{"id":2613,"date":"2018-08-14T22:38:32","date_gmt":"2018-08-14T20:38:32","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2613"},"modified":"2018-08-15T12:39:29","modified_gmt":"2018-08-15T10:39:29","slug":"fischessen-der-tote-winkel-blunoise-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/fischessen-der-tote-winkel-blunoise-2018\/","title":{"rendered":"Fischessen \u2013 Der tote Winkel \u2013 BluNoise 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2614\" title=\"Fischessen - Der tote Winkel\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Fischessen-Der-tote-Winkel.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"110\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (14.08.2018)<\/p>\n<p>In jeder Hinsicht relevant ist dieses Album: Das Projekt Fischessen widmet sich dem Leben und Wirken von Guido Lucas, einem der einflussreichsten Menschen der deutschen Indierock- und Noise-Szene, der im vergangenen Jahr verstarb. Lucas war nicht nur Labelbetreiber von BluNoise aus Troisdorf, sondern selbst Musiker, und viele seiner ehemaligen Band- und Labelmates versammeln sich, um auf \u201eDer tote Winkel\u201c in seinem Namen die Br\u00fccke zwischen Noiserock und Free Jazz zu zementieren. Eine Vorliebe f\u00fcr L\u00e4rm erleichtert den Zugang zu diesem gro\u00dfartigen Album.<\/p>\n<p><!--more-->Zentrales Instrument ist das Schlagzeug: J\u00f6rg A. Schneider wirbelt auf seinem Drumkit herum, als habe nie jemand so etwas wie Takt oder Rhythmus erfunden. Struktur erfahren die Tracks \u00fcber die anderen Instrumente, klassisch Bass und Gitarre, zus\u00e4tzlich Moog, Piano, Mellotron, Harmonium und diverse Field Recordings. Sie f\u00fcllen die L\u00fccken zwischen den Trommelsounds nie komplett aus, die Musiker weben also keinen dichten Musikteppich, sondern gestalten eigenst\u00e4ndige Muster, teils rhythmisch, teils den avantgardistischen Noise verst\u00e4rkend. Zwischendurch kommen sogar Stimmen zum Einsatz, das ist eher ungew\u00f6hnlich f\u00fcr Fischessen.<\/p>\n<p>Das Album verfolgt eine musikalische Narration: Mit dem programmatisch betitelten \u201eBlu Noise My Love\u201c legen Fischessen angemessen schnell und vertrackt die Spur vom Noiserock zum Free Jazz, der hier deutlich mehr Gewicht hat. Da die Erkl\u00e4rungen ausbleiben, muss man sich selbst seine Schl\u00fcsse aus den Songtiteln ziehen: War Lucas f\u00fcr einige \u201eMein liebster Feind?\u201c Starb er etwa den Rock\u2019n\u2019Roll-Tod durch zu viel \u201eBooze And Glory\u201c? Trotzdem will das Projekt \u201eEinmal noch so wie damals\u201c spielen, und wenn man genau hinh\u00f6rt, erkennt man die freien Strukturen tats\u00e4chlich auch schon im Oeuvre von Les Hommes Qui Wear Espandrillos, der Band, aus der Lucas ausstieg und aus der sich Fischessen mit Schneider und Lucas\u2018 Nachfolgerin Yvonne Nussbaum sp\u00e4ter entwickelte. Im Verlauf wird das Album ruhiger, das Schlagzeug reduzierter, die Stimmung entspannter, der Atem frei. \u201eGuido ist Tod\u201c, behauptet der vorletzte Track, bis sich das Album im finalen, 23 Minuten langen \u201eBergerbos\u201c beinahe aufl\u00f6st, aber anders als das vergleichbar strukturierte \u201eThe Downward Spiral\u201c von Nine Inch Nails mit einem erl\u00f6senderen Grundgef\u00fchl.<\/p>\n<p>\u201eDer tote Winkel\u201c ist das erste Fischessen-Album seit \u201eK\u00f6der\u201c vor zehn Jahren, dem voraus ging 2006 nur \u201eSuicide Is Much Too Blonde\u201c. Initiatoren des Projektes waren Schneider (Schlagzeug), Nussbaum (Moog) und Scharco (Bass, Gitarre), als G\u00e4ste sind hier noch dabei: David Russel (Stimme), Soheyl Nassary (Gitarre, Stimme), Carsten Sandk\u00e4mper (Piano, Mellotron, Harmonium, Stimme) und Oliver Klemm (Field Recordings). Mit Scharco unterh\u00e4lt Schneider noch das Noiserockjazzduo Nicoffeine, Nussbaum musizierte wie Schneider auch bei Lucas\u2018 Soloprojekt Lude, in der International Friendship Society trafen sie alle ebenfalls aufeinander, Nassary war bereits am Nicoffeine-Vorl\u00e4ufer Midian beteiligt, Sandk\u00e4mper und Klemm ver\u00f6ffentlichten mit Sankt Otten und Pendikel auf BluNoise, und Schneiders weitere Projekte lassen sich vermutlich nicht einmal von ihm selbst noch l\u00fcckenlos aufz\u00e4hlen: Roji, Tarngo, Gaffa, Katla, Sun (kurzzeitig zur Reunion), Bone Machine, Fletch Cooper (unbest\u00e4tigt), Skim (Nussbaums Solo-Projekt), Jealousy Mountain Duo, IFS sowie diverse weiteren Kollaborationen rund um den Globus.<\/p>\n<p>Und Guido Lucas? Er \u00fcbernahm das Label BluNoise in den Neunzigern und f\u00fchrte es zu der Bedeutung, die es bis heute hat. In seinem BluBox-Tonstudio nahm er allerlei Bands auf. Und er musizierte selbst, als Lude sowie mit Scumbucket, dem Blackmail-Seitenarm Ken, den Postpunks Genepool und dem Punkpopprojekt Bungalow 7. Obwohl \u201eDer tote Winkel\u201c auf BluNoise erschien, ist der Fortbestand des Labels so unklar wie Lucas\u2018 Todesursache.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (14.08.2018) In jeder Hinsicht relevant ist dieses Album: Das Projekt Fischessen widmet sich dem Leben und Wirken von Guido Lucas, einem der einflussreichsten Menschen der deutschen Indierock- und Noise-Szene, der im vergangenen Jahr verstarb. 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