{"id":2815,"date":"2019-01-21T22:43:24","date_gmt":"2019-01-21T21:43:24","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2815"},"modified":"2019-01-21T22:43:24","modified_gmt":"2019-01-21T21:43:24","slug":"anne-clark-thomas-ruckoldt-homage-the-silence-inside-after-hours-productions-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/anne-clark-thomas-ruckoldt-homage-the-silence-inside-after-hours-productions-2018\/","title":{"rendered":"Anne Clark &#038; Thomas R\u00fcckoldt \u2013 Homage: The Silence Inside \u2013 After Hours Productions 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2816\" title=\"Anne Clark &amp; Thomas R\u00fcckoldt - Homage\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Anne-Clark-Thomas-R\u00fcckoldt-Homage.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"110\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (21.02.2019)<\/p>\n<p>So ganz still und heimlich wirft Anne Clark nach zehn Jahren Scheinpause ein neues Album auf den Markt, vertrieben ausschlie\u00dflich \u00fcber ihre Webseite. Als Verb\u00fcndeten suchte sie sich das unbeschriebene Blatt Thomas R\u00fcckoldt aus Jena, die Texte stammen zum zweiten Mal nicht von ihr: Mit Soundscapes oder Piano unterf\u00fcttert, rezitiert Clark Lieblingsgedichte von Lieblingsdichtern. Verglichen mit dem Vorg\u00e4ngeralbum \u201eThe Smallest Acts Of Kindness\u201c beinahe entt\u00e4uschend minimalistisch, Tanzfl\u00e4chenf\u00fcller sind gar nicht enthalten. Doch gibt man dem Album eine Chance, \u00f6ffnen sich die positiven Seiten und man gewinnt es lieb.<\/p>\n<p><!--more-->So still, wie das Album in die Welt kam, erklingt es auch: R\u00fcckoldt h\u00e4lt sich reduziert, entwirft zun\u00e4chst eher Soundscapes als Songs und l\u00e4sst die Ahnung von Rhythmen maximal dadurch aufkommen, dass er seinen Ger\u00e4uschen regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrende Strukturen zubilligt. Setzt er sich hingegen f\u00fcr andere St\u00fccke ans Piano, erzeugt er damit sogar W\u00e4rme, und im Vergleich dazu nimmt man wahr, dass auch die anderen, elektronischen Tracks keine K\u00e4lte ausstrahlen. Ihnen liegt vielmehr Tiefe inne, romantische Dunkelheit beinahe, eher Kerzenflackern als Finsternis also. Auch Cello oder Harfe l\u00e4sst R\u00fcckoldt zum Einsatz kommen, stets stimmig integriert . Auf einen richtigen Beat indes muss man fast bis zum Ende des Albums warten: Track 11 von 15 deutet ihn an, erst Track 13 setzt ihn um. \u201eOur Darkness\u201c oder \u201eSleeper In Metropolis\u201c ert\u00f6nt davon aber nicht.<\/p>\n<p>Etwas befremdlich erscheint, dass die Poetin Clark hier nicht auf eigene Texte zur\u00fcckgreift, doch muss man wohl annehmen, dass ihre Auswahl auch ihre Gef\u00fchlslage repr\u00e4sentiert. Wie gewohnt setzt sie sich mit Welt, Gesellschaft und ihrem Innenleben auseinander; die Schwere der Themen greift R\u00fcckoldt passend auf. In einem Falle, \u201eBuddha in der Glorie\u201c, unterl\u00e4sst es die K\u00fcnstlerin dieses Mal, anders als noch auf \u201eJust After Sunset\u201c mit Martyn Bates, Rainer Maria Rilke auf Englisch zu \u00fcbersetzen, wagt es aber trotz jahrelanger enger Kontakte nach Deutschland nicht, das Gedicht selbst komplett zu rezitieren. Das \u00fcberl\u00e4sst sie ihrem musikalischen Partner, der das selbstredend nicht so gut hinbekommt wie sie, aber daf\u00fcr ist er eben als Musiker umso besser.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hatte Clark ihre kommerziell wichtigste Zeit in den Achtzigern, aber k\u00fcnstlerisch hat sie nie an Boden verloren. Sie zeigte sich immerfort wandelbar und doch eigensinnig, suchte sich je nach Zuneigung oder Stimmung andere Mitmusiker f\u00fcr ihre Projekte aus und kredenzt dem H\u00f6rer ein breites Portfolio an fabelhaften Werken. Das bislang letzte Album \u201eThe Smallest Acts Of Kindness\u201c von 2008 war eine sich \u00fcber Spielzeit beschleunigende organische Platte, die sich von zerbrechlicher Intimit\u00e4t zur aggressiven Raserei steigerte. Damit l\u00e4sst sich \u201eHomage\u201c gar nicht mehr vergleichen, nicht einmal wirklich mit den EPs, die sie 2013 und 2014 mit HerrB herausbrachte und die ebenfalls rein elektronisch unterf\u00fcttert sind, aber anders als das vorliegende Album eher kalt und rhythmusbetont. Da passt noch eher der Vergleich zum Livealbum \u201eEnough\u201c von 2012, auf dem Murat Parnak sie am Piano begleitet.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n war \u00fcbrigens die 12\u201c \u201eBetween Shadow And Lights\u201c, die Clark 2013 mit Kuniyuki ver\u00f6ffentlichte: Die zwei Tracks gehen beinahe in Richtung Trance, Clarks Stimme ist beschw\u00f6rend eingebettet. Eher ins Kuriosit\u00e4tenfach hingegen geh\u00f6rt die Maxi-CD \u201eDonald Trumb Praesidend (Quack Quack)\u201c, die sie 2017 mit Ludwig London als Reaktion auf die Wahl des US-Pr\u00e4sidenten lancierte. Aber lustig is\u2018 schon. Ach ja, eine etwas seelenlose Dokumentation \u00fcber Anne Clark gab\u2019s ja auch noch. Also, kein Grund, \u00fcber zehn Jahre Pause zu jammern: Die New-Wave-Sprechs\u00e4ngerin war flei\u00dfig und kreativ. Und bleibt es hoffentlich auch noch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (21.02.2019) So ganz still und heimlich wirft Anne Clark nach zehn Jahren Scheinpause ein neues Album auf den Markt, vertrieben ausschlie\u00dflich \u00fcber ihre Webseite. 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