{"id":2452,"date":"2018-03-14T22:16:35","date_gmt":"2018-03-14T21:16:35","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2452"},"modified":"2018-03-14T22:16:35","modified_gmt":"2018-03-14T21:16:35","slug":"arthur-claire-miguel-alexandre-danl-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/arthur-claire-miguel-alexandre-danl-2017\/","title":{"rendered":"Arthur &#038; Claire \u2013 Miguel Alexandre \u2013 D\/A\/NL 2017"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (14.03.2018)<\/p>\n<p>Ein Titel (und ein Soundtrack) wie von Woody Allen, eine Zusammenkunft wie in \u201eLost In Translation\u201c, ein Abgang, der an \u201eLove Story\u201c erinnert, und ein Hauptdarsteller, der sein Hauptbet\u00e4tigungsfeld als Kabarettist hier zugunsten des hervorragenden Gesamtergebnisses zur\u00fcckf\u00e4hrt: Das ist \u201eArthur &amp; Claire\u201c mit Josef Hader. In Amsterdam halten sich zwei Suizidgef\u00e4hrdete davon ab, ihr Vorhaben umzusetzen; Tragik und Komik in dieser Zusammenkunft sind sehr wienerisch, die Handlung fu\u00dft auf Dialogen, die Entwicklung r\u00fchrt an. Nach \u201eWilde Maus\u201c wieder ein gelungener Film mit Hader. Und wie!<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Hader als Arthur reist hier nach Amsterdam, weil er dort einen Arzt kennt, der ihm die Todesspritze setzen darf. Seine letzte Nacht will er im Hotel verbringen, wo er dummerweise von der jungen Claire in seiner Ruhe gest\u00f6rt wird. Er h\u00e4lt sie aus Versehen davon ab, sich umzubringen, woraus sich nach und nach eine zaghafte Freundschaft in der Kifferhauptstadt entwickelt. In ihrer Verschiedenheit erg\u00e4nzen sich der alte grantige \u00d6sterreicher und die direkte und schlagfertige Niederl\u00e4nderin. Dabei drehen sich ihre Dialoge nicht vordergr\u00fcndig um ihre Vorhaben, sondern um eben die Unterschiede, kulturell, sprachlich und in der jeweiligen pers\u00f6nlichen Lebensweise. In Folge dessen erkennen beide Alternativen zu ihrem eigenen bisherigen Leben und bekommen Anst\u00f6\u00dfe daf\u00fcr, den Suizid als L\u00f6sung f\u00fcr ihre Probleme in Frage zu stellen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Beim Erz\u00e4hlen dieser Geschichte geht der Film alles Erforderliche \u00fcberraschend richtig zuwege. Das Tempo stimmt, hier folgt nicht plump Lacher auf Lacher, keine Action, keine Hektik, auch in Konfliktsituationen, und die haben Arthur und Claire so einige. Im selben angemessenen Tempo treffen die Dialoge aufeinander, eben nicht permanent, sondern mit Ruhepausen, aber dann mit Nachdruck und einer Schw\u00e4rze, die nur aus der Grundkonstellation heraus so finster und doch so erleichternd sein kann, schlie\u00dflich ist der Tod hier \u2013 anders als sonst in der Gesellschaft \u2013 nie Tabu. Der Kabarettist Hader macht hier eines richtig: Er nimmt sich selbst zur\u00fcck, er spielt den Arthur nicht als reines Vehikel f\u00fcr seine Pointen, sondern l\u00e4sst ihn mit Claire auf eine Weise interagieren, die beide absolut authentisch erscheinen l\u00e4sst. Die Pointen kommen hier nicht wie nach Drehbuch, sondern wie ein nat\u00fcrlicher Teil der Charaktere. Damit z\u00fcnden sie umso nachhaltiger und erschaffen im Kontrast zu den deprimierenden Anteilen einen viel deutlicheren Blick auf das Lebenswerte am Leben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">So direkt gehen die Figuren hier n\u00e4mlich selten auf das Lebenswerte an sich ein, das ist ein weiterer positiver Aspekt am Drehbuch. Vieles erlebt man wie nebenbei als Betrachter und spiegelt es im eigenen Lebenswillen. Menschen mit Geld haben es in manchen Punkten nat\u00fcrlich einfacher, wenn es etwa um Genuss geht. Wein und Whisky, Essen und Kiffen, Tanzen und teure Autos: Das Leben hat einiges zu bieten, dessen Wert man vor lauter Selbstverst\u00e4ndlichkeit vergessen kann. Letztlich sind es nat\u00fcrlich die nichtmonet\u00e4ren Werte, die sich zwischen den beiden Lebensm\u00fcden einstellen. Das mag kitschig erscheinen, trifft aber die Seele des Films sehr gut und funktioniert als \u00fcberzeugender Gegenentwurf zum Selbstmord. Daf\u00fcr nimmt man das erwartbare retardierende Moment in Kauf; das musste wohl so sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Dar\u00fcber hinaus punktet der Film mit weiteren Aspekten. Er ist wundervoll anzusehen, die Farben in Innenr\u00e4umen sind tief, dunkel, kontrastreich, die Bildausschnitte nicht gew\u00f6hnlich. Das hebt \u201eArthur &amp; Claire\u201c \u00fcber den reinen Kabarettfilm, das geht in Richtung Filmkunst. Die nicht untertitelte Vielsprachigkeit mit all ihren Fassetten bildet ein St\u00fcck Europa ab und tr\u00e4gt als weiteres Merkmal zur Authentizit\u00e4t des Films bei. Hannah Hoekstras niederl\u00e4ndisches Deutsch ist herrlich, auch wenn sie es f\u00fcr einen \u201ebl\u00f6den Rudi-Carrell-Akzent\u201c h\u00e4lt. \u00dcbereinander l\u00e4stern macht nur dann Spa\u00df, wenn man \u00fcber sich selbst lachen kann, und das k\u00f6nnen beide. Man k\u00f6nnte hier jetzt eine Unzahl an Zitaten bringen, aber die kann man sich gar nicht alle merken.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Es bleibt die Erkenntnis, einen der besten Filme der j\u00fcngeren Zeit gesehen zu haben. Dem Tr\u00fcbsal ein Ende, dem Tod den Tod.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (14.03.2018) Ein Titel (und ein Soundtrack) wie von Woody Allen, eine Zusammenkunft wie in \u201eLost In Translation\u201c, ein Abgang, der an \u201eLove Story\u201c erinnert, und ein Hauptdarsteller, der sein Hauptbet\u00e4tigungsfeld als Kabarettist hier zugunsten des hervorragenden Gesamtergebnisses &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/arthur-claire-miguel-alexandre-danl-2017\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":660,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-2452","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2452","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2452"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2452\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2453,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2452\/revisions\/2453"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media\/660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2452"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2452"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2452"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}