{"id":2643,"date":"2018-09-03T17:58:35","date_gmt":"2018-09-03T15:58:35","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2643"},"modified":"2018-09-03T17:58:35","modified_gmt":"2018-09-03T15:58:35","slug":"einsturzende-neubauten-grundstuck-potomakindigo-20052018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/einsturzende-neubauten-grundstuck-potomakindigo-20052018\/","title":{"rendered":"Einst\u00fcrzende Neubauten \u2013 Grundst\u00fcck \u2013 Potomak\/Indigo 2005\/2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2644\" title=\"Einst\u00fcrzende Neubauten - Grundst\u00fcck\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Einst\u00fcrzende-Neubauten-Grundst\u00fcck.jpg\" alt=\"\" width=\"122\" height=\"110\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (03.09.2018)<\/p>\n<p>Was soll man als Supporter davon halten? Mit einer Menge Geld, die weit \u00fcber dem liegt, was man ansonsten f\u00fcr ein Album auszugeben bereit gewesen w\u00e4re, unterst\u00fctzte man in den Nullerjahren die Einst\u00fcrzenden Neubauten vorab darin, neue Alben zu produzieren. Der Erl\u00f6s bestand daraus, Besitzer eines exklusiven Tontr\u00e4gers zu sein. Diese Exklusivit\u00e4t beenden die Neubauten nun, indem sie das zweite Supporter-Album \u201eGrundst\u00fcck\u201c f\u00fcr den Handel neu ver\u00f6ffentlichen. Inklusive einer Bonus-DVD mit Material, das auch der Supporter noch nicht hat, ihn mithin zum erneuten Erwerb zwingt. Da vergisst man grollend, wie gut das Album eigentlich ist.<\/p>\n<p><!--more-->Die ganze Supporter-Aktion lief seinerzeit zwar wegweisend, aber doch einigerma\u00dfen aus dem Ruder. So richtig die Kohle, die die Neubauten erwarteten, kam nicht zusammen, weshalb sie ihr Konzept best\u00e4ndig den Marktbed\u00fcrfnissen anpassten. Hei\u00dft: Vom \u201eSupporters\u2018 Album #1\u201c (2003) \u00fcbernahmen die Neubauten ausgew\u00e4hlte Tracks f\u00fcr das folgende offizielle Studioalbum \u201ePerpetuum Mobile\u201c (2004), das dritte und letzte Supporter-Album \u201eAlles wieder offen\u201c erschien 2007 um wenige Songs gek\u00fcrzt parallel auch im Handel. Gr\u00f6\u00dfte Frechheit zu der Zeit war: Die Neubauten produzierten nebenbei einzelne Tracks, die sie ausschlie\u00dflich den Supportern als Download zur Verf\u00fcgung stellten, die so genannten Jewels, sie nach Scheitern der Aktion 2008 aber f\u00fcr alle als CD \u201eThe Jewels\u201c herausbrachten. Auch die urspr\u00fcngliche Bonus-DVD von \u201eGrundst\u00fcck\u201c erschien sp\u00e4ter separat als \u201ePalast der Republik\u201c (und das auch noch billiger, als wenn man die CD\/DVD-Version vorab supportet h\u00e4tte, anstelle der reinen CD-Variante). Die DVD, die nun der Wiederver\u00f6ffentlichung des Albums beiliegt, ist aber eine andere, n\u00e4mlich mit Material zur Entstehung der Musik, an der die Supporter teilweise per Webcam und Chat beteiligt waren. Hingenommen hat man anstandslos das Auftauchen von \u201eGrundst\u00fcck\u201c-Liedern auf der vierten \u201eStrategies Against Architecture\u201c-Compilation 2010, aber eine komplette Wiederver\u00f6ffentlichung des Albums \u2013 auch auf LP \u2013 hat bei aller Liebe zum Inhalt einen unangenehmen Beigeschmack.<\/p>\n<p>Man merkt dem \u201eGrundst\u00fcck\u201c an, dass die Band zu dem Zeitpunkt nach Orientierung suchte. Es pendelt zwischen einigerma\u00dfen richtigen Songs mit lebendiger und wuchtiger Dynamik und handzahmen, eher stillen Experimenten, mit dem Hauptaugenmerk auf dem titelgebenden eher avantgardistischen Trackkomplex in der Mitte, umklammert von so beinahe h\u00fcbschen Preziosen wie \u201eGood Morning Everybody\u201c. Die Musik vergr\u00f6\u00dfert die seit Anfang der Neunziger aufgetane Kluft zwischen Industrial und Feuilleton. Blixa Bargelds Schalk manifestiert sich in \u201eWo sind meine Schuhe?\u201c, trotz aller Anstrengung, die das Album insgesamt unterschwellig ausstrahlt, konfrontiert mit der Erkenntnis der Unwirtschaftlichkeit, die das Plattenproduzieren in Zeiten der zur\u00fcckgehenden Verk\u00e4ufe mit sich brachte. Da war das Konzept mit dem Subskribieren vorab ein mutiger Schritt, den Plattformen wie Pledge sp\u00e4ter erfolgreich \u00fcbernahmen. F\u00fcr die Neubauten reichte es nicht, da die Plattform nicht \u00fcber die eigene Webseite hinausreichte; damals hatte das Internet auch noch nicht die Breitenwirkung, die es heute mit der Zubreitenwirkung schon wieder verliert.<\/p>\n<p>Die drei Alben und die Jewels waren nicht das einzige, das die Neubauten den Supportern damals anboten. Als Vorab-EP zum Auftakt-Album lud die Band die \u201eAirplane Miniatures\u201c hoch, von denen zwei auf dem Album landeten, und lancierten die Doppel-CD \u201eAlles was irgendwie n\u00fctzt\u201c (nur echt ohne Komma) mit einer restaurierten Auswahl von beliebten Bootleg-St\u00fccken. Au\u00dferdem riefen sie von 2005 bis 2007 die noch experimentellere Album-Reihe \u201eMusterhaus\u201c ins Leben, f\u00fcr die eine Extra-Subskription erforderlich war, mit noch h\u00f6heren Beitragszahlungen \u2013 deshalb sind diese Alben auch noch rarer als \u201eGrundst\u00fcck\u201c. Man kann also angesichts der \u201eGrundst\u00fcck\u201c-Wiederver\u00f6ffentlichung davon ausgehen, dass die acht \u201eMusterhaus\u201c-Alben demn\u00e4chst auch noch f\u00fcr alle zug\u00e4nglich gemacht werden. Mit \u00e4hnlichem Beigeschmack.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (03.09.2018) Was soll man als Supporter davon halten? 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