{"id":2455,"date":"2018-03-15T23:01:55","date_gmt":"2018-03-15T22:01:55","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2455"},"modified":"2018-03-15T23:01:55","modified_gmt":"2018-03-15T22:01:55","slug":"gusgus-lies-are-more-flexible-no-paper-records-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/gusgus-lies-are-more-flexible-no-paper-records-2018\/","title":{"rendered":"Gusgus \u2013 Lies Are More Flexible \u2013 No Paper Records 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2456\" title=\"Gusgus - Lies Are More Flexible\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Gusgus-Lies-Are-More-Flexible.jpg\" alt=\"\" width=\"114\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (15.03.2018)<\/p>\n<p>Das j\u00fcngste Album des isl\u00e4ndischen Deep-House-Soul-Projekts Gusgus bedeutet erstmals seit elf Jahren best\u00e4ndiger Horizonterweiterung einen Stillstand. \u201eLies Are More Flexible\u201c verwaltet das herausragende musikalische Schaffen, ohne ihm Neues hinzuzuf\u00fcgen. Im Vergleich zur bisherigen Entwicklung wirkt dieses Album daher beinahe wie ein Schrumpfen und birgt den Ansatz von Entt\u00e4uschung. Aber bei der Qualit\u00e4t, die man dennoch vorgesetzt bekommt, ist die nicht angebracht. Chillig clubben geht trotzdem, zu Hause genie\u00dfen auch und dabei Auto fahren sowieso.<\/p>\n<p><!--more-->Es hat den Anschein eines Umzugs, was Gusgus hier abbilden: F\u00fcllte die Musik zuvor noch problemlos Kathedralen, reicht jetzt die Bahnhofshalle einer mittelgro\u00dfen Stadt aus. Wo Gusgus zuvor noch himmelhohe R\u00e4ume errichteten, begn\u00fcgen sie sich jetzt damit, die Garage auszubauen. Viele Sounds und Arrangements sind aus dem j\u00fcngeren Oeuvre des Projektes bekannt, nur etwas weniger ausformuliert. Es wirkt oft, als h\u00e4tten sich die Musiker vorgenommen, das Gleiche noch einmal, aber mit lediglich zwei Sounds pro Track zu kreieren.<\/p>\n<p>Schon auf dem Vorg\u00e4nger \u201eMexico\u201c deutete sich die Verknappung der bis dahin epischen Tracks zu funktionierenden Songs an. Hier nun behalten Gusgus die k\u00fcrzeren Trackdauern bei, f\u00fcllen die Zeit aber weder verl\u00e4sslich mit den gewohnt effektiven hypnotischen Dancefl\u00e4chen noch mit catchy Songs (und erreichen nicht einmal 40 Minuten Gesamtspielzeit; ist ja nie ein Qualit\u00e4tsmerkmal, aber!). So recht h\u00e4ngen bleiben m\u00f6gen die St\u00fccke leider nicht. Bedenkt man das eher sp\u00e4rliche Arrangement, sind die kurzen Dauern wiederum zweckdienlich, denn f\u00fcr l\u00e4nger passiert da etwas zu wenig. Auch sind die Beats und Bassl\u00e4ufe von geringerem Einfallsreichtum als zuletzt, also f\u00fcr Gusgus-Verh\u00e4ltnisse viel zu geradlinig, bisweilen zu technoid. F\u00fcr sich genommen ist \u201eLies Are More Flexible\u201c dann dennoch ein gutes Album, schlie\u00dflich wissen Gusgus, was sie tun, und sie k\u00f6nnen es besser als viele andere.<\/p>\n<p>Das Spannende an Gusgus ist n\u00e4mlich seit jeher, dass sie ihre Sounds analog generieren, was man auch deutlich heraush\u00f6rt und was den Unterschied zur ansonsten weitverbreiteten digitalen Tanzmusik macht. Die Gusgus-Musik ist w\u00e4rmer, knackiger, herausfordernder und einnehmender. Kombiniert mit den zumeist im Midtempo gehaltenen Beats, kann man sich nur in die St\u00fccke fallen lassen. Weitgehend funktioniert das auch auf \u201eLies Are More Flexible\u201c, mit den genannten Einschr\u00e4nkungen.<\/p>\n<p>In dieser Inkarnation ist Gusgus nicht nur zusammen und ohne Binnenkapitale geschrieben, sondern nur noch ein Duo. Daniel \u00c1g\u00fast Haraldsson und Birgir \u00de\u00f3rarinsson geh\u00f6ren zwar zu den zw\u00f6lf Bandgr\u00fcndern von 1995, aber \u00c1g\u00fast, der jetzige Haupts\u00e4nger mit der souligen Stimme, war zwischendurch auch mal gar nicht mit an Bord. Hier bekommt er bei einem Track \u00fcbrigens Gesangshilfe von John Grant, daf\u00fcr fehlt jetzt H\u00f6gni Egilsson, der erst 2011 f\u00fcr \u201eArabian Horse\u201c dazukam und noch 2014 bei \u201eMexico\u201c mitmachte.<\/p>\n<p>Sammelt man die Informationen, die das Internet so hergibt, dann liegt der Bandgr\u00fcndung ein Filmdreh zugrunde, f\u00fcr den die zw\u00f6lf Leute \u2013 darunter auch Emil\u00edana Torrini \u2013 damals spontan einen Soundtrack komponieren wollten, was dann 1995 im nur in Island erschienenen Deb\u00fctalbum \u201eGus Gus\u201c gipfelte. Aus dem Film indes wurde nichts. Kurioserweise tauchten einige der St\u00fccke vom Deb\u00fct auch auf dem 1998 international auf 4AD erschienenen Nachfolger \u201ePolydistortion\u201c auf \u2013 und stammen eigentlich sogar von einem Vorl\u00e4uferprojekt namens T-World, dem einige der Bandmitglieder angeh\u00f6rten und dessen Aufnahmen im Jahr 2000 als gemeinsames Ambient-Album von GusGus und T-World herauskamen. Der Bandname Gus Gus \u00fcbrigens geht auf Rainer Werner Fassbinders Film \u201eAngst essen Seele auf\u201c zur\u00fcck, in dem eine Figur Couscous so ausspricht.<\/p>\n<p>Als kleine Seltsamkeit am Rande ver\u00f6ffentlichen die Isl\u00e4nder dieses Album, sofern nicht als Download, dann ausschlie\u00dflich in Polen auf CD und im Gegensatz zu \u201eMexico\u201c gar nicht auf Vinyl. Auf die Liveumsetzung dieses Albums darf man jedenfalls gespannt sein \u2013 vielleicht erreichen die St\u00fccke dann wieder Kathedralenausma\u00dfe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (15.03.2018) Das j\u00fcngste Album des isl\u00e4ndischen Deep-House-Soul-Projekts Gusgus bedeutet erstmals seit elf Jahren best\u00e4ndiger Horizonterweiterung einen Stillstand. \u201eLies Are More Flexible\u201c verwaltet das herausragende musikalische Schaffen, ohne ihm Neues hinzuzuf\u00fcgen. 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