{"id":2540,"date":"2018-06-06T21:52:19","date_gmt":"2018-06-06T19:52:19","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2540"},"modified":"2018-06-06T21:52:19","modified_gmt":"2018-06-06T19:52:19","slug":"gerhard-seyfried-zwille-the-law-returns-to-kreuzberg-westendfifty-fifty-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/gerhard-seyfried-zwille-the-law-returns-to-kreuzberg-westendfifty-fifty-2018\/","title":{"rendered":"Gerhard Seyfried \u2013 Zwille: The Law returns to Kreuzberg \u2013 Westend\/fifty-fifty 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2541\" title=\"Gerhard Seyfried - Zwille\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Gerhard-Seyfried-Zwille.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"155\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (06.06.2018)<\/p>\n<p>Der Vorausdenker hinkt hinterher: So gestrig wie in seinem neuen Comicband \u201eZwille: The Law returns to Kreuzberg\u201c war Zeichner Gerhard Seyfried noch nie. Er war seinerzeit stets linker als die taz und nimmt heute teilweise Standpunkte ein, die sein fr\u00fcheres Ich sicherlich als spie\u00dfig aufgefasst h\u00e4tte. Angesichts dieses Buches sieht man keinerlei Grund f\u00fcr Seyfried, die zeichnerische Unt\u00e4tigkeit nach acht Jahren Comicpause unterbrechen zu m\u00fcssen; in seinem j\u00fcngsten Buch \u201eSchilderguerilla\u201c von vor zwei Jahren zeigte er, dass er seinen Humor auch mit neuen gestalterischen Medien transportieren kann (er manipulierte Fotos von Schildern und ver\u00e4nderte so deren Inhalt). Sein Uraltpunk Zwille h\u00e4tte indes gern in der Versenkung bleiben k\u00f6nnen, da f\u00fchrte der bereits ein lustiges Leben.<\/p>\n<p><!--more-->Eine Frage stellt sich nach der Lekt\u00fcre dieses Buches: Warum f\u00fchlte sich Seyfried dazu bem\u00fc\u00dfigt, \u00fcberhaupt einen Comic zu ver\u00f6ffentlichen? Ideen daf\u00fcr hatte er jedenfalls keine. Zumindest keine neuen: \u201eZwille\u201c ist ein reines Selbstzitat, direkt und indirekt. St\u00e4ndig verweist Seyfried auf fr\u00fchere B\u00fccher und l\u00e4sst Elemente aus diesen wieder aufleben. Als selbstironische Metaebene funktioniert sein addiertes Comic-Alter-Ego auch nicht mehr; es ist bekannt, dass er mit seinen B\u00fcchern diese Form von Erfolg nie hatte, die ihn zum reichen Arschloch h\u00e4tte mutieren lassen k\u00f6nnen. Die eingestreute Kritik an Politikern ist oberfl\u00e4chlich und ebenfalls abgefr\u00fchst\u00fcckt; mehr als verballhornte Namen (\u201eSchmarotzke\u201c) f\u00e4llt Seyfried da kaum ein. Und die als Bullen titulierten Mitglieder der Exekutive sind auch immer noch dumm, ja.<\/p>\n<p>Neu ist f\u00fcr den Wahlberliner die Gentrifizierung, die in seinen fr\u00fcheren B\u00fcchern zwar inhaltlich, als Begriff und in der heutigen Reichweite noch nicht vorkommen konnte. Neue Witze dazu fallen ihm aber nicht ein, das Thema ist selbst f\u00fcr schenkelklopfende Comedians l\u00e4ngst ersch\u00f6pft. Das zweite brennende Thema sind Graphic Novels, die seit Jahren dem klassischen Comic den Rang ablaufen, zumindest nach Seyfrieds Auffassung. Damit generiert er ein Feindbild in den eigenen Reihen, das keines ist; dahinter steckt allenfalls der Neid, dass frische K\u00fcnstler mit ihren Arbeiten mehr Aufmerksamkeit und wom\u00f6glich auch noch Erfolg auf sich ziehen als der Altmeister.<\/p>\n<p>Anstatt dem nun etwas entgegenzusetzen, unterbietet Seyfried aber seinen eigenen Zeichenstil. Aus reinen Skizzen besteht \u201eZwille\u201c, schlecht \u00fcbergepinselt und so gut wie nie auf eine Weise ausformuliert, die man aus den Neunziger-Comics kennt, mit den detailverliebten Wimmelpanels. Seyfried macht es sich also in Form und Inhalt einfach. Ach, Inhalt: Eine Geschichte gibt es im Grunde nicht, Zwille braucht eine neue Bleibe, also Geld, und driftet von vielen Seiten in Versuchung gef\u00fchrt durch Berlin.<\/p>\n<p>Schon der noch mit Ziska gestaltete Vorg\u00e4nger \u201eKraft durch Freunde\u201c zeigte Seyfried vor acht Jahren von seiner einfallslosen Seite, \u201eZwille\u201c setzt diese unsch\u00f6ne Abw\u00e4rtsbewegung fort. Mit \u201eStarship Eden\u201c, dem Buch vor \u201eKraft durch Freunde\u201c, h\u00e4tte Seyfried seine Karriere als Comiczeichner beenden sollen \u2013 das war 1999. Vielleicht ist ihm die gegenw\u00e4rtige politische Lage einfach zu un\u00fcbersichtlich; mit ein paar Links-Rechts-Sterotypen ist sie jedenfalls nicht (mehr) so einfach zu fassen zu bekommen. Auch seine Leserschaft geht weiter, so retro ist man trotz dieser komplexen Gegenwart nicht, dass ein reanimierter Held wie Zwille schon f\u00fcr Begeisterungsst\u00fcrme ausreicht. Ach ja, \u00e0 propos retro: \u201eWerner\u201c ist ja auch wieder da. Und dann wettert Seyfried gegen Trends.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (06.06.2018) Der Vorausdenker hinkt hinterher: So gestrig wie in seinem neuen Comicband \u201eZwille: The Law returns to Kreuzberg\u201c war Zeichner Gerhard Seyfried noch nie. 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