{"id":2595,"date":"2018-07-13T06:20:32","date_gmt":"2018-07-13T04:20:32","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2595"},"modified":"2018-07-13T06:20:32","modified_gmt":"2018-07-13T04:20:32","slug":"gaston-die-galerie-der-katastrophen-carlsen-verlag-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/gaston-die-galerie-der-katastrophen-carlsen-verlag-2018\/","title":{"rendered":"Gaston: Die Galerie der Katastrophen \u2013 Carlsen Verlag 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2596\" title=\"Gaston Die Galerie der Katastrophen\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Gaston-Die-Galerie-der-Katastrophen.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"147\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (12.07.2018)<\/p>\n<p>Zum 60. Geburtstag des 1957 von Andr\u00e9 Franquin ersonnenen B\u00fcroboten Gaston Lagaffe erschien im vergangenen Jahr ein Best-Of, dem nun eine Hommage folgt. Nicht die erste. 60 Zeichner, haupts\u00e4chlich Frankobelgier, arbeiten sich an dieser wichtigen Figur des frankobelgischen Funny-Comics ab; die eingereichten W\u00fcrdigungen sind von entsprechend unterschiedlicher Ausrichtung und Qualit\u00e4t. Einige Zeichner und Autoren versuchen, der l\u00e4ngst abgeschlossenen Reihe eine Episode im Sinne der Sache hinzuzuf\u00fcgen, manche verdrehen Inhalte, andere transferieren Gaston in andere, zumeist eigene Universen, und die sind \u2013 auch bei geringerer Qualit\u00e4t \u2013 am interessantesten. Franquin kopieren kann n\u00e4mlich niemand.<\/p>\n<p><!--more-->40 Jahre lang berichtete Franquin aus dem Alltag des Gaston Lagaffe, dann kam ihm sein Tod dazwischen. Testamentarisch war verf\u00fcgt, dass die Serie offiziell nicht weitergef\u00fchrt wird, aber die Rechte liegen jetzt wieder beim Verlag Dupuis, der auch das gleichfalls betroffene Marsupilami in das Spirou-Universum zur\u00fcckholen lie\u00df. F\u00fcr Gaston bedeutete dies bislang nur eine neue Serie namens Gastoon, die von Gastons Neffen handelt und von Simon L\u00e9turgie gezeichnet sowie von Yann und Jean L\u00e9turgie getextet wird. Jetzt liegt erstmals eine Hommage unter dem n\u00e4mlichen Markennamen vor.<\/p>\n<p>Die Mischung trifft den Sound des originalen Gaston ziemlich gut. Denn \u2013 bei Lichte betrachtet \u2013 schon der war nicht immer so grandios, wie man ihn ehrenhalber in Erinnerung haben m\u00f6chte. Liest man sich die in der j\u00fcngsten Wiederver\u00f6ffentlichung 19 B\u00e4nde oder f\u00fcnf B\u00fccher am gut dosierten St\u00fcck durch, bef\u00e4llt einem so manches Mal einige Langeweile oder Erm\u00fcdung. Bei manchen Gags oder wiederkehrenden Figuren bef\u00e4llt einem der Eindruck von erzwungener Idee. Selten immerhin sind die Gags so beliebig, dass sie auch ohne Gaston funktionieren w\u00fcrden; darauf achtete Franquin einigerma\u00dfen, dass er die Kapriolen seiner Figur im eigens kreierten Universum stattfinden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Und das ist weitreichend, wenngleich es erstaunt, wie sp\u00e4t manche als Standards aufgefassten Elemente erst in die Serie einflossen. Seinen ersten Auftritt hatte Gaston 1957 als Gast in einer Ausgabe des Spirou-Magazins, seinen ersten eigenen Gag in Spirou-Ausgabe 1000 desselben Jahres. Seitdem war Spirous Sidekick Fantasio Gastons Chef, bis der den Job 1964 an Demel weitergab (wie Franquin die Serie Spirou an Fournier). Bruchm\u00fcller, der cholerische Gesch\u00e4ftsmann mit den geplatzten Vertr\u00e4gen, trat erst 1960 durch die Verlagst\u00fcren, Fr\u00e4ulein Trudel begann erst 1962, als einziger Mensch der Erde Gaston zu verehren.<\/p>\n<p>\u201eWas denn?\u201c, das ist der Ausruf, den die Besch\u00e4digten zumeist von Gaston zu h\u00f6ren bekommen, wenn dessen Experimente einmal mehr schiefgehen oder er beim B\u00fcroschlaf gest\u00f6rt wird. An dieses Grundger\u00fcst halten sich nun die meisten der vertretenen Zeichner in ihrer Hommage. Das gelingt zumeist recht gut, greift aber lediglich bestehende F\u00e4den auf. Wer diesem Pfad nicht folgen mag, verdreht die Running Gags; naheliegend ist, dass Gaston Bruchm\u00fcller dazu bringt, Vertr\u00e4ge zu unterschreiben, anstatt wie \u00fcblich versehentlich deren Abschluss zu torpedieren. Ganz pfiffige Autoren transferieren Gaston indes in Stil und Story in ihr eigenes Universum (mit eigenen Figuren). Und da wird es in alle Richtungen aufschlussreich: Ein Lewis Trondheim verbiegt seinen minimalistischen Strich nicht zugunsten der gelungensten Kopie, sondern bleibt im Sinne des Charakters Gastons eigensinnig, und ein Jos\u00e9 Munuera, der mit Morvan die besten Spirou-B\u00fccher der Hauptreihe nach der Pause ablieferte, steuert schockierenderweise einen der schlechtesten Beitr\u00e4ge zu dieser Hommage bei. Mancher Strip erscheint hier im pseudorealistischen DC- oder Marvel-Style, andere im naiven Kindchengekritzel oder beinahe k\u00fcnstlerisch. Sogar das eigene Wahrnehmen Gastons von Seiten der Autoren erf\u00e4hrt hier Reflexionen.<\/p>\n<p>Streckenweise bewegte sich das als Parodie ausgelegte \u201eBaston\u201c von 1983 (im franz\u00f6sischen Original mit der Folgennummer 5 ausgestattet, die es in der urspr\u00fcnglichen Gaston-Z\u00e4hlung der Alben f\u00fcr viele Jahre nicht gab) zeichnerisch auf einem \u00e4hnlichen Niveau wie der vorliegende Band, inhaltlich aber weitaus mutiger und r\u00e4udiger. Aber \u201eDie Galerie der Katastrophen\u201c ist ja explizit auf Applaus ausgelegt, und den verdient der Sechzigj\u00e4hrige in der Tat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (12.07.2018) Zum 60. Geburtstag des 1957 von Andr\u00e9 Franquin ersonnenen B\u00fcroboten Gaston Lagaffe erschien im vergangenen Jahr ein Best-Of, dem nun eine Hommage folgt. 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