{"id":2493,"date":"2018-05-07T22:24:36","date_gmt":"2018-05-07T20:24:36","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2493"},"modified":"2018-05-07T22:24:36","modified_gmt":"2018-05-07T20:24:36","slug":"qntal-viii-nachtblume-drakkar-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/qntal-viii-nachtblume-drakkar-2018\/","title":{"rendered":"Qntal \u2013 VIII: Nachtblume \u2013 Drakkar 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2494\" title=\"Qntal - VIII Nachtblume\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Qntal-VIII-Nachtblume.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (07.05.2018)<\/p>\n<p>So richtig viel vom Ursprungskonzept ist bei Qntal nicht mehr \u00fcbrig. Was vor \u00fcber 25 Jahren als experimentelles elektronisch unterf\u00fcttertes Mittelaltermusikprojekt mit Deine-Lakaien-Bezug begann, switcht heute zwischen Balladen und Clubmusik herum. Geblieben ist der hohe, klare Gesang von Sigrid Hausen alias Syrah, der indes weniger gut zum neuen Sound passt als zu dem vom Beginn der eigenst\u00e4ndigen Reise.<\/p>\n<p><!--more-->Weiterentwicklung ist eine gute Sache, Stillstand ist Tod: Erfreulicherweise haben sich Qntal seit jeher fortbewegt. Schon der Ursprung lag in einer Fortbewegung; als n\u00e4mlich alle noch auf Mittelalterm\u00e4rkten herumdudelten, entwickelte Deine-Lakaien-Komponist Ernst Horn mit den damaligen Co-Lakaien und Estampie-Gef\u00e4hrten Sigrid Hausen und Michael Popp das Konzept f\u00fcr die elektronische Vermittelalterung. Horn stieg bald aus und gr\u00fcndete das Konkurrenzunternehmen Helium Vola, Popp und Hausen setzten ihre Arbeit mit anderen Electrofricklern fort. Und die brachten jedes Mal ihren eigenen Sound ins Projekt, so war eine Entwicklung systemimmanent.<\/p>\n<p>Die Fragilit\u00e4t der fr\u00fchen Arbeiten ist l\u00e4ngst abgelegt, Balladen sind zumeist recht vollgestopft und gegl\u00e4ttet, und am stampfenden Clubsound orientiert sich das Projekt schon seit einiger Zeit, nicht zuletzt via Remix. Der Gro\u00dfraumdiscobeat indes ist auf dem achten Album keine Ausnahme mehr, sondern zur H\u00e4lfte die Regel. Etwas quer im Tanzflur steht dabei jedoch Hausens Mezzosopran, der die Dance-Tracks konterkariert; zusammen ergeben Sound und Stimme weder reine Clubtauglichkeit noch Mittelaltern\u00e4he, wenngleich Qntal das Mittelalter auch in Bezug auf ihre Quelltexte schon seit Jahren verlassen haben. Daf\u00fcr sind die Tracks musikalisch zu simpel und ist der Gesang zu nah am Klischee, als dass die entsprechenden Tracks auf eine eigene Weise vorbehaltlos funktionieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Den anderen Teil nehmen Balladen ein, zu denen Hausens Stimme wiederum bestens passt. Musikalisch wiederum sind diese Balladen sehr dicht und glatt, also anders als die der fr\u00fchen Alben, die experimentell und fragil f\u00fcr Aufhorchen sorgten. Ob da nun irgendwelche mittelalterlichen Instrumente wirklich verwendet oder zumindest gesampelt werden, ist dabei unerheblich, denn man h\u00f6rt es ohnehin nicht heraus. Auf diesem Album ist zum zweiten Mal Leon Rodt f\u00fcr die Sounds verantwortlich, nicht mehr der Horn-Nachfolger Philipp \u201eFil\u201c Groth. Seine Sounds sind weniger schrill als die von Fil, \u201eNachtblume\u201c klingt satter, was zu den Beats nat\u00fcrlich besser passt. Interessant ist, dass Rodt einmal sogar die \u201eBlock Rockin\u2018 Beats\u201c der Chemical Brothers reanimiert; ein anderer Song hat angenehme orientalische Strukturen. Der Rest ist mitteleurop\u00e4isch-geradlinig. Zu den Mitmusikern geh\u00f6ren \u00fcberdies Mariko Lincoln von Unto Ashes, Markus K\u00f6stner von Artwort und Goethes Erben sowie Ernst Schwindl, der auch an den anderen Qntal-verwandten Bands Estampie, VocaMe und Al Andaluz Project beteiligt ist.<\/p>\n<p>Textlich bedient sich Hausen dieses Mal unter anderem bei Joseph von Eichendorff, dessen romantische Gedichte zwar nicht aus dem Mittelalter stammen, aber doch gut in die sich selbst so nennende Schwarze Szene passen. Der Fantasy-Autor Markus Heitz steuert wie beim Vorg\u00e4nger auch auf \u201eNachtblume\u201c einen Text bei, \u201eEcho\u201c; das ist ein szenebedienender Crossover, der qualitativ jedoch kaum Auswirkungen hat. Weitere Quellen, bei denen sich Hausen hier bedient, sind unter anderem Lord Byron, William Butler Yeats sowie die Carmina Burana. Direkt Mittelalterlich ist immerhin ein Titel des Albums: \u201eMinnelied\u201c, was wohl auch jeder Laie mit der Musik des Mittelalters verbindet; es stammt selbstverst\u00e4ndlich von Walther von der Vogelweide.<\/p>\n<p>Man muss konstatieren, dass jedes Album von Qntal deren musikalische Eigenst\u00e4ndigkeit unterstreicht. M\u00f6gen muss man das deswegen aber noch nicht. Sich darauf einlassen wiederum schadet nicht; und selbst, wenn man kein Album mehr \u00f6fter oder jedes Mal komplett h\u00f6ren mag, findet man doch immer seine Nischen im pseudomittelalterlichen Club- und Schmusesound. Besser als die leidliche Konkurrenz sind Qntal allemal, nach ihnen gibt\u2019s erstmal nichts, denn daf\u00fcr sorgt die Band, indem sie \u2013 bis auf den Gesang \u2013 jegliche Klischees vermeidet, also nicht vom Saufen oder Poppen singt, sich um authentische Sprache und Aussprache bem\u00fcht und die Dudelei unterl\u00e4sst.<\/p>\n<p>H\u00fcbsch ist \u00fcbrigens das Cover: Das Digipak hat eine samtweiche Anmutung. Die kann man nicht herunterladen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (07.05.2018) So richtig viel vom Ursprungskonzept ist bei Qntal nicht mehr \u00fcbrig. Was vor \u00fcber 25 Jahren als experimentelles elektronisch unterf\u00fcttertes Mittelaltermusikprojekt mit Deine-Lakaien-Bezug begann, switcht heute zwischen Balladen und Clubmusik herum. 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