{"id":2472,"date":"2018-04-04T21:45:55","date_gmt":"2018-04-04T19:45:55","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2472"},"modified":"2018-04-04T21:46:30","modified_gmt":"2018-04-04T19:46:30","slug":"the-death-of-stalin-armando-iannuci-usafgb-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-death-of-stalin-armando-iannuci-usafgb-2018\/","title":{"rendered":"The Death Of Stalin \u2013 Armando Iannuci \u2013 USA\/F\/GB 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (04.04.2018)<\/p>\n<p>Schwieriges Unterfangen: einem totalit\u00e4ren Regime mit Humor begegnen zu wollen, um die systemimmanenten Untiefen herauszuarbeiten und die Beweggr\u00fcnde der Machtbesessenen blo\u00dfzustellen. \u201eThe Death Of Stalin\u201c ist zwiesp\u00e4ltig geraten: Einerseits bildet er solche lebensbedrohlichen Machtkonstellationen anschaulich ab, andererseits bleibt der Humor zwischen Slapstick und erwartbaren Zwangsl\u00e4ufigkeiten stecken. Kein Film, den man gesehen haben muss, aber auch keiner, bei dem es schadet.<\/p>\n<p><!--more-->Anschaulich gelingen die Ringelreihen, in denen sich Stalins zweite Riege ihre pers\u00f6nlichen Vorteile zu sichern hofft. Zu Lebzeiten des Massenm\u00f6rders kadertreu, entbl\u00f6\u00dfen sie nach Stalins Tod einerseits ihre Abscheu, andererseits ihre tief sitzende Furcht vor dem t\u00f6dlichen System. Es ist sehr spannend, zu sehen, wie hochrangige Arschl\u00f6cher ihre R\u00e4nke schmieden und bisweilen nicht wissen, wie sie sich offiziell verhalten sollen. Vermutlich ist diese Machtkonstellation auf so ziemlich jedes andere System \u00fcbertragbar; man kennt es aus Politik und Wirtschaft: Schl\u00e4gt man ein Arschloch ab, wachsen drei neue nach. Bl\u00f6d f\u00fcr die Beteiligten ist, wenn sie Fallen aufstellen, in die sie bei einer Kr\u00e4fteverschiebung selbst hineinfallen; an diese M\u00f6glichkeit denken solche Gewaltmenschen nicht, das geschieht maximal den anderen, und die Schadenfreude ist gro\u00df bei jedem, den es dann doch erwischt, was aber leider nie genug sind, siehe Hybris. Es hat einen gewissen Unterhaltungswert, das Politb\u00fcro dabei zu beobachten, sich gleichzeitig in Linientreue und Reformwillen \u00fcberbieten zu wollen, je nach Vorteil.<\/p>\n<p>Mit dem Rest des Films verh\u00e4lt es sich hingegen kompliziert. Wie auch bei Kriegsfilmen \u00fcblich, resultiert Spannung hier lediglich aus dem Umstand der Unberechenbarkeit; im Krieg ist alles erlaubt, in einem solchen Regime auch, das kennt man aus der Deutschen Geschichte. Jeder Tod ist also willk\u00fcrlich, damit nicht logisch und auch nicht die Folge eines Spannungsbogens. Ebenso entstehen die B\u00fcndnisse nicht zum Wohle des Volkes, sondern zum pers\u00f6nlichen Vorteil. Nachteil f\u00fcr den Zuschauer ist, dass er sich deshalb mit keinem Protagonisten verb\u00fcnden mag. Das Mehrfachschachspiel ist zwar anschaulich, der Ausgang ist einem aber egal.<\/p>\n<p>H\u00f6chstens die Schauspieler sorgen f\u00fcr einige Zuneigung, weniger jedoch die Figuren, die sie spielen: Michael Palin, vor 50 Jahren noch bei Monty Python, spielt Wjatscheslaw Molotow, Steve Buscemi Nikita Chruschtschow und Simon Russell Beale auf eine besonders \u00fcberzeugende Weise den \u00fcbelsten Vorteilsnehmer Lawrenti Beria. Seiner Figur wohnt der geringste Slapstick inne; Jeffrey Tambor etwa gibt Stalins Stellvertreter Georgi Malenkow, als w\u00e4re er Mitglied der Addams Family. Eine Grundkrux ist zudem, dass man den Darstellern die Russen nicht abnimmt.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang wirken menschenverachtende Ma\u00dfnahmen, wie Internierungen, T\u00f6tungen, Bedrohungen, nicht wie das, was sie sind, sondern gehen unter. Das liegt auch daran, dass sich Regisseur Armando Iannuci nicht gen\u00fcgend Zeit nimmt. Er huscht an den Geschehnissen vorbei. Das betrifft nicht nur das B\u00f6se, sondern auch manche Pointe. Eigentlich gibt es nur zwei Gags, die wirklich z\u00fcnden, weil sie unerwartbar sind und ihren Z\u00fcndstoff nicht allein daraus beziehen, dass ein Reigen von Massenm\u00f6rdern sich seltsam benimmt: den mit der Lampe und den mit der falschen T\u00fcr. Inkonsequent ist Iannuci auch darin, das Russische zuzulassen: Schilder zeigt er in lateinischer Schrift, das st\u00f6rt den Fluss und die Verortung der Geschehnisse. Das n\u00e4chste Problem hat der synchron: Santiago Ziesmer als Stimme von Buscemi passt nicht zu einer Figur wie Chruschtschow. Soll er doch als Steve Urkel oder Spongebob nerven.<\/p>\n<p>Ein Film also, der Machtgerangel als absurd entlarvt und mit guten Schauspielern punktet, sich im Witz allerdings verrennt und wenig Identifikationepotenzial mitbringt. Ein Film also, den man schneller wieder vergisst, als einem lieb ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (04.04.2018) Schwieriges Unterfangen: einem totalit\u00e4ren Regime mit Humor begegnen zu wollen, um die systemimmanenten Untiefen herauszuarbeiten und die Beweggr\u00fcnde der Machtbesessenen blo\u00dfzustellen. \u201eThe Death Of Stalin\u201c ist zwiesp\u00e4ltig geraten: Einerseits bildet er solche lebensbedrohlichen Machtkonstellationen anschaulich ab, &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-death-of-stalin-armando-iannuci-usafgb-2018\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":660,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-2472","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2472","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2472"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2472\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2475,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2472\/revisions\/2475"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media\/660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2472"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2472"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2472"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}