{"id":2732,"date":"2018-11-08T22:04:00","date_gmt":"2018-11-08T21:04:00","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2732"},"modified":"2018-11-08T22:04:00","modified_gmt":"2018-11-08T21:04:00","slug":"the-man-who-killed-don-quixote-terry-gilliam-ebfpgb-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-man-who-killed-don-quixote-terry-gilliam-ebfpgb-2018\/","title":{"rendered":"The Man Who Killed Don Quixote \u2013 Terry Gilliam \u2013 E\/B\/F\/P\/GB 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (08.11.2018)<\/p>\n<p>Da hat sich der Meister wohl etwas \u00fcbernommen: Je nach Berichterstattung zwanzig oder drei\u00dfig Jahre lang arbeitet sich Terry Gilliam nun am Don-Quixote-Stoff ab, mit diversen R\u00fcck- und Fehlschl\u00e4gen, und das Ergebnis, das man nun \u2013 in Braunschweig ausschlie\u00dflich beim Filmfest, aber wenigstens immerhin \u2013 zu sehen bekommt, erweckt den Eindruck, der Regisseur musste sich am Ende sehr beeilen. Seine Handschrift ist zu selten wahrnehmbar, vieles wirkt zusammengeklebt, dabei l\u00e4sst sich eine durchaus eigensinnige Herangehensweise an die Quixotische Doppelb\u00f6digkeit der Psyche mehr als nur erahnen, und die ist sogar so etwas wie brillant.<\/p>\n<p><!--more-->Der gesamte \u2013 und dazu noch \u00fcberlange \u2013 Film wirkt wie St\u00fcckwerk, sehr fahrig, als habe er trotz der langen Vorbereitungsdauer unter Zeitdruck entstehen m\u00fcssen. Die einzelnen Szenen, manchmal sogar Schnitte, folgen \u00fcbergangslos wie auf Kante geklebt aufeinander, als l\u00e4ge dem Film kein Drehbuch zugrunde. Diese Holprigkeit l\u00e4sst keinen angenehmen Fluss zu und wirkt sich auch auf die Ausgestaltung der Figuren aus; ihre Handlungsweisen sind teilweise unmotiviert gegens\u00e4tzlich. Mit der Konsequenz, dass sie einem nicht ans Herz wachsen, also egal sind, und man sich alsbald sogar langweilt. Die Leistungen der Schauspieler, allen voran Adam Driver (\u201ePaterson\u201c) und Jonathan Pryce (\u201eBrazil\u201c), tragen daran keine Schuld.<\/p>\n<p>Und doch erahnt man, was Gilliam mit diesem Film eigentlich sagen will. Diesem Meta-Film im Grunde: Er erz\u00e4hlt von einem Werbefilmregisseur namens Toby, der in Spanien einen Film \u00fcber Don Quixote drehen will und auf der Suche nach Inspiration auf seinen eigenen Hochschulabschlussfilm st\u00f6\u00dft, den er zehn Jahre zuvor ganz in der N\u00e4he produzierte. Damals machte er den Schuster Javier zum Don Quixote \u2013 und stellt bei der Recherche nach den alten Weggef\u00e4hrten fest, dass der Film jede Menge Unheil \u00fcber das beteiligte Dorf brachte. Insbesondere f\u00fcr Javier, der seine Rolle seitdem nicht mehr verlassen hat und Toby in ein Abenteuer st\u00f6\u00dft, in dem Realit\u00e4t und Wahn nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Bezeichnenderweise tr\u00e4gt Tobys alter Film den selben Titel wie der, den Gilliam hiermit dar\u00fcber drehte.<\/p>\n<p>Javiers Dorfmitbewohner inszenieren nun eine Welt aus dem Jahr 1605, um damit auf Javiers Wahn zu reagieren; sie wollen ihn damit wohl heilen. Tobys Filmteam indes benutzt Javier sp\u00e4ter, um einen russischen Investoren mit einer Don-Quixote-Show zu beeindrucken. Toby stolpert dabei von einer Schein-Welt in die zweite und sieht sich mit seinem eigenen Wahn konfrontiert, wenn er die Frauen nicht mehr auseinanderhalten oder Feuer nicht von beleuchteten Stoffbahnen unterscheiden kann.<\/p>\n<p>Dabei bedient sich Gilliam der Motive aus dem Buch von Miguel de Cervantes, insbesondere nat\u00fcrlich beim weltbekannten Kampf gegen die f\u00fcr Riesen gehaltenen Windm\u00fchlen, aber auch die Schafherde, die Weinschl\u00e4uche, die Suche nach der auserw\u00e4hlten Dulcinea, die Belustigung der reichen Schlossherren an des vermeintlichen Ritters Narretei sowie die Versuche der Dorfbewohner, ihn zu kurieren, finden ihre Entsprechung. Gilliam verkn\u00fcpft diese Elemente mit der Gegenwart, l\u00e4sst sie also auf moderne Technik, Kapitalismus, Antisemitismus und Fl\u00fcchtlingskrise treffen. Wie Gilliam den klassischen Stoff in der Moderne verankert, ist dabei an sich grandios.<\/p>\n<p>So weit, so attraktiv. Doch zieht sich der Film arg in die L\u00e4nge und funktioniert aus den angesprochenen Gr\u00fcnden nur bedingt, die Handlung geht in der Ebenenvielfalt verloren. Zudem l\u00e4sst Gilliam seine Bildgewalt vermissen; erst gegen Ende verf\u00e4llt er in die vertraute Opulenz. Ebenso s\u00e4umig ist Gilliam in Sachen Humor: Seine Mitgliedschaft bei Monty Python bricht sich nur selten und viel zu dezent Bahn, da h\u00e4tte man sich mehr gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p>\u201eDas Kabinett des Doktor Parnassus\u201c war auch unter widrigen Umst\u00e4nden entstanden, aber drehte der Regisseur diese Widrigkeiten zu seinen Gunsten und schuf ein Werk, das man sich sehr gern sehr h\u00e4ufig ansieht. Mit der Don-Quixote-Bearbeitung wird das eher nicht geschehen. Leider. Aber Gilliam hat ja offenbar noch ein halbes Dutzend unvollendeter Filme in der Schublade zu liegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.11.2018) Da hat sich der Meister wohl etwas \u00fcbernommen: Je nach Berichterstattung zwanzig oder drei\u00dfig Jahre lang arbeitet sich Terry Gilliam nun am Don-Quixote-Stoff ab, mit diversen R\u00fcck- und Fehlschl\u00e4gen, und das Ergebnis, das man nun \u2013 &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-man-who-killed-don-quixote-terry-gilliam-ebfpgb-2018\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":660,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-2732","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2732","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2732"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2732\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2733,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2732\/revisions\/2733"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media\/660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2732"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2732"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2732"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}