{"id":2804,"date":"2019-01-07T22:45:34","date_gmt":"2019-01-07T21:45:34","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2804"},"modified":"2019-01-07T22:45:34","modified_gmt":"2019-01-07T21:45:34","slug":"dead-can-dance-dionysus-pias-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dead-can-dance-dionysus-pias-2018\/","title":{"rendered":"Dead Can Dance \u2013 Dionysus \u2013 PIAS 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2805\" title=\"Dead Can Dance - Dionysus\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Dead-Can-Dance-Dionysus.jpg\" alt=\"\" width=\"124\" height=\"110\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (07.01.2019)<\/p>\n<p>Wenn man die Interviews mit Brendan Perry zuerst liest und dann das Album \u201eDionysus\u201c h\u00f6rt, f\u00e4llt dieses ma\u00dflos entt\u00e4uschend aus. Der intellektuelle \u00dcberbau ist gr\u00f6\u00dfer als der Inhalt, den diese musikalische Auseinandersetzung mit dem griechischen Partygott mitbringt, zumal rein instrumental. Die einst so fragil groovende Musik ist hier ein Versatz aus von Dead Can Dance Bekanntem, nur kitschiger zusammengef\u00fcgt. Letztlich entpuppt sich \u201eDionysus\u201c au\u00dferdem als Solo-Album von Perry, bei dem die ach so unbeugsame Lisa Gerrard nur mal lautmalerisch mittr\u00e4llern darf. Nicht sehr sympathisch, das Zusammenspiel der beiden. Es sei geraten, auf die alten Alben von bis vor 22 Jahren zur\u00fcckzugreifen.<\/p>\n<p><!--more-->Da tiriliert ein Chor, da zittert eine Zither, da vergeigen sich \u00e4gyptisch anmutende Streicher, da schlagwerken afrikanische Percussioninstrumente und Triller, da tr\u00f6ten orientalische Blasinstrumente, es rasselt, zirpt, fiedelt, kuhglockt, gem\u00e4chlich und gem\u00fctlich, aber \u2013 typisch f\u00fcr Dad Can Dance \u2013 doch unerwartet groovend. Perry instrumentiert und rhythmet sich durch die Folklore der Welt, also wie immer, alles auch ganz sch\u00f6n, in erduldbaren Loops angeordnet und aneinandergereiht, sch\u00f6ne Wiedererkennbarkeit, inklusive neumodernem \u201eDespacito\u201c-Takt. Vor lauter vollgeprofter Tracks jedoch kommt man gar nicht zum Fallenlassen, die Sounds sind so dicht und kompakt, dass kein Raum f\u00fcr eigene Notizen bleibt. Anstrengend. Die ganze fr\u00fchere Behutsamkeit und Fragilit\u00e4t versinkt im Hans-Zimmer-Overkill.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher, als der Papst noch auf dem Baum und so, unterschieden sich die Dead-Can-Dance-Alben voneinander. Die Karawane zog weiter und graste eine andere Epoche oder einen anderen Landstrich ab. 1996 erschien mit \u201eSpiritchaser\u201c das afrikanische Album und das letzte vor dem Split, ein wunderbares Tanzalbum, traumwandlerisch, hypnotisch, mitrei\u00dfend. Davon \u00fcbernimmt Perry f\u00fcr \u201eDionysus\u201c die Soundelemente, versetzt die mit Motiven aus dem Orient und generiert ansonsten nichts wirklich f\u00fcr die Band Neues.<\/p>\n<p>Wobei von Band gar keine Rede sein kann: Das Album hat Perry selbst komponiert und eingespielt, in der zweiten H\u00e4lfte darf Gerrard mal mitsingen. Die Spannung, die einst in den gegens\u00e4tzlichen charakterstarken Stimmen lag, geht hier in der Musik unter. Perrys Konzept, mit \u201eDionysus\u201c eine Art klassische Partitur komponiert zu haben, weshalb man das Album nur am St\u00fcck h\u00f6ren darf, liest sich ja ambitioniert, wirkt sich aber \u2013 zumindest f\u00fcr Klassiklaien \u2013 nicht auf das H\u00f6rverst\u00e4ndnis aus.<\/p>\n<p>Schon die Comebackplatte \u201eAnastasis\u201c vor sechs Jahren war nur so eine halbe Freude, schlie\u00dflich war die Musik erschreckend k\u00fcnstlich; das zumindest ist hier nicht mehr der Fall. Aber wenn man sich schon an den Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und des ausgelassenen Partyfeierns wagt, sollte der auch zu h\u00f6ren sein. Griechische Folklore w\u00e4re eine sch\u00f6ne Grundlage gewesen, die fehlt bei Dead Can Dance noch. Da war das gro\u00dfkotzige Gelaber von Chef Perry beinahe noch unterhaltsamer, h\u00e4tte er nicht immer wieder Gerrard gedisst.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (07.01.2019) Wenn man die Interviews mit Brendan Perry zuerst liest und dann das Album \u201eDionysus\u201c h\u00f6rt, f\u00e4llt dieses ma\u00dflos entt\u00e4uschend aus. 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