{"id":2378,"date":"2017-12-15T14:38:03","date_gmt":"2017-12-15T13:38:03","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2378"},"modified":"2017-12-15T14:38:03","modified_gmt":"2017-12-15T13:38:03","slug":"u2-songs-of-experience-island-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/u2-songs-of-experience-island-2017\/","title":{"rendered":"U2 \u2013 Songs Of Experience \u2013 Island 2017"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2379\" title=\"U2 - Songs Of Experience\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/U2-Songs-Of-Experience.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (15.12.2017)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Das Radio ist das offenkundige Ziel, das U2 mit \u201eSongs Of Experience\u201c anstreben, wie schon mit dem Vorg\u00e4nger \u201eSongs Of Innocence\u201c und seinerzeit mit dem inzwischen beinahe vollj\u00e4hrigen \u201eAll That You Can\u2018t Leave Behind\u201c. An sich haben es die Rock\u2018n\u2018Roll-Multimillion\u00e4re nicht n\u00f6tig, sich musikalisch anzubiedern, weil l\u00e4ngst mehr als ausgebbar Sch\u00e4fchen im Trockenen (und moralisch Verwerflichen). Die Nummer Sicher steht ihnen einfach nicht, der Eigensinn fehlt hier nahezu vollkommen. Keine Linie auf dem Horizont.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Wer dieser Tage versehentlich mit einem beliebigen Formatradioprogramm in Ber\u00fchrung kommt, h\u00f6rt sinnlose Textwiederholungen, textlose Mitsingch\u00f6re, simple Melodien, glatte Produktionen, gesichtslosen Pop. Dort reihen sich U2 ein, mit einem Mammutwerk, das in der Deluxe-Edition 17 Tracks beinhaltet. Und nahezu keinen davon mag man gern im Ohr behalten. Da hatte sogar das Schwesteralbum \u201eSongs Of Innocence\u201c mehr zu bieten, wenngleich auf beiden Alben Unschuld und Erfahrung durch Abwesenheit gl\u00e4nzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Die Unschuld wie auf den ersten Alben \u201eBoy\u201c, \u201eOctober\u201c und \u201eWar\u201c legten U2 bereits 1984 mit \u201eThe Unforgettable Fire\u201c ab, als sie \u00fcberraschend Elektronik zulie\u00dfen, Erfahrung machten sie mit den experimentellen Neunziger-Jahre-Alben \u201eAchtung Baby\u201c, \u201eZooropa\u201c und \u201ePop\u201c. Die ersten drei waren rauh, rockig, von Adoleszenz gepr\u00e4gt, von Entdeckerlust getrieben. Die Gitarren orientierten sich am Punk, Post Punk, sogar am Wave, schlie\u00dflich geh\u00f6rten zu den fr\u00fchen Einfl\u00fcssen Bands wie The Skids und die Virgin Prunes, bei denen mit Richard Evans der Bruder von David Evans mitspielte, bei U2 besser bekannt als The Edge. Viele der fr\u00fchen U2-St\u00fccke orientierten sich nicht am herk\u00f6mmlichen Songformat, sondern brachen mit Erfahrungen und erschufen damit eine Spannung, die aus diesen Alben bis heute dringt. Nach den Megaerfolgen mit \u201eThe Joshua Tree\u201c und \u201eRattle And Hum\u201c Ende der Achtziger versuchten U2 alles, um sich musikalisch nicht mehr genau daran messen zu lassen: Die Neunziger waren \u00fcberdreht, bunt, \u00fcberkandidelt, monumental, streckenweise synthetisch und doch immer typisch U2, da bei\u00dft die Maus keinen Faden ab, und wenn die Iren damit noch so viele alte Fans vergraulten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Dann kam der Jahrtausendwechsel und mit ihm \u201eAll That You Can\u2018t Leave Behind\u201c. Auf diesem Album folgten U2 damals angesagten Sounds aus England, rund um Britpop und Travis und solchen Weinerlichkeiten. Die Emotionalit\u00e4t dieses Albums klang jedoch konstruiert und damit pathetisch. Nur wenige Songs waren eigenst\u00e4ndig. Das \u00e4nderte sich auf \u201eHow To Dismantle An Atomic Bomb\u201c, das wie eine Best-Of von U2 mit neuen St\u00fccken wirkte, und ganz besonders mit \u201eNo Line On The Horizon\u201c, auf dem die Band ungew\u00f6hnliche Songstrukturen ausprobierte und ihrem eigenen Oeuvre zwischen manchem Vertrautem sehr viel Neues hinzuf\u00fcgte. Doch schon kurz darauf distanzierten sich U2 genau davon und wurden schlimm.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Von 1991 bis 2009 ging jedem Album eine Signatursingle voraus, die etwas Besonderes, Eigenes, Abwegiges, Neues bot und sich live gro\u00dfer Beliebtheit erfreute: \u201eThe Fly\u201c, \u201eNumb\u201c, \u201eDiscoth\u00e8que\u201c, \u201eBeautiful Day\u201c, \u201eVertigo\u201c und \u201eGet On Your Boots\u201c. \u201eThe Miracle Of Joey Ramone\u201c vom \u201eInnocence\u201c-Album kann man eigentlich auch in diese Reihe f\u00fcgen, doch klingt dieser Song im Kontext des Albums wie ein Anbiedern. U2 haben mit den Ramones nichts mehr zu tun, und seien die auch noch so ein gro\u00dfer Einfluss gewesen (nicht zuletzt belegt mit \u201eBeat On The Brat\u201c, das U2 2003 f\u00fcr ein Ramones-Tribute aufnahmen). Auf \u201eInnocence\u201c biederten sich U2 zum zweiten Mal dem Radiopop an, unter anderem damit, dass Bono seine Songs kn\u00f6delte wie die damals angesagten R\u2018n\u2018B-S\u00e4ngerinnen, und mal ganz abgesehen von den beliebigen Melodien. Immerhin, einige ansprechende Songs waren trotzdem enthalten, unter anderem der Dancefloorfiller \u201eThe Crystal Ballroom\u201c (f\u00fcr Sammler gab\u2018s die Extended Edition davon nicht etwa auf der Deluxe-Doppel-CD, sondern nur auf der Doppel-LP, man musste also beides haben).<\/p>\n<p>\u201eSongs Of Experience\u201c nun spart die spannenden Kompositionen und Arrangements einfach mal aus. Die ansonsten so markante Gitarre tritt in den Hintergrund, bleibt entzerrt, st\u00f6rt die Hausfrau nicht beim B\u00fcgeln (Zitat Kr\u00fcger). Wenigstens singt Bono wieder anh\u00f6rlich. Bass und Schlagzeug d\u00fcrfen nicht auffallen, au\u00dfer, sie kopieren Vertrautes, das schon einmal irgendwo bei U2 f\u00fcr Geldfluss gesorgt hat. Die Songs bleiben so sehr auf Nummer Sicher, dass sie nicht haften bleiben. Aalglatt, uninspiriert. Irgendwo im Stillen macht man dann Ausnahmen aus, und sei es nur, weil man nach all den Jahren nicht komplett entt\u00e4uscht sein will. \u201eRed Flag Day\u201c etwa ist nett. \u201eAmerican Soul\u201c hingegen tut nur so, als sei es eine Ausnahme, weil es ja rockt und weil das Intro zugegebenerma\u00dfen gelungen ist, aber es bedient doch nur Rockklischees. U2 suchen die gro\u00dfe Geste, die sie weit besser bedienten, als sie noch sie selbst waren und kein Produkt, und selbst als Kunstprodukt waren sie noch authentischer als jetzt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Die Deluxe-Version des Albums hat vier Lieder mehr, davon nur ein exklusives Neues, der Rest sind Remixe von Albumtracks und einmal von \u201eOrdinary Love\u201c. Jenen Song ver\u00f6ffentlichten U2 2013 im Rahmen des Record Store Day als 10\u201c. Wie sie seit 2010 und \u201eWide Awake In Europe\u201c regelm\u00e4\u00dfig lieber die Wiederverk\u00e4ufer mit Rarit\u00e4ten befeuern, als echte Singles zu ver\u00f6ffentlichen; weitere schier unerschwingliche Exponate im Zuge von RSD oder Black Friday waren \u201eRed Hill Mining Town (2017 Mix)\u201c und die Auskopplung \u201eThe Blackout\u201c, einer der wenigen attraktiven Songs auf \u201eExperience\u201c, \u00fcbrigens; auch hier dominiert der Discobeat. Nur ist die Verknappung unn\u00f6tig, hohe Preise sind immanent, und es hat niemand Aufrichtiges etwas davon.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Die Geldmaschine U2 hat doch erst k\u00fcrzlich mit dem 30. Geburtstag ihres ersten Hitalbums \u201eThe Joshua Tree\u201c und der dazugeh\u00f6rigen Wiederver\u00f6ffentlichungsbox und -tour losgedruckt. \u201eSongs Of Experience\u201c kauft man, besonders so kurz vor dem Fest, eher aus Reflex als aus Geschmacksgr\u00fcnden. Schade, dass es so weit kommen musste.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (15.12.2017) Das Radio ist das offenkundige Ziel, das U2 mit \u201eSongs Of Experience\u201c anstreben, wie schon mit dem Vorg\u00e4nger \u201eSongs Of Innocence\u201c und seinerzeit mit dem inzwischen beinahe vollj\u00e4hrigen \u201eAll That You Can\u2018t Leave Behind\u201c. 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