{"id":2849,"date":"2019-02-25T23:31:45","date_gmt":"2019-02-25T22:31:45","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2849"},"modified":"2019-02-25T23:31:45","modified_gmt":"2019-02-25T22:31:45","slug":"de-staat-bubble-gum-caroline-international-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/de-staat-bubble-gum-caroline-international-2019\/","title":{"rendered":"De Staat \u2013 Bubble Gum \u2013 Caroline International 2019"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2850\" title=\"De Staat - Bubble Gum\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/De-Staat-Bubble-Gum.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"110\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (25.02.2019)<\/p>\n<p>Das d\u00fcrfte das gr\u00f6\u00dfte R\u00e4tsel der Menschheit sein: Da ver\u00f6ffentlichen De Staat Ende 2018 als Download mit \u201eKitty Kitty\u201c den besten Song des dritten Jahrtausends, und das Album dazu, \u201eBubble Gum\u201c, enth\u00e4lt nur Schei\u00dfe. Man bleibt fassungslos zur\u00fcck. Die Gr\u00e4tsche aus Sperrigkeit und trotzdem Kommerz gelingt den Niederl\u00e4ndern einfach mal gar nicht, nicht nur das, beide Komponenten bedienen sie auch noch jede f\u00fcr sich unh\u00f6rbar. Der gro\u00dfe Hit ist es wert, den Preis eines Albums daf\u00fcr zu zahlen, aber zu allem \u00dcbel ist der hier auch noch um fast eine Minute gek\u00fcrzt und somit physikalisch nicht in der vollen Pracht zu haben. Eine grandiose Entt\u00e4uschung.<\/p>\n<p><!--more-->\u201eKitty Kitty\u201c hat lauer Komponenten, f\u00fcr die andere Bands einen Gro\u00dfteil ihres Oeuvres eintauschen w\u00fcrden, und De Staat kombinieren diese Elemente schl\u00fcssig, zwingend, mitrei\u00dfend. Man kann gar nicht sagen, um was f\u00fcr eine Musikrichtung es sich \u00fcberhaupt handelt, und wenn der Song erstmal l\u00e4uft, will man das auch gar nicht mehr. De Staat gelten als Indierockband, aber das best\u00e4tigt \u201eKitty Kitty\u201c nicht zwingend. Strukturell erinnert das St\u00fcck an \u201eNew Noise\u201c von Refused: Los geht es mit einem schleppenden tanzbaren Beat, der auf einem wie abgerutscht wirkenden Basslauf basiert; gegen Ende eines Vierertaktes zieht der eint\u00f6nige Bass abrupt nach oben. Alle paar Takte drischt der Schlagzeuger f\u00fcr einen Break auf seine verst\u00e4rkten Snares ein. Der S\u00e4nger rezitiert eher gelangweilt-abgehackt, als dass er wirklich singt, und unterf\u00fcttert damit die Spannung, die aus der Musik resultiert. Diverse Piept\u00f6ne bilden eine Art Melodie. Im Verlauf wechselt die Musik kurz in Richtung Techno und g\u00f6nnt sich so manche unvorherseh-, aber nachvollziehbare Eruption. Stimmungen wechseln, Breaks verwirren, und je l\u00e4nger der Song l\u00e4uft, desto mehr Leute wollen dazu tanzen.<\/p>\n<p>Das Ding kracht, immer und immer wieder. Ein Album von einer Band, die solches zu kreieren in der Lage ist, das w\u00e4re ein Traum! Wenn das dann auch so geil vielf\u00e4ltig ist wie seinerzeit \u201eThe Shape Of Punk To Come\u201c, das mitnichten das Rezept von \u201eNew Nosie\u201c einfach nur auswalzt, sondern lauter beinahe ebenb\u00fcrtige, aber andere Brenner dazupackt \u2013 \u201eBubble Gum\u201c h\u00e4tte das Zeug zum sicheren Platz in den ewigen Toplisten.<\/p>\n<p>Aber dann: Schon Track zwei nach \u201eKitty Kitty\u201c erzeugt Ekel. In \u201eFake It Till You Make It\u201c verwendet der S\u00e4nger den Cher-Effekt zu einem Song, der aus Plastikmusik besteht. Das ist ganz schlimme Radioanbiederei, ohne dem Radio tats\u00e4chlich etwas bieten zu k\u00f6nnen, denn selbst daf\u00fcr ist der Song zu orientierungslos und unausgegoren. Wenn das ein Scherz sein soll, kann man ja mal abwarten, ob man beim zweiten Durchlauf dar\u00fcber lacht.<\/p>\n<p>Mitnichten. Sicherlich tauchen vereinzelte Soundelemente aus \u201eKitty Kitty\u201c immer wieder mal auf, aber ihnen fehlten der brillante Kontext und letztlich auch die Innovation, denn schlie\u00dflich gibt es sie ja bereits in \u201eKitty Kitty\u201c. Nat\u00fcrlich ist damit eine Art Signatursound von De Staat festgelegt, aber gute Songs bleiben komplett auf der Strecke. Einzig die Ballade \u201ePhoenix\u201c, die j\u00fcngste Single mithin, generiert noch einen unerwarteten Hinh\u00f6rer.<\/p>\n<p>Man fragt sich, was De Staat eigentlich wollen. Manchmal scheinen sie wie Devo oder die Talking Heads klingen zu wollen, m\u00f6glicherweise wie LCD Soundsystem. Doch immer fehlt ihnen der Charakter, die Musik ist k\u00fcnstlich, nicht k\u00fcnstlerisch, und es fehlt ihr an der tiefschwarzen Seele, die \u201eKitty Kitty\u201c ahnen lie\u00df. Vielleicht greift die Band damit ja eigentlich nur ihren altbekannten Stil auf, schlie\u00dflich gibt es bereits f\u00fcnf Alben von De Staat; damit m\u00fcsste man sich auseinandersetzen. Gut macht das \u201eBubble Gum\u201c dann aber nur f\u00fcr diejenigen, die solche Musik so bereits verehren. \u201eKitty Kitty\u201c-Ersth\u00f6rer bleiben auf der Strecke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (25.02.2019) Das d\u00fcrfte das gr\u00f6\u00dfte R\u00e4tsel der Menschheit sein: Da ver\u00f6ffentlichen De Staat Ende 2018 als Download mit \u201eKitty Kitty\u201c den besten Song des dritten Jahrtausends, und das Album dazu, \u201eBubble Gum\u201c, enth\u00e4lt nur Schei\u00dfe. 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