{"id":2793,"date":"2018-12-28T19:21:25","date_gmt":"2018-12-28T18:21:25","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2793"},"modified":"2018-12-28T19:21:25","modified_gmt":"2018-12-28T18:21:25","slug":"laibach-the-sound-of-music-mute-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/laibach-the-sound-of-music-mute-2018\/","title":{"rendered":"Laibach \u2013 The Sound Of Music \u2013 Mute 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2794\" title=\"Laibach - The Sound Of Music\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Laibach-The-Sound-Of-Music.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"110\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (28.12.2018)<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine Entwicklung: Wie aus der stumpf-martialischen Electro-Krawall-Combo eine r\u00fccksichtsvoll agierende Politgruppe wurde. Laibach liefern mit ihrer Version des Musical-Soundtracks \u201eThe Sound Of Music\u201c quasi den Soundtrack zu ihrer eigenen Dokumentation \u201eLiberation Day\u201c, die davon handelte, wie die Band, die einst von Slowenien aus loszog, autorit\u00e4re Regimes ironisch zu kopieren und sie damit blo\u00dfzustellen, ins autorit\u00e4re Nordkorea reiste, um dort \u00fcberraschend r\u00fccksichtsvoll als erste Band aus dem Westen (und das als Band aus dem fr\u00fcheren Ostblock!) ein Konzert zu geben. Das Alpenmusical \u201eThe Sound Of Music\u201c stellt dabei den Score zu einem Nordkoreanischen Lieblingsfilm dar, dem sich Laibach ebenso behutsam n\u00e4hern wie der Bev\u00f6lkerung vor Ort. Respekt!<\/p>\n<p><!--more-->Die f\u00fcr Laibach typische Ironie liegt in den Zwischent\u00f6nen. Die Tat als solche, n\u00e4mlich in Nrodkorea aufzutreten, ist durchaus als Ironie auszulegen, jedoch vielmehr das Vorhaben, nicht die Umsetzung, denn Laibach und Konsorten lassen den Gastgebern jede W\u00fcrde, trotz der gezeigten Umst\u00e4nde, die den Zuschauer zwischen Loslachen und Kopfsch\u00fctteln treffen. Doch legen Laibach stets Wert darauf, die W\u00fcnsche der Gastgeber zu erf\u00fcllen, seien sie auch noch so absurd, weil es ihnen lieber ist, \u00fcberhaupt die Menschen vor Ort zu erreichen, als Krawall zu erzeugen und das interne Bild Nordkoreas vom imperialistischen Westen noch zu best\u00e4rken.<\/p>\n<p>Das schl\u00e4gt sich auch in der Musik nieder. Das Original, also der Hollywoodfilm zum Broadway-Musical, kam im deutschsprachigen Raum 1965 als \u201eMeine Lieder \u2013 meine Tr\u00e4ume\u201c in die Kinos und zeichnete \u2013 trotz der pathetischen Alpenromantik durchaus kritisch \u2013 den Versuch einer Gesangskarriere im bald schon von Nazis okkupierten \u00d6sterreich nach und pr\u00e4gte das Bild jenes Landes vor allem in Weltgegenden, die nicht zu den Anrainern geh\u00f6ren. Die vergleichbare Propagandakulisse muss wohl einer der Aspekte sein, der die Volksseele Nordkoreas ber\u00fchrt. Interessanterweise steckt indes in den Originalliedern weit mehr Expertise, als es zun\u00e4chst scheint: \u201eDo-Re-Mi\u201c etwa behandelt die korrekte Wiedergabe der Tonstufen auch auf musikalischer Ebene und \u201eMy Favourite Things\u201c entwickelte sich zur Vorlage diverser Jazz-Varianten.<\/p>\n<p>Zwar kopiert Laibachs Version von \u201eThe Sound Of Music\u201c nicht komplett den plakativen Kitsch des Originals, doch dringt einiges davon nat\u00fcrlich auch auf diese Schallplatte. Was Laibach nun nicht aus den Liedern machen, ist ihr seit 1984 typischer Stampf-Electro. Vielmehr agieren sie mit erneuter Unterst\u00fctzung des slowenischen Electroprojektes Silence als organische Band mit elektronischen Elementen und arrangieren \u201eThe Sound Of Music\u201c zu einer beinahe sanften Popplatte mit sparsam eingestreuten Absurdit\u00e4ten um. Ein Kuckucksruf etwa wirkt beinahe albern, ist aber angebracht und authentisch. An anderen Stellen bricht die Band mit dem eingeleiteten Soundgewand und kippt den Song dann in eine andere Richtung, aber nie an den Abgrund; in den Broadway-Pomp eingeflochtene Koreanische Versatzst\u00fccke etwa sind so kunstvoll wie augenzwinkernd.<\/p>\n<p>Selbst das f\u00fcr Laibach wohl charakteristischste Element kommt nur dezidiert zum Einsatz: Die tief grollende Stimme des optischen Aush\u00e4ngeschildes Milan Fras, der seine Sangesrolle hier durchgehend mit anderen Ensemblemitgliedern, m\u00e4nnlichen wie weiblichen, teilt, sogar mit einem Kinderchor. M\u00f6glicherweise schaffen Laibach mit \u201eThe Sound Of Music\u201c nicht nur ein Lehrst\u00fcck in Sachen V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung bei gleichzeitiger Regimeentlarvung, sondern auch noch den niedrigschwelligsten Zugang zum eigenen Werk.<\/p>\n<p>An die neun ausgew\u00e4hlten Songs aus dem Film h\u00e4ngen Laibach mit \u201eArirang\u201c ein Nordkoreanisches Volkslied, das sich in dieser Version so perfekt ins Album f\u00fcgt, dass man den Unterschied kaum wahrnimmt. Die CD-Version hat mit \u201eThe Sound Of Gayageum\u201c ein weiteres Lied der Gastgeber zu bieten und damit den vermutlich einzigen klassisch nach Laibach klingenden Song. Als zweiten Bonus gibt es die Begr\u00fc\u00dfungsrede von Mr. Ryu, der Laibachs Vorhaben als Vertreter des Kommitees f\u00fcr Kulturelle Beziehungen zun\u00e4chst ablehnt. Beide Bonus-Tracks liefert auch der Download, der der goldenen Schallplatte beigef\u00fcgt ist, obwohl f\u00fcr die zusammen dreieinhalb Minuten auf dem Vinyl sicherlich noch Platz gewesen w\u00e4re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (28.12.2018) Was f\u00fcr eine Entwicklung: Wie aus der stumpf-martialischen Electro-Krawall-Combo eine r\u00fccksichtsvoll agierende Politgruppe wurde. 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