{"id":2445,"date":"2018-02-27T22:15:11","date_gmt":"2018-02-27T21:15:11","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2445"},"modified":"2018-02-27T22:15:11","modified_gmt":"2018-02-27T21:15:11","slug":"project-pitchfork-akkretion-trisol-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/project-pitchfork-akkretion-trisol-2018\/","title":{"rendered":"Project Pitchfork \u2013 Akkretion \u2013 Trisol 2018"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2446\" title=\"Project Pitchfork - Akkretion\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Project-Pitchfork-Akkretion.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (27.02.2018)<\/p>\n<p>Album Nummer\u2026 so ca. 18, oder? Ohne Livealben, Minialben und Compilations. Und dann auch noch als Auftakt einer Trilogie. Da hat sich der Peter Spilles aber ordentlich etwas vorgenommen! So richtig Vorfreude auf die n\u00e4chsten beiden Teile macht \u201eAkkretion\u201c indes nicht, setzt aber die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre fort: Bestandsschutz mit der Tendenz zum Schlager. Und das war mal eine Electro-Gothic-Band, die sich von Helden wie Skinny Puppy beeinflussen lie\u00df (damals hie\u00dfen sie noch recht eindeutig Demoniac Puppets) und mit ihrem spr\u00f6den Sound und einer immanenten Dunkelheit Energien zwischen Beklemmung und Aggression transportierte, bei dezidiert mitgelieferten sch\u00f6nen Melodien. Diese Kunst l\u00e4sst Spilles leider fahren und konzentriert sich auf die Leute, die von Graf Unheilig sitzen gelassen werden und neues Futter suchen.<\/p>\n<p><!--more-->Spilles hat in den vergangenen fast 30 Jahren eine Menge Musik auf die Welt losgelassen, nicht nur mit Project Pitchfork. Man kann ihm eine hohe Wiedererkennbarkeit attestieren, einen stringenten Stil also, oder aber Einfallslosigkeit: Denn so richtig unterscheiden kann man die beinahe im Jahrestakt ausgesto\u00dfenen Alben nicht mehr. Zwar gelingt es Spilles, auf jedem Album Songs unterzubringen, die allein geh\u00f6rt Spa\u00df machen, zum Mitwippen anregen oder auch mal elektronisch auf die Fresse geben, aber im Albumkontext gehen sie unter, in der Discographie verschwimmen sie gar zu einem einzigen St\u00fcck.<\/p>\n<p>Auf der musikalischen Ebene schwingt Spilles von Album zu Album mit den Str\u00f6mungen: Mal reaktiviert er die alten Sounds, derentwegen man Anfang der Neunziger auf die Band aufmerksam wurde und die er in schweren, herausfordernden Brocken wie \u201eIO\u201c gipfeln lie\u00df, dann nimmt er wieder s\u00e4mtliche St\u00f6rger\u00e4usche und Samples aus den Liedern heraus und l\u00e4sst das Gef\u00e4llige dominieren, charakterloser sogar noch, als es die Chartsalben waren, die Project Pitchfork tats\u00e4chlich einmal hatten, zum Jahrtausendwechsel und mit gar nicht mal so poppiger Musik, mit Gitarreneinsatz sogar.<\/p>\n<p>Auf \u201eAkkretion\u201c hingegen erklingen neben einigen (atmo-)sph\u00e4rischen St\u00fccken mit latenter \u201eK.N.K.A.\u201c-Reminiszenz Songs, die komplett in Schlagerharmonien komponiert und mit Vier-Viertel-Stampfrhythmen unterlegt sind; diese Richtung ist in Gruftikreisen seit viel zu langer Zeit popul\u00e4r, sogar viel zu popul\u00e4r, sonst m\u00fcsste ein versierter Krachmacher wie Spilles sie ja nicht bedienen wollen, um bei der Szene im Gespr\u00e4ch zu bleiben. Den Vorwurf muss man eigentlich jedem erfolgreichen Gruftmusiker machen: Dass er die Szene \u00fcberhaupt als Zielgruppe hat, sich also an schwarzkommerzielle Vorlieben anpasst, anstatt einfach gute, eigenst\u00e4ndige Musik zu machen. Daf\u00fcr gibt es doch und gottlob gen\u00fcgend Gegenbeispiele, die dunkel sind, aber nicht angepasst. Eher angepisst. Das k\u00f6nnte sich auch ein Herr Spilles zu Herzen nehmen.<\/p>\n<p>Auch auf \u201eAkkretion\u201c gibt es nat\u00fcrlich einzelne Songs, die man sich zum Beispiel im Auto oder vom Smartphone als Teil einer gr\u00f6\u00dferen Menge Musik auf Random dann gern anh\u00f6rt. Aber nicht das ganze Album am St\u00fcck, auch nicht mit der obligatorischen limitierten Bonus-CD, die das Werk nicht erweitert, sondern nur fortsetzt, und die den Fan dazu herausfordert, einmal mehr \u00fcber 50 Euro in Project Pitchfork zu investieren. Immerhin gibt\u2019s daf\u00fcr ein ansehnliches Buch im 10\u201c-Format als Transporteur der Tontr\u00e4ger.<\/p>\n<p>Ach ja, Spilles hat etwas zu sagen, denn diesem Trilogieauftakt liegt ein Konzept zugrunde, was bei Spilles dankenswerterweise \u00fcblich und in Gruftikreisen eher egal ist: Es geht um irgendetwas Sozialkritisches, Evolution und die Entwicklung der Gesellschaft oder so. Geschenkt. Nat\u00fcrlich gut, dass sich einer Gedanken macht, klar, passiert ja nicht so h\u00e4ufig, aber zum Zuh\u00f6ren fehlt die attraktive musikalische Grundlage. Es rauscht am Ohr vorbei. Und es bleibt die Hoffnung, dass sich Spilles doch einmal wieder mehr auf seine schlummernden Tugenden besinnt und die n\u00e4chsten Teile rauher, brutaler, herausfordernder werden. An Sch\u00f6nheit in Melodie und Arrangement muss er es ja nicht fehlen lassen, hat er ja auch schon alles mal geschmackvoll kombiniert. Mehr Mut, weniger Schlager! Mit Unheilig hat Spilles n\u00e4mlich tats\u00e4chlich schon zusammengearbeitet, 2006 \u2013 also noch vor \u201eGeboren um zu leben\u201c \u2013 kam die gemeinsame Single \u201eIch will leben\u201c heraus. Das reicht hin!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (27.02.2018) Album Nummer\u2026 so ca. 18, oder? Ohne Livealben, Minialben und Compilations. Und dann auch noch als Auftakt einer Trilogie. Da hat sich der Peter Spilles aber ordentlich etwas vorgenommen! 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