{"id":2763,"date":"2018-11-28T00:24:27","date_gmt":"2018-11-27T23:24:27","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2763"},"modified":"2018-11-28T00:24:27","modified_gmt":"2018-11-27T23:24:27","slug":"the-team-ii-kasper-gaardsoe-ddkba-edel-motion-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-team-ii-kasper-gaardsoe-ddkba-edel-motion-2018\/","title":{"rendered":"The Team II \u2013 Kasper Gaards\u00f8e \u2013 D\/DK\/B\/A + Edel.Motion 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2764\" title=\"The Team II\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/The-Team-II-110x150.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (27.11.2018)<\/p>\n<p>Vielleicht sollte man f\u00fcr eine dritte Staffel der international produzierten Krimi-Serie \u201eThe Team\u201c nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Showrunner austauschen. Die Idee ist lobenswert: In Zeiten von Brexit, Nationalismus und Ausgrenzung die St\u00e4rken europ\u00e4ischer Zusammenschl\u00fcsse vermittels eines Krimis herausarbeiten. Wie in der ersten Staffel arbeiten \u2013 dieses Mal aber andere \u2013 Ermittler aus Deutschland, Belgien und D\u00e4nemark an einem Fall, der alle drei (und noch weitere) L\u00e4nder betrifft; es geht nat\u00fcrlich um Fl\u00fcchtlinge, Nazis und Terrorismus. Auf der Positivseite \u00fcberzeugen manche interessante Figuren und aufgebrochene Rollenklischees, die andere Waagschale ziehen das schlechte Drehbuch und die gek\u00fcnstelten Dialoge herunter. Dabei ist die Idee doch eigentlich gut.<\/p>\n<p><!--more-->Was besch\u00e4ftigt ganz Europa dieser Tage? Richtig: die Fl\u00fcchtlingskrise, und mit ihr der wachsende Anteil Rechtsradikaler und muslimischer Terroristen sowie die jeweils gesch\u00fcrte Angst vor beiden. Damit ist \u201eThe Team II\u201c inhaltlich auf der H\u00f6he der Zeit, und vielleicht ist es genau das, was sich die Autoren so verheben l\u00e4sst: Auf genau dieser Thematik liegt alles Augenmerk, man will alles so korrekt und umfassend wie m\u00f6glich darstellen, also in allen Aspekten, guten wie schlechten. Dabei bleibt viel auf der Strecke, was Stringenz, Spannung, Konsequenz betrifft. Hei\u00dft auf der einen Seite, dass man keiner politischen Seite Futter geben will, um deren Position zu untermauern, und andererseits, dass sich die Geschichte damit zerfasert. Man h\u00e4tte also doch besser ein anderes Thema gew\u00e4hlt. Oder andere Autoren.<\/p>\n<p>Auf einer Farm im Marschland S\u00fcdd\u00e4nemarks kommt ein syrisches Paar unter, das seine Schiffspassage nach England verpasst hat. Dummerweise schie\u00dft ein zun\u00e4chst verh\u00fcllter Mensch s\u00e4mtliche Bewohner dieser Farm noch in jener Nacht ab, bis auf Malu, die fliehen kann, und den deutschen Besitzer, der nicht vor Ort war. Da sich unter den Opfern eine syrische Informantin der belgischen Polizei befand, stehen damit die drei an der Ermittlung beteiligten europ\u00e4ischen L\u00e4nder fest. Syrien bleibt zun\u00e4chst au\u00dfen vor.<\/p>\n<p>Hier versuchen die Autoren nun zus\u00e4tzlich, den Ermittlern nach skandinavischem und somit seit Jahren allgemein \u00fcblichem Vorbild ein Privatleben anzudichten. Gregor aus Hamburg (J\u00fcrgen Vogel) ist ein liierter Schweren\u00f6ter mit \u00fcppigem Familienanhang, Nelly aus Kopenhagen (Marie Bach Hansen) eine traumatisierte Rabenmutter und Paula aus Br\u00fcssel (Lynn van Royen) ein computernerdiges Mauerbl\u00fcmchen mit Karriereambitionen und \u00d6kofreund. Dabei bleibt es zumeist auch: Sind die Figuren erst eingef\u00fchrt, treten diese Eigenschaften auch schon in den Hintergrund. Erst gegen Ende gewinnen sie wieder an Relevanz, nur Paulas gr\u00fcner Gatte bleibt unsichtbar. \u00dcberzeugend sind sie alle nicht: Gregor wirkt wie ein Knacki, der bei der Polizei ein Praktikum macht, und Paula wie ein Schulm\u00e4dchen, das rund um die Uhr \u00dcberwachungsvideos schauen darf. Nur Nelly nimmt man die toughe Polizistin ab, weniger hingegen die \u00fcberforderte Mutter \u2013 sie ist einfach keine Saga Nor\u00e9n.<\/p>\n<p>Schlimm sind die Dialoge, die streckenweise wirken wie dem Handbuch \u201eKrimiplots f\u00fcr Dummies\u201c entnommen. Nicht nur, dass sie Redundantes erkl\u00e4ren, sie tun dies auch noch in einer Art, in der Laienschauspieler ihre Textbeitr\u00e4ge ablesen. Einzig \u00fcberzeugend sind die arabischen Darsteller, allen voran Malu und ihre Mutter Mariam, gespielt von Sarah Perles und Fatima Adoum. Auch Navid Negahban als Said transportiert die komplexe Mixtur aus krimineller Getriebenheit und der emotionalen Verbindung zu seiner Familie bemerkenswert \u2013 in entsprechenden Sequenzen erscheint er als einnehmend und sympathisch.<\/p>\n<p>Der Verdacht der Ermittler f\u00e4llt in dem kleinen s\u00fcdd\u00e4nischen Ort H\u00f8jer sofort auf den ortsans\u00e4ssigen Nazi, der zwar tats\u00e4chlich einiges auf dem Kerbholz hat, aber den Massenmord nun auch wieder nicht. Wie es das Drehbuch will, kommt die fliehende Malu ausgerechnet bei dessen Freundin unter \u2013 nicht die erste erz\u00e4hlerische Faulheit der Autoren. Der eigentliche T\u00e4ter ist dem Zuschauer bald bekannt: Ein Syrer, der auf Birdspotter macht und Leute abmurkst, um an einen Kunstschatz zu geraten, den Malu und ihr Freund nach England zu retten versuchten. Hinter diesem \u201eGarden Of Ishtar\u201c sind aber auch Hehler und Sammler aus \u00d6sterreich her, f\u00fcr die der M\u00f6rder arbeitet. Und mit diesen Deals finanziert sich der IS, der hier CU hei\u00dft, Caliphate Union, weil man sich wohl nicht traute, Klartext zu reden. Damit hat man das Motiv und den T\u00e4ter schnell ausgemacht \u2013 und die Spannung liegt nicht mehr im Ermitteln oder darin, komplexe Zusammenh\u00e4nge und Aha-Momente herauszufinden und damit den Zuschauer zu \u00fcberraschen. Nazis und Terroristen geh\u00f6ren ohnehin zur einfachsten B\u00f6sen-Kategorie, weil ihre Bedrohung immanent ist. Die muss man dann nicht mehr m\u00fchsam erz\u00e4hlerisch herausarbeiten, sondern kann sich einfach auf die Unberechenbarkeit der jeweiligen Vertreter verlassen. Das ist allerdings f\u00fcr den Zuschauer \u00f6de, insbesondere, wenn die Bedrohenden wie hier stets das Nachsehen haben, von ihnen also keine nachf\u00fchlbare Lebensgefahr ausgeht.<\/p>\n<p>Zumal auch die Ermittler eigentlich kaum arbeiten. Paula darf die ganze Zeit Satellitenfilme aus der syrischen W\u00fcste auswerten, die so hochaufl\u00f6send sind, dass sie in Br\u00fcssel oder Wien nicht mehr funktionieren, weshalb dort die alte polizeiliche Observierung aus dem Haus gegen\u00fcber erfolgen muss. \u00dcberall kommen dem Trio Drehbuchzuf\u00e4lle zu Hilfe, wenn es gerade hakt, oder Gregor wird einfach mal unrechtsstaatlich zum Gefangenenschl\u00e4ger. Viele der begonnenen Handlungsf\u00e4den laufen in kuriose Sackgassen, die die letzte Episode gottlob teilweise aufl\u00f6st, aber nur in der R\u00fcckschau. Es ist eher unwahrscheinlich, dass ein Hehler und ein Killer die mutma\u00dfliche Leiche eines Terroristen im Garten liegen lassen und sich mit einem Sammler treffen, anstatt sich vom Tod des Angeschossenen zu \u00fcberzeugen. So richtig an alle losen Enden kann man sich gar nicht mehr erinnern, weil die Autoren so viele Irrwege auftun, die schon nach dem n\u00e4chsten Schnitt bedeutungslos werden.<\/p>\n<p>Umschifft man die Untiefen, stellt man indes fest, dass die Rollen ungew\u00f6hnlich verteilt sind. Zwar tr\u00e4gt Paula den Nimbus des kleinen M\u00e4dchens, kann sich aber k\u00f6rperlich dem Killer entgegenstellen. Auch Nelly agiert insbesondere in Actionszenen zuvorderst als versiertes Polizeiorgan; eine Geschlechterdefinition steht hier gar nicht zur Debatte, ganz selbstverst\u00e4ndlich sind die drei Ermittler nicht ausschlie\u00dflich m\u00e4nnlich und ist der Mann im Team nicht ausschlie\u00dflich cool (die Sexszene war \u00fcberdies \u00fcberfl\u00fcssig). Sch\u00f6n anzusehen sind die Landschaftsaufnahmen aus D\u00e4nemark; da sieht es wirklich so aus: \u00f6de, aber heimelig. Und eine bemerkenswerte Merkw\u00fcrdigkeit g\u00f6nnen sich die Autoren: Als der vermeintliche Vogelkundler in seine Pension zur\u00fcckkehrt, erz\u00e4hlt der Wirt etwas von Staren, die auch mal den Raubvogel kriegen, indem sie in vollkoten, und kurz darauf entdeckt der skeptische Said einen vollgekoteten Raubvogel im Gras.<\/p>\n<p>Was mit dem achten Abspann haften bleibt, ist die Zuneigung zu Malu und Mariam sowie das Mitfiebern mit deren Schicksal. Sie wachsen einem ans Herz und sind es wert, sich diesen Krimi anzusehen. \u00dcbrigens sollte man sich die Serie wie schon beim ersten Mal im Original geben: Die Vielsprachigkeit ist ein gro\u00dfes Plus von \u201eThe Team\u201c, im Synchron geht viel Atmosph\u00e4re verloren. Insbesondere die Wechsel zwischen Muttersprache und allgemeinverst\u00e4ndlichem Englisch kommen sonst nicht zur Wirkung. Und Sprache ist einer von vielen Aspekten, die Europa so angenehm vielf\u00e4ltig machen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (27.11.2018) Vielleicht sollte man f\u00fcr eine dritte Staffel der international produzierten Krimi-Serie \u201eThe Team\u201c nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Showrunner austauschen. 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