{"id":2513,"date":"2018-05-20T22:04:44","date_gmt":"2018-05-20T20:04:44","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2513"},"modified":"2018-05-20T22:04:44","modified_gmt":"2018-05-20T20:04:44","slug":"40-jahre-jugendhaus-ost-festival-in-wolfsburg-am-19-mai-2018-mit-u-a-halle-54-lemur-indie-disko-gehn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/40-jahre-jugendhaus-ost-festival-in-wolfsburg-am-19-mai-2018-mit-u-a-halle-54-lemur-indie-disko-gehn\/","title":{"rendered":"40 Jahre Jugendhaus Ost \u2013 Festival in Wolfsburg am 19. Mai 2018 \u2013 Mit u.a. Halle 54, Lemur, Indie.Disko.Gehn"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Ost40-224243.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2514\" title=\"Lemur im Dunkeln\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Ost40-224243-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Ost40-212752.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2515\" title=\"Lemur im Hellen\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Ost40-212752-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Ost40-201247.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2516\" title=\"Halle 54 im Inneren\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Ost40-201247-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Ost40-192032.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2517\" title=\"Wolkenkratzer und Ostfreunde\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Ost40-192032-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Ost40-191245.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2518\" title=\"Das sch\u00f6ne Ost!\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Ost40-191245-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (20.05.2018)<\/p>\n<p>Wolfsburg: Eine Stadt im Takt eines einzigen Industrieunternehmens. Anders als etwa Detroit oder Sheffield hat Wolfsburg nie eine eigenst\u00e4ndige Musikszene hervorgebracht, die sich auf die Industrie bezog; eine k\u00fcnstlerische Auseinandersetzung mit der Automobilfabrik gab und gibt es aber immer wieder, und das in den verschiedensten Genres. Diese begegneten sich bei der Feier zum 40. Geburtstag des selbstverwalteten Jugendhauses Ost, das eine Alternativfrequenz im Gleichtakt des Schichtsystems darstellt: linksalternativ, freidenkend, genreb\u00fcndelnd, unkommerziell. Entsprechend lebendig, bunt und offen war die Geburtstagsfeier, mit Beitr\u00e4gen unter anderem von Halle 54, Lemur und Indie.Disko.Gehn.<\/p>\n<p><!--more-->Das Publikum bot in seiner Mischung ein herrliches Bild: Von Erstbesuchern des Ost, als es neu war, bis zu jugendlichen Neulingen, von Punk \u00fcber Metal und Hip Hop bis zu allen m\u00f6glichen alternativen und nichtalternativen Lebensentw\u00fcrfen. Die respektvolle Koexistenz von Umgedrehte-Kreuze-Metalern und Umgedrehte-K\u00e4ppi-Hiphopern bot ein Bild der riesigen Freude. Daran hatten sicherlich auch die Musikprogrammkuratoren der Feier ihren Anteil: Gebucht waren unter anderem Bathsheba (Stoner-Doom), Wolkenkratzer (Emo-Deutschrock), Halle 54 (Punk mit Metal-Einschlag) und Lemur (Hip Hop); die angek\u00fcndigten Turbostaat sagten kurzfristig ab, weil die Musiker allesamt spontan krank waren.<\/p>\n<p>Das Publikum dieser Bands und die Freunde des Ost flanierten also in Eintracht \u00fcber das Gel\u00e4nde und durch das kunterbunt bespr\u00fchte Geb\u00e4ude, st\u00f6berten an den St\u00e4nden, die veganes und nichtveganes Essen anboten, oder Kleidertauschb\u00f6rsen, antirassistische und fl\u00fcchtlingsunterst\u00fctzende Infomaterialien, darunter von Heart &amp; Passion, T-Shirts, Schallplatten, Kuchen, Getr\u00e4nke nat\u00fcrlich und \u00fcberall die M\u00f6glichkeit f\u00fcr Gespr\u00e4che. Oder anderen Schabernack, gegen D\u00e4mmerung kursierte etwa ein Fu\u00dfball im Kreise der Lemurh\u00f6rer, der weite Wege zur\u00fccklegte und Fremde locker miteinander kicken lie\u00df. Und je sp\u00e4ter der Abend, desto mehr Menschen sah man mit Schallplatten unterm Arm herumspazieren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hatte eine solche Veranstaltung auch etwas Klassentreffenartiges. Die \u00c4lteren freuten sich, einander nach all den Jahren wiederzusehen; dabei fiel auf, wer aus der Wolfsburger Musikszene durch Abwesenheit gl\u00e4nzte: Ein solches Kulturzentrum erfordert bei manchen erstaunlicherweise eine gr\u00f6\u00dfere Akzeptanz, es l\u00f6st bisweilen ein Fremdeln aus, weil die Darstellungen von so etwas wie einem selbstverwalteten linksalternativen Jugendzentrum medial und durch missg\u00fcnstige Mund-zu-Mund-Botschaften in ein unangenehmes Licht ger\u00fcckt sind. Manche f\u00fcrchten wohl, mit ihrem Verhalten auf Widerstand zu sto\u00dfen, weil sie sich politisch vermeintlich unkorrekt \u00e4u\u00dfern; diese sollten sich in der Tat ernsthafte Gedanken dar\u00fcber machen, was daran so schwer sein soll, nicht rassistisch, sexistisch oder homophob zu sein \u2013 mehr verlangen linke Zentren nicht. Es geht um ein besseres und respektvolleres Miteinander, daran ist nichts verwerflich.<\/p>\n<p>In einem solchen Geiste nun begann die ausgezeichnet organisierte Geburtstagsfeier schon mittags, auch mit der Livemusik, und die auf zwei B\u00fchnen. Wer am sp\u00e4ten Nachtmittag erst eintraf, musste sich vorhalten lassen, mit Bethsheba ein eindrucksvolles Konzert auf der B\u00fchne im Hause verpasst zu haben. Die Belgier doomen mit Frauengesang und Saxophon; manchen Aufgeschlossenen gefiel die N\u00e4he zu Pink Floyd, eine Feststellung, die Eingeweihte wom\u00f6glich \u00fcberrascht haben k\u00f6nnte. Eher Heranwachsende sprachen hernach auf der Au\u00dfenb\u00fchne Wolkenkratzer aus Helmstedt und Wolfsburg an, in Sound und Wort: Ihr Emo-Rock war fein gespielt, aber recht gew\u00f6hnlich, und die Botschaften waren obschon treffend, so doch sehr einfach gehalten. Keine Kritik: Wenn sie damit Jugendliche erreichen und wom\u00f6glich zum Reflektieren anregen, ist alles gewonnen.<\/p>\n<p>Den Klassentreffencharakter potenzierte anschlie\u00dfend das Konzert von Halle 54 auf der Innenb\u00fchne: Die Band ist nur unwesentlich j\u00fcnger als das Ost und setzte sich nicht nur im Namen, den sie mit der ersten vollautomatischen Produktionshalle des VW-Werks teilt, von Anfang an mit dem Geist auseinander, der in Wolfsburg herrscht, weil es dort Volkswagen gibt. Also von der f\u00fcr alle nachvollziehbaren Entscheidung, seine Seele f\u00fcr das gute Monatsgehalt zu verkaufen, bis zur von VW eingerichteten Spielwiese Autostadt, \u00fcber die das Quartett befindet, VW bevorzuge \u201eAuto statt Menschen\u201c. Musikalisch drapierte Halle 54 ihren Punk angenehm um die \u00fcbliche Polka herum: Die St\u00fccke \u00fcberraschten mit Wechseln in unerwartete Rhythmen, bis hin zu Crossoverstrukturen, und die Gitarre lie\u00df die N\u00e4he zum Metal heraus. Zu h\u00fcpfen gab es ausreichend, und die jungen Langhaarigen feierten den Pogo-Pit, dass die alten Haarlosen nur staunten. Abwechslungsreich, oldschool, sympathisch und mit treffenden Ansagen: Halle 54 untermauerten ihren nicht selten zum Kult erhobenen Stand als punkbezogene Bezugsgr\u00f6\u00dfe in der Volkswagenstadt.<\/p>\n<p>Auszugsweise reihte sich danach Lemur darin ein, mindestens mit seinem St\u00fcck \u201eWolfsburg\u201c, in dem er ebenfalls von der \u201eSchei\u00dffabrik, in die jeder reinwill\u201c spricht. Wie auch Halle 54 erfuhr der Rapper eine Sozialisation im Ost, mit dem Projekt Herr von Grau aber wanderte er bald nach Berlin aus und startete ebendort seine Solokarriere als Lemur. Man kann Turbostaat nur dankbar sein f\u00fcr die Absage, denn Lemur fast zwei Stunden lang in die stimmungsvoll illuminierte D\u00e4mmerung auf dem Osthof rappen zu lassen, war der gelungene Abschluss des Liveprogramms. Der Wortmensch untermalte seine Kaskaden mit einer angenehmen elektronischen Musik, nicht mit Geballer, nicht mit plakativen Effekten, nicht mit Billigsounds. Selbst Tanzrhythmen energetischerer Art lie\u00df er eher gegen Ende einzelner Tracks vom Stapel, wenn er Drum And Bass, Trap, Dubstep auf die Meute feuerte und sie damit zum dennoch nur kurzen Tanzen aufforderte. Das Wort hatte das gr\u00f6\u00dfere Gewicht. Dabei fiel es gar nicht so leicht, seinen Endloss\u00e4tzen folgen zu k\u00f6nnen. Daf\u00fcr behielt er sich vor, gegen Ende des Auftritts einen Track a capella vorzutragen, wie einen Poetry Slam quasi: Das war formal mutig, inhaltlich nachvollziehbar und k\u00fcnstlerisch gro\u00dfartig. Sein Set endete mit Partybeats, das war angemessen und au\u00dferdem eine gute \u00dcberleitung zur Party im Inneren.<\/p>\n<p>Dort feierte das DJ-Team Indie.Disko.Gehn seinerseits Geburtstag, den zehnten n\u00e4mlich. Am 8. Mai 2008 startete das Duo im Ost und pendelte mit dem Programm monatlich zwischen Ost und gleichzeitig er\u00f6ffnetem Sauna-Klub im Kulturzentrum Hallenbad hin und her. Drinnen forderten also die Beats zum Tanz auf, drau\u00dfen lie\u00dfen die Leute den Abend in der klaren, aber k\u00fchlen Nacht ausklingen. 40 Jahre Ost: eine wichtige Instanz in der Industriestadt Wolfsburg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (20.05.2018) Wolfsburg: Eine Stadt im Takt eines einzigen Industrieunternehmens. 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