u201eHeavy Trip\u201c. Um die guten Gags herum h\u00e4tte man sich einen so guten Film einfallen lassen k\u00f6nnen, aber nein, viel lieber greifen die Finnen auf das zur\u00fcck, was jeder Zuschauer schon hinreichend kennt. Das allein macht aus \u201eHeavy Trip\u201c leider keinen guten Film. Immerhin, der Song der Band, um die es geht, hat Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p><!--more-->Die Grundkonstellation ist einfach: Vier junge langhaarige M\u00e4nner aus einer finnischen Kleinstadt spielen zusammen als Band, werden aber vom Rest des Ortes bel\u00e4chelt bis verspottet. Als sich die Aussicht darauf ergibt, bei einem angesagten Metal-Festival im Nachbarland Norwegen zu spielen, bekommt die Band einige Popularit\u00e4t im Ort, die sich indes zerschl\u00e4gt, als sich dieses Ger\u00fccht als unwahr herausstellt. Die Band ist trotzig und nimmt den \u201eHeavy Trip\u201c nach Norwegen trotzdem auf sich.<\/p>\n<p>Klingt erstmal ganz interessant, die Geschichte vom Underdog, der gegen alle Widerst\u00e4nde sein Ding durchzieht und damit auch noch in Erfolge feiert. Das funktionierte schon bei \u201eRocky\u201c gut. Und bei Abermillionen weiterer Underdogfilme. Sei\u2019s drum, das kann ja funktionieren, wenn das Drumherum sich unterscheidet. Da tut es aber nicht. Die Langhaarigen begegnen den \u00fcblichen Klischees vom als Homo angesehenen Au\u00dfenseiter, von der f\u00fcr andere unh\u00f6rbaren Musik, vom depressiven Erscheinungsbild der Metalheads. Dann wenigstens die anderen im Dorf. Auch nicht, da gibt es den Entertainer, der so popul\u00e4r ist, dass er die Dorfsch\u00f6nheit f\u00fcr sich klarmacht. Deren Vater, der etwas gegen die Hippies hat. Die Prolls, die chartsh\u00f6rend am Auto schrauben. Die Eltern, die trotzdem wenigstens das Essen zubereiten und den Keller zur Verf\u00fcgung stellen. Puh.<\/p>\n<p>Dann sollen wenigstens die kom\u00f6diantischen Anteile herausragen. Aber auch das erf\u00fcllt der Film nicht, jedenfalls nicht durchgehend auf gutem Niveau. RomCom-m\u00e4\u00dfig interessiert sich die Dorfsch\u00f6ne sehr wohl f\u00fcr den merkw\u00fcrdigen schwarzgekleideten Au\u00dfenseiter. In der Irrenanstalt gibt\u2019s einen Lappen, der dunkle, also unfinnische, Hautfarbe hat. Auf dem Weg nach Norwegen bricht beinahe ein Krieg wegen vermeintlicher Islamisten aus, Feuerwaffen gehen unkontrolliert los. Rentiere laufen herum und verursachen Unf\u00e4lle. Oder Hits. Man sch\u00e4mt sich im Kinosessel dar\u00fcber, wie z\u00e4h die Handlung sich entwickelt und welche m\u00fcden Gags sie begleiten. Handlung, ja. Was wollte nochmal der norwegische Festivalchef in Finnland, zuf\u00e4llig Rentierblut kaufen? Warum? Und Witze \u00fcber Kotze, ernsthaft? Man kann sich nur freuen, dass die Band nie in Alkoholexzesse verf\u00e4llt, ein Klischee, das im Film tats\u00e4chlich fehlt.<\/p>\n<p>Vielleicht ist der Film ja wenigstens irgendwie finnisch. Also wie etwas von Aki Kaurism\u00e4ki, der mit \u201eLeningrad Cowboys\u201c auch schon Bands auf die Stra\u00dfe schickte. Nichts davon: Keine langen Kameraeinstellungen, keine schweigsamen Charaktere, die Geschichte l\u00e4sst sich keine Zeit (und langweilt trotzdem). \u201eHeavy Trip\u201c k\u00f6nnte aus jedem anderen Land der Welt sein, das irgendwie westlich orientierte Filme produziert. Alle gleich.<\/p>\n<p>Und dann gibt es immer wieder Lichtblicke, bei denen man sich fragt, ob sie Zufall sind oder ob die Filmemacher nicht doch einen Einblick in gewisse Szenen haben. Manche Oneliner treffen akkurat ins Ziel, am besten die Reaktion der Hauptfigur auf die Homo-Vorw\u00fcrfe: Er dr\u00fcckt dem Proll einen Kuss auf den Mund und sagt, \u201eauch Homos sind M\u00e4nner, soll ich es dir mal beweisen?\u201c. Der Schriftzug der Band, die sich nach zw\u00f6lf Jahren endlich einen Namen gibt, der da \u201eImpaled Rectum\u201c lautet und den ein Mitglied als \u201eIskender Kebap\u201c fehlentziffert. Grandios ist das Bandfoto, in Herleitung und Ausf\u00fchrung. Und so manche Kleinigkeit mehr. Die Landschaftsbilder sind eindrucksvoll, auch manche wieder aufgenommene Idee \u00fcberrascht, etwa die Reenactment-Wikinger, die mit ihren Schilden die anr\u00fcckenden Polizisten abwehren.<\/p>\n<p>Das Schlimmste ist eigentlich, dass die Dorfbewohner die Jungs erst akzeptieren, als sie vermeintlich etwas geleistet haben, aber nicht um ihrer selbst willen. In Summe bedient der Film Sichtweisen, wie Menschen sie international \u00fcberall vertreten, und das nicht allein auf den Heavy Metal bewogen. Die Witze und Vorurteile sind ungef\u00e4hr auf dem Flachwitzniveau von \u201eWillkommen bei den Sch\u2019tis\u201c, und offenbar gibt es genug Publikum daf\u00fcr, das genau solche Witze braucht. Und das auch in Metal-Kreisen. Der Schwarze, der in der Irrenanstalt sitzt und f\u00fcr den verstorbenen Schlagzeuger einspringt, mit dem T-Shirt \u201eI put the Black in Black Metal\u201c. Erschreckend.<\/p>\n<p>Der Film lief in Braunschweig im Rahmen der Musikfilmreihe \u201eSound On Screen\u201c im Universum-Kino mit einem Vorprogramm, das ausnahmsweise nicht im Caf\u00e9 Riptide stattfand: Herausgeber Frank Sch\u00e4fer stellte sein Buch \u201eHear \u2018em All\u201c vor, in dem zahllose Autoren ihre liebsten Heavy-Metal-Platten vorstellen. Nat\u00fcrlich Sch\u00e4fer selbst, und zu seiner Pr\u00e4sentation lud er Weggef\u00e4hrten und Coautoren ein, mit denen er auch Leseb\u00fchnen teilt: Gerald Fricke aus \u201eLemmy &amp; die Schm\u00f6ker\u201c-Zeiten sowie Till Burgw\u00e4chter und Axel Klingenberg, mit denen er das Metallesetrio \u201eRead \u2018em All\u201c bildet. Eine sch\u00f6ne Idee, solch eine Lesung im Kino zu veranstalten, und weil die Jungs einen guten Musikgeschmack haben, luden sie Schepper dazu ein, mit seinem Solobass und seiner psychedelischen Musik den Abend zu bereichern. Ein sch\u00f6nes Vorprogramm f\u00fcr den \u201eHeavy Trip\u201c, der qualitativ deutlich dagegen abfiel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (02.03.2019) Eine Ansammlung von Klischees aus Kom\u00f6die und Heavy Metal, die beiden Seiten nicht gerecht wird und bei der es dann umso mehr verwundert, dass dabei trotzdem gelegentlich \u00fcberm\u00e4\u00dfig gute Gags herauskommen: Das ist \u201eHeavy Trip\u201c. 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