{"id":2772,"date":"2018-12-13T23:04:47","date_gmt":"2018-12-13T22:04:47","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2772"},"modified":"2018-12-14T09:22:03","modified_gmt":"2018-12-14T08:22:03","slug":"die-brucke-iv-broenbron-iiii-edelmotion-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/die-brucke-iv-broenbron-iiii-edelmotion-2018\/","title":{"rendered":"Die Br\u00fccke IV (Broen\/Bron IIII) \u2013 Edel:Motion 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2773\" title=\"Die Br\u00fccke 4\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Die-Br\u00fccke-4.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"156\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (13.12.2018)<\/p>\n<p>So findet nun leider diese formidable Thrillerserie ein Ende, die Vorlage f\u00fcr Remakes rund um den Globus war: In der vierten und finalen Staffel der D\u00e4nisch-Schwedischen Koproduktion treffen die autistische Saga Nor\u00e9n aus Malm\u00f6 und der Junkie Henrik Sabroe aus Kopenhagen zum zweiten Mal aufeinander, um beide L\u00e4nder betreffende Morde aufzukl\u00e4ren. Sch\u00f6ne Bilder, vielschichtige Figuren, D\u00fcsternis und Einblicke ins Leben der nordischen Nachbarn machen diese Serie so reizvoll. Ihr Ende bedauert man daher und sieht gn\u00e4dig \u00fcber die Schw\u00e4chen in diesem der Serie angemessenen Finale hinweg.<\/p>\n<p><!--more-->Insbesondere, wenn man \u201eDie Br\u00fccke\u201c im Anschluss an die zweite Staffel \u201eThe Team\u201c guckt, fallen die positiven Eigenschaften ins Auge. \u00c4sthetische Ansichten, reizvolle Schnitte (zumindest anfangs, sp\u00e4ter werden sie konventioneller, daf\u00fcr zieht das Erz\u00e4hltempo an), tats\u00e4chlich ermittelnde Polizisten, viele Verd\u00e4chtige, \u00fcberraschende Wendungen. Vielleicht liegt es an dieser hohen Qualit\u00e4t und an den liebgewonnenen und zu Recht gefeierten ersten drei Staffeln, dass man die Untiefen klarer wahrnimmt: Einiges h\u00e4tte nicht sein m\u00fcssen, da ist man Besseres gewohnt. Aber das ist Kleinvieh.<\/p>\n<p>Staffel 4 setzt direkt nach der dritten an. Saga sitzt im Knast, weil man ihr den Mord an ihrer Mutter vorwirft, w\u00e4hrend Henrik schon den n\u00e4chsten Fall in Arbeit hat, den er eigentlich mit ihr l\u00f6sen w\u00fcrde: Die D\u00e4nische Fl\u00fcchtlingeabschiebebeauftragte wird gesteinigt aufgefunden. Was zun\u00e4chst wie eine politisch motivierte Reaktion auf ein globales Problem aussieht (hier vermutet man eher Linke als Rechte und sympathisiert sogar mit ihnen), bekommt mit jeder weiteren Leiche andere Z\u00fcge, und nachdem Saga als unschuldig beurteilt mitarbeiten darf, entwickelt sich der Fall zu einem privaten Rachefeldzug gegen ausgew\u00e4hlte Ermittler. Parallel l\u00f6st Saga noch den Fall um das Verschwinden von Henriks Frau und Kindern sowie den ihrer eigenen Familie.<\/p>\n<p>Sieben Opfer gibt es, zu jedem Opfer Angeh\u00f6rige und damit Verd\u00e4chtige, au\u00dferdem Kollateraltote sowie weitere Kriminelle. Sie alle sind in einem Netz verwoben, das sich erst im Laufe der Ermittlungen \u00fcberhaupt als Netz offenbart. Auch in den Reihen der Polizei treffen alte Bekannte und Fremde aufeinander, der historische Diskurs zwischen D\u00e4nen und Schweden blitzt beil\u00e4ufig durch. Man muss also enorm aufmerksam sein, um den Anschluss zu behalten; einige Figuren \u00e4hneln sich, anderer Figuren Namen vergisst man, und es ist nicht sofort klar, was welcher Seitenarm \u00fcberhaupt noch mit der Geschichte zu tun hat. Zum Beispiel der mit dem gewaltt\u00e4tigen Taxifahrer, der das erste Mordopfer fuhr und dessen Ex und Sohn sich in einer schwedischen Privatsiedlung zu verstecken versuchen \u2013 die Relevanz einiger Bewohner f\u00fcr andere Seitenarme des Falles offenbaren sich erst sp\u00e4t und dann \u00fcberraschend, wenngleich es etwas gezwungen wirkt, dass wirklich alle irgendwie zusammenh\u00e4ngen, auch fall\u00fcbergreifend. In vielen Charakteren liegen \u00fcberraschende Z\u00fcge, zum Schlechten wie zum Guten; manche verbergen Bosheit, andere entwickeln so etwas wie Gemeinsinn, der n\u00e4chste verzeiht seiner ihn betr\u00fcgenden Frau.<\/p>\n<p>Einzig unglaubw\u00fcrdig ist die im Mittelteil erz\u00e4hlte Geschichte, die sich zwangsl\u00e4ufig zwischen Saga und Henrik entwickelt. Die Asperger-Autistin will bei ihm bleiben, und weil sie das von sich aus nicht hinbek\u00e4me, sobald ein drittes Wesen dort lebt, treibt sie ohne Absprache ihr gemeinsames Kind ab, woraufhin Henrik sie des Hauses verweist. Kann man bei Saga noch ihren Autismus als Argumentationsgrundlage akzeptieren, fasst man Henrik nur noch als unempathisches Arschloch auf. Die Story arbeitet ihn anschlie\u00dfend niemals als Idioten heraus; erst, als Saga wieder in seinem Sinne wirkt, findet er seinen Frieden mit ihr. Das ist charakterlos und unsympathisch und verleidet es einem, das Ende mit aller angebrachter Wehmut zu zelebrieren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist klar, dass die Autoren mit dieser Saga-Seite ihre Form des Autismus und ihre immanente Unf\u00e4higkeit zur sozialen Interaktion herausarbeiten wollen. Daf\u00fcr kreieren sie zahllose Situationen, in denen Saga nach \u00fcblichem Denken versagt; wenn sie Leute offen auf Sex anspricht, Eheleuten die gemeinsame Elternschaft abspricht oder Lob wegwischt. Solches hat zwar den unsch\u00f6nen Beigeschmack des Vorf\u00fchrens und wirkt vermutlich lustig in den Augen Uneingeweihter, doch wer sich mit Asperger-Autismus auseinandergesetzt hat, erkennt zumindest, dass die Autoren recht gut aufgepasst haben. Gleichzeitig ist es Saga, die mit ihren speziellen Methoden den Fall immer wieder in entscheidende Richtungen lenkt. Mit der formidablen Saga allein hat die Serie ein Alleinstellungsmerkmal, aber es kommen eben noch die Stimmung und die Bilder und alles dazu.<\/p>\n<p>Diese Stimmung ist dieses Mal auch anders als sonst. Zwar ist zun\u00e4chst von einem globalen Problem auszugehen, eben der Fl\u00fcchtlingskrise, verliert das Geschehen doch bald an \u00f6ffentlicher Relevanz. Somit geht dieses Mal kein mysteri\u00f6ser Angstgegner um, der die B\u00fcrger in Schrecken versetzt, sondern lediglich die Ermittler auf Trab h\u00e4lt. Etwas gezwungen wirken hierbei manchmal die Zuf\u00e4lle, die \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge gebieten; die Stra\u00dfenkids klauen nat\u00fcrlich ausgerechnet das Handy des T\u00e4ters. Die Vielzahl der Figuren ist zudem ein Grund, warum einige nach einer Zeit der dringenden Verd\u00e4chtigkeit wie pl\u00f6tzlich weggeworfen nicht mehr auftauchen; der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Mit diesem Vorgehen vermeidet man indes auch den Blick auf manche Ungereimtheiten, wie jahrelang unbehelligt verschleppte Kinder, privat aufgenommene Jugendkriminelle oder Wunderheilungen. Damit setzt die Reihe sich also auch in ihren Schwachpunkten fort, aber nicht mehr so ausgepr\u00e4gt wie noch in Staffel III.<\/p>\n<p>Egal, das Ende betrachtet man mit Wehmut, mindestens Saga w\u00e4chst einem ans Herz, aber auch die anderen, die internationalen Techniknerds, die Vorgesetzten, und Henrik trotz allem ja auch. \u201eEverything goes back to the beginning\u201c, singen Choir Of Young Believers seit der ersten Staffel nach jeder Folge, und dieses Mal stimmte es in Bezug auf eine Person sogar, nur dass dieser Beginn in der Mitte liegt. Wer wei\u00df, eines Tages, mit etwas Zeitabstand, ergibt sich vielleicht doch noch ein neuer Fall f\u00fcr die Polizei aus Kopenhagen und Malm\u00f6.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Wegen der Sprachen sollte man die Serie zwingend im Original gucken, weil man auf Deutsch nicht erfasst, wer aus welchem Land kommt oder wo eine Szene gerade spielt. Bl\u00f6d nur, dass die Untertitel auf der DVD ausschlie\u00dflich auf Englisch sind: Mit manchen Fachbegriffen hat man dann so seine Probleme und versteht nicht jede Wendung auf Anhieb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (13.12.2018) So findet nun leider diese formidable Thrillerserie ein Ende, die Vorlage f\u00fcr Remakes rund um den Globus war: In der vierten und finalen Staffel der D\u00e4nisch-Schwedischen Koproduktion treffen die autistische Saga Nor\u00e9n aus Malm\u00f6 und der &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/die-brucke-iv-broenbron-iiii-edelmotion-2018\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2773,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,20],"tags":[],"class_list":["post-2772","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-film-dvd","category-tv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2772","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2772"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2772\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2776,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2772\/revisions\/2776"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2773"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2772"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2772"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2772"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}