{"id":2737,"date":"2018-11-11T23:12:08","date_gmt":"2018-11-11T22:12:08","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2737"},"modified":"2018-11-12T01:17:25","modified_gmt":"2018-11-12T00:17:25","slug":"mars-trash-on-mars-benjamin-tucek-cz-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/mars-trash-on-mars-benjamin-tucek-cz-2018\/","title":{"rendered":"MARS.\/Trash On Mars \u2013 Benjamin Tu\u010dek \u2013 CZ 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (11.1.2018)<\/span><\/p>\n<p>Der philosophische und gesellschaftsanalytische Ansatz ist aller Ehren wert, doch gelingt es dem Drehbuch nicht, diese Ans\u00e4tze schl\u00fcssig zu transportieren. \u201eMARS.\u201c ist als Kom\u00f6die gemeint, aber ohne Timing und stringente Orientierung. \u00dcber einige Stereotypen kommen die Figurenzeichnungen nicht hinaus, die Gags versanden im Marsstaub. Der auch noch wenig \u00fcberzeugend dargestellt ist. Trotzdem bleibt einiges h\u00e4ngen, mit dem man sich noch einige Zeit sp\u00e4ter besch\u00e4ftigt. Die Idee ist nicht doof, nur doof umgesetzt.<\/p>\n<p><!--more-->Sechs Touristen gelangen im Jahr 2118 in eine heruntergekommene Station auf dem Mars, in der sie ein bis dahin auf sich selbst gestellter Roboter empf\u00e4ngt. Die sechs Personen haben unterschiedliche Gr\u00fcnde f\u00fcr ihre Reise zum Mars: Forschung, Hochzeit, Gewinnerin des vermeintlichen TV-Events werden. Doch auch der Roboter verfolgt Ziele \u2013 und diese Figur ist im Grunde die wichtigste, weil gehaltvollste des Films.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst erscheint es etwas merkw\u00fcrdig, dass sich der Android w\u00e4hrend seiner langen Einsamkeit mit einem Western-Comic ohne Worte besch\u00e4ftigte und st\u00e4ndig irgendwelche nordamerikanischen Ureinwohner zitiert, doch offenbart er im Laufe des Film seine eigentlichen Absichten. Nur so viel: Es geht um Kolonisierung, deren Opfer die Indianer auf dem amerikanischen Kontinent waren. Sein Cowboyhut und seine selbstgebaute Westerngitarre sind indes nur sporadisches Blendwerk; schon hier greift das Drehbuch nicht ausreichend durch.<\/p>\n<p>Auch in seiner Reflexion tr\u00e4gt der Roboter aufschlussreiche Z\u00fcge: Vendy, eine der sechs Touristen, glaubt, in sich einer Art Big-Brother-Container zu befinden und dass der Roboter in Wahrheit ein Autist ist. Diesen Glauben wiederum nutzt der Bot, wie alle ihn nennen, f\u00fcr sich aus, da er in dieser unbefangenen Ungl\u00e4ubigkeit den idealen Kandidaten f\u00fcr sein Vorhaben sieht.<\/p>\n<p>Das allein w\u00e4re eine sch\u00f6ne Grundlage f\u00fcr eine gelungene Kom\u00f6die. Der Film setzt zu einer Zeit an, zu der der Mars als Objekt menschlichen Strebens l\u00e4ngst wieder out ist; entsprechend heruntergekommen ist die Station und sind die Besucher. Auch in ihnen steckt einiges Potential; das stinkreiche ignorante Hochzeitspaar, die sexgeile Psychologin und die Facebook-s\u00fcchtige Vendy stecken die Ecken eines heutigen gesellschaftlichen Handelns ab. Doch damit h\u00f6rt es schon auf: Zwei weitere Teilnehmer bleiben als Figuren blass und verwechselbar. Und mehr als ihre Stereotypen tragen die anderen als Charaktereigenschaften auch nicht. Zudem agieren und sprechen sie beinahe willk\u00fcrlich, die Szenen wirken wie aneinandergest\u00fcmpert. Als Kr\u00f6nung sind die Dialoge viel zu flach und die Pointen frei von Timing (\u201eWhitney Houston, wir haben ein Problem\u201c). Richtig gut ist nur der Gag mit Marseille.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wirken die Rahmenbedingungen nicht wie das, was sie darstellen sollen. Der Mars sieht aus wie ein Tagebaugebiet in Ostdeutschland, die Atmosph\u00e4re und die Schwerkraft gleichen der der Erde (und die eingestreuten verfremdenden Digitaleffekte rei\u00dfen das Ruder nicht herum, sie nerven eher); das f\u00fcgt sich nat\u00fcrlich in die st\u00e4ndig unterschwellige Fragestellung ein, ob die Geschichte nun wirklich auf dem Mars spielt, was allerdings sein muss, weil sonst die Rolle des Bots sinnlos w\u00e4re, und was wiederum f\u00fcr eine miserable Kulisse spricht. Auch die Raumanz\u00fcge wirken wie aus einem Filmmuseum. Zudem sind im Jahre 2118 Kultur und Technik auf dem Stand von heute; Leute machen Selfies mit ihrem Smartphone und einem Selfiestick, sprechen von Facebook, kommunizieren \u00fcber heutige Technik, l\u00e4stern \u00fcber Windows 95 und tragen Kleidung von heute. Nat\u00fcrlich ist Science Fiction immer ein Spiegel der Gegenwart, aber ein bisschen mehr Fantasie w\u00e4re erfreulich gewesen.<\/p>\n<p>Etwas schwierig ist es, den Dialogen zu folgen, die wechselnd auf Tschechisch und schlechtem Englisch erfolgen sowie mit entsprechend umgekehrten Untertiteln; es ist etwas m\u00fchselig, in Sekundenbruchteilen zu switchen zwischen Lesen und H\u00f6ren, aber auch reizvoll, den Film so zu strukturieren. Musikalisch reizt Tu\u010dek seine Fantasie etwas besser aus: Die Twang-Scores nicht mitgerechnet, generiert er eine technoide Musik, die nicht dem heutigen popul\u00e4ren Stand entspricht und somit als einziges im Film wahrhaftig futuristisch wirkt.<\/p>\n<p>Nun bleibt die Frage, warum der Film zu zerhackt und zerschnippelt wirkt. Ist es das Unverm\u00f6gen des Regisseurs, der mit 46 Jahren erst seinen zweiten Spielfilm gedreht hat, oder ist es ein tschechischer Humor, den man sich erst erarbeiten muss? Oder lie\u00df das minimale Budget von 123.000 Dollar nicht mehr zu? Wie auch immer, was h\u00e4ngen bleibt, sind die merkw\u00fcrdigen Ideen des HAL-artigen Bots, der die absurden Raumfahrertypen sogar den Mars begr\u00fcnen l\u00e4sst. Oder etwa doch einen anderen Planeten?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (11.1.2018) Der philosophische und gesellschaftsanalytische Ansatz ist aller Ehren wert, doch gelingt es dem Drehbuch nicht, diese Ans\u00e4tze schl\u00fcssig zu transportieren. \u201eMARS.\u201c ist als Kom\u00f6die gemeint, aber ohne Timing und stringente Orientierung. \u00dcber einige Stereotypen kommen die &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/mars-trash-on-mars-benjamin-tucek-cz-2018\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":660,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-2737","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2737","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2737"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2737\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2740,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2737\/revisions\/2740"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media\/660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2737"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2737"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2737"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}