{"id":2768,"date":"2018-12-06T21:39:52","date_gmt":"2018-12-06T20:39:52","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2768"},"modified":"2018-12-07T08:40:47","modified_gmt":"2018-12-07T07:40:47","slug":"thom-yorke-suspiria-xlbeggarsindigo-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/thom-yorke-suspiria-xlbeggarsindigo-2018\/","title":{"rendered":"Thom Yorke \u2013 Suspiria \u2013 XL\/Beggars\/Indigo 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2767\" title=\"Thom Yorke - Suspiria\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Thom-Yorke-Suspiria.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"110\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (06.12.2018)<\/p>\n<p>Schwierig, den Soundtrack zu einem Film zu beurteilen, den man nie gesehen hat, und der auch noch ein Remake eines Films ist, den man auch nie gesehen hat, und dessen Musik sich an dem Original-Score orientiert, den man auch noch nie geh\u00f6rt hat. Hei\u00dft: Man h\u00f6rt \u201eSuspiria\u201c einfach mal als Thom-Yorke-Album mit dem Wissen im Hinterkopf, es mit Horrorfilmmusik zu tun zu haben. Das funktioniert sehr gut: Die Post-Neunziger-Radiohead sind allgegenw\u00e4rtig, Yorke wimmert wie gewohnt und die scheinbar elektronische und durchgehend recht progressive Mucke erzeugt beklemmende Gef\u00fchle. Hexerei!<\/p>\n<p><!--more-->Seit Radiohead mit \u201eOK Computer\u201c 1997 einen \u00fcberraschenden weltweiten Erfolg hatten, zog sich die Band zur\u00fcck und aus dem erwartbaren Muckezirkus heraus. Die folgenden Alben waren mit ihrer komplexen Elektronik alles andere als herk\u00f6mmliche Rockmusik, die Freude am Experimentieren und an Dunkelheit standen vor der Angepasstheit und dem Kommerz \u2013 was den Erfolg nur befeuerte, r\u00e4tselhafterweise, schlie\u00dflich sind Massen bekanntlich f\u00fcr Abseitigkeiten nur schwer zu begeistern. Viel von dieser Experimentierfreude geht offenbar von S\u00e4nger Thom Yorke aus, und der schuf sich nebenher seine separierten Spielwiesen, wie Solo-Alben oder das Projekt Atoms For Peace. Diese Reihe setzt er nun vier Jahre nach seinem letzten Solo-Album \u201eTomorrow\u2019s Modern Boxes\u201c (und zwei Jahre nach Radioheads \u201eA Moon Shaped Pool\u201c) mit \u201eSuspiria\u201c fort.<\/p>\n<p>Die beiden letztgenannten Alben erwiesen sich dabei als \u00fcberraschend wenig experimentell und daf\u00fcr eing\u00e4ngiger \u2013 was die Qualit\u00e4t nat\u00fcrlich nicht reduziert. Umso mehr legt er sich f\u00fcr \u201eSuspiria\u201c in den Wind: Der Gro\u00dfteil der Tracks besteht wirklich aus Tracks, dazwischen streut er dezidiert Songs, zu denen er auch Gesang beisteuert. Mit diesen Tracks verfolgt Yorke offenbar den Plan, im Film Atmosph\u00e4re zu erzeugen; da man wei\u00df, dass es sich um einen Horrorfilm handelt, sind die Sounds entsprechend spooky, beklemmend, dunkel. Das passt zu Thom Yorke, obwohl er trotz dunkler Musikf\u00e4rbung diese tiefe Form der D\u00fcsternis bislang nicht so ausgepr\u00e4gt vertrat.<\/p>\n<p>Da das aber nicht alles ist, sondern dem Originalfilm aus dem Jahr 1977 ein Soundtrack der italienischen Progband Goblin zur Untermalung diente, lie\u00df sich Yorke nat\u00fcrlich auch davon inspirieren. Das wiederum passt aus der eigenen Historie zu ihm: Radiohead und er solo sind mindestens progressiv, wenngleich die Musik nicht dem Soundbild entspricht, das man klassischerweise von Progrock hat. Aber verschachtelt, komplex, unvorhersehbar ist Yorkes Output ebenfalls. Und so sind auch weite Strecken von seiner \u201eSuspiria\u201c-Version. Rockmusik macht Yorke daf\u00fcr aber nicht: Vielmehr klingt das Album elektronisch, sobald es nicht ein Orchester einspielten und\/oder ein Chor einsangen.<\/p>\n<p>Die St\u00fccke mit Gesang entsprechen recht deutlich dem, was man von Yorkes Arbeiten der vergangenen 20 Jahre kennt; die Songs orientieren sich zwar grob an klassischen Strukturen, neigen aber gottlob sehr dazu, diese aufzubrechen. Wie gewohnt tr\u00e4gt Yorke seine Texte mit einem Wimmern vor, das Coldplay-H\u00f6rer gern als Gejammer abtun, das hier aber gl\u00e4nzend in die Sounds passt und deutlich andere Emotionen transportiert als Wehleidigkeit. Yorkes gesangliche Zur\u00fcckhaltung erinnert vielmehr an etwas Lauerndes oder Durchhaltendes, bisweilen beinahe Drohendes. Und es passt gut ins Album, dass die Scoreanteile mit im Yorkeschen Sinne echten Liedern durchsetzt sind; der Fluss passt, die 25 St\u00fccke auf zwei Tontr\u00e4gern ergeben einen schl\u00fcssigen Ablauf, sogar inklusive eines vierzehnmin\u00fctigen Ambienttracks.<\/p>\n<p>Man kann den Soundtrack also definitiv auch ohne den Film goutieren, und wenn er im Film auch funktioniert, hat Yorke eben alles richtig gemacht. Dem Internet zufolge taucht \u00fcberdies nur ein Bruchteil der rund 80 Minuten Musik im Film \u00fcberhaupt auf \u2013 insofern ist \u201eSuspiria\u201c mehr als ein Soundtrack, n\u00e4mlich ein eigenst\u00e4ndiges Album. Gut ist es in jedem Fall.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (06.12.2018) Schwierig, den Soundtrack zu einem Film zu beurteilen, den man nie gesehen hat, und der auch noch ein Remake eines Films ist, den man auch nie gesehen hat, und dessen Musik sich an dem Original-Score orientiert, &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/thom-yorke-suspiria-xlbeggarsindigo-2018\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2767,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-2768","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2768","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2768"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2768\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2769,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2768\/revisions\/2769"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2767"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2768"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2768"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2768"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}