{"id":2799,"date":"2019-01-03T19:24:45","date_gmt":"2019-01-03T18:24:45","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2799"},"modified":"2019-01-03T19:43:13","modified_gmt":"2019-01-03T18:43:13","slug":"alien-sex-fiend-possessed-cherry-red-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/alien-sex-fiend-possessed-cherry-red-2018\/","title":{"rendered":"Alien Sex Fiend \u2013 Possessed \u2013 Cherry Red 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2800\" title=\"Alien Sex Fiend - Possessed\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Alien-Sex-Fiend-Possessed.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"110\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (03.01.2019)<\/span><\/p>\n<p>Den Sound der Snare kennen wir seit 35 Jahren, ansonsten liefern Alien Sex Fiend mit \u201ePossessed\u201c ein Album ab, mit dem wohl weder Fans noch Skeptiker gerechnet h\u00e4tten. Am ehesten noch scheint es an \u201eOpen Head Surgery\u201c anzuschlie\u00dfen, und das war 1992 schon reichlich umstritten; die Songs tragen heute endlich wieder Strukturen, also diese undefinierte Abfolge von irgendetwas wie Strophe kombiniert mit etwas Wiedererkennbarem, das keinen klassischen Popkonzepten folgt, und die an Unh\u00f6rbarkeit grenzenden Technik-Experimente der j\u00fcngeren Vergangenheit sind gottlob ebendies. Nie klangen die Batcave-Helden erwachsener als hier, nie uneindeutiger einem Genre zuzuordnen: Goth-Rock ist dies nicht, Pop sowieso nicht, kein Dark Ambient, noch am ehesten elektrorockende psychedelische Avantgarde. Grandios! Aber mit einem unsch\u00f6nen Verkaufskniff.<\/p>\n<p><!--more-->Mrs. Fiend f\u00e4hrt ihren Technikpark auf. Das hat sie immer so gemacht und es funktioniert so besser denn je. Sie programmiert Loops und Strukturen als Grundlagen f\u00fcr die Tracks, nur dass sie sie dieses Mal so organisch h\u00e4lt wie in den Achtzigern, bevor Alien Sex Fiend den (oder das) Acid entdeckten: Keine Wiederholung gleicht der anderen, die Patterns variieren und \u00fcberraschen. Das wirkt dreckig, defekt, rostig, also lebendig, gelebt, nicht verlebt. Diese Patterns sind zwar grunds\u00e4tzlich elektronisch, aber eben nicht nur, und die analogen Elemente heben sich von den Synthie-Samples ab und erg\u00e4nzen sie. So entstehen lange R\u00e4ume, in denen das Licht unregelm\u00e4\u00dfig flackert, w\u00e4hrend man sie durchmisst. Meistens ist es die Gitarre, die f\u00fcr Orientierungshilfe sorgt; \u00fcberdies das Verm\u00e4chtnis von Simon \u201eDoc\u201c Milton, der w\u00e4hrend der Aufnahmen verstarb. Und man erkennt nat\u00fcrlich die Stimme von Nik Fiend wieder, der die Slogans ruft, murmelt, grantelt, wie man es von ihm zuletzt auch von der B\u00fchne kannte.<\/p>\n<p>\u201ePossessed\u201c erscheint deshalb klaustrophobisch, so dunkel, wie Alien Sex Fiend selbst zu Batcave-Zeiten nie waren, als sie quasi Teil der entstehenden Gruftszene waren. Aber ein Album wie dieses w\u00e4re f\u00fcr heutige Gruftis ohnehin zu experimentell \u2013 und wom\u00f6glich wahrhaftig zu dunkel. Und sch\u00f6n: Mrs. Fiend wei\u00df, wie Sounds zu erzeugen sind, die man sich gern anh\u00f6rt, denn nur, wer das Sch\u00f6ne beherrscht, erzeugt auch \u00fcberzeugende H\u00e4sslichkeit. Wenn also Nik Fiend im elfmin\u00fctigen \u201eIt\u2018s In My Blood\u201c alsbald zu klaren Elektrofl\u00e4chen vor sich hin \u00e4chzt und dann abrupt die Gitarre dazwischengr\u00e4tscht, erscheint dieser L\u00e4rm nicht deplatziert, sondern zwingend. Und dann wieder diese typische k\u00fcnstliche Snare.<\/p>\n<p>Nach all den mediokren Experimenten der vergangenen 25 Jahre wundert man sich, warum Mrs. Fiend ihre Qualit\u00e4ten so lang zur\u00fcckhielt. Satte acht Jahre nach dem letzten Album (abgesehen von den zahllosen Wiederver\u00f6ffentlichungen und Best-Ofs) gestaltet sie eine unfassbar tiefe Musik. Jede L\u00fccke sitzt, jede gestopfte L\u00fccke nicht minder. Sie reichert die Tracks mit Passenden Elementen an, nichts wirkt erzwungen, aber alles \u00fcberrascht: Feedbacks, R\u00fcckw\u00e4rtsloops, Hawaiitwang. Und ab Albummitte, nachdem sie den H\u00f6rer also ins neue Zuhause eingew\u00f6hnt hat, rei\u00dft sie die Tapeten herunter und setzt ihn einer fremden Umgebung aus, in der er sich erstmal zurechtfinden muss.<\/p>\n<p>Da rumpeln in \u201eAmnesia\u201c pl\u00f6tzlich Led-Zeppelin-schwere Beats herum, die eine Trent-Reznor-Gitarre begleitet. Selbst so vermeintlich lustige Interludien wie \u201eSpine-Tingler\u201c haben eher etwas Beunruhigendes als Belustigendes. \u201eGotta Get Back\u201c hat zun\u00e4chst nicht mal Beats, sondern lediglich einen schleppenden technisch-percussiven Takt, den eine akustische Gitarre beinahe sanft umspielt, was den Song nicht eben lieblich macht. Sobald der Beat einsetzt, erinnert das St\u00fcck an fern\u00f6stliche Krautexperimente, nur in r\u00fcckw\u00e4rts. Drogen nehmen m\u00f6chte man dazu wohl lieber nicht, aus Angst vor den Visionen. \u201eInvisible\u201c klingt nach Cold Wave, Minimal Electro, bevor es beinahe episch-hymnisch wird, mit Chorbegleitung und Britpopgitarre zur ASF-Snare. Und in \u201eNeutron\u201c flirrt die Elektronik zur atmosph\u00e4rischen Gitarre, bis die zaghaften Beats einsetzen und dem Track eine d\u00fcstere Rotation verleihen. Eine Mundharmonika im \u201eBloody Reprisal\u201c klingt auch nur bedingt nach Alien Sex Fiend \u2013 und auch nicht nach der guten Laune, die man damit assoziiert. Was f\u00fcr ein gro\u00dfartiges Album!<\/p>\n<p>Kommen wir aber nun zu den kommerziell fragw\u00fcrdigen Entscheidungen. Die Band bringt das Album auf CD und als Doppel-LP heraus, das Vinyl hat 14, die CD 12 Tracks. Nun ist es aber nicht so, dass dem Vinyl lediglich zwei exklusive Songs anh\u00e4ngen \u2013 eher jein: Auf der CD sind drei Mixe enthalten, die es auf Vinyl nicht gibt, dort dann aber daf\u00fcr f\u00fcnf exklusive Versionen. Der Fan braucht also beides. Und vermutlich lohnt sich das auch noch. Bl\u00f6d nur: Der LP liegt kein Downloadcode bei. Mit \u201ePossessed\u201c steht es bei Alien Sex Fiend nunmehr in Sachen Studioalben zu Compilations bei ungef\u00e4hr 13:20, dazu sechs Livealben. Viel Spa\u00df beim Sammeln!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (03.01.2019) Den Sound der Snare kennen wir seit 35 Jahren, ansonsten liefern Alien Sex Fiend mit \u201ePossessed\u201c ein Album ab, mit dem wohl weder Fans noch Skeptiker gerechnet h\u00e4tten. 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