{"id":2358,"date":"2017-11-06T12:15:17","date_gmt":"2017-11-06T11:15:17","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2358"},"modified":"2017-11-06T12:15:17","modified_gmt":"2017-11-06T11:15:17","slug":"the-square-ruben-ostlund-sddkf-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-square-ruben-ostlund-sddkf-2017\/","title":{"rendered":"The Square \u2013 Ruben \u00d6stlund \u2013 S\/D\/DK\/F 2017"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (06.11.2017)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Dieser Film wirkt in der Nachbetrachtung eindrucksvoller als in der Betrachtung. Fast zweieinhalb Stunden kaum Handlung, einige filmische \u00c4sthetik und grandiose Spitzen gegen die westliche Gesellschaft fordern das Sitzfleisch heraus, belohnen aber mit Erkenntnissen, die man als kritischer Beobachter gern abnickt und die man in dem doch weitaus komplexeren Drehbuch ausmacht, das man erst r\u00fcckblickend w\u00fcrdig erfasst. Anhand des zeitgen\u00f6ssischen Kunstbetriebs entbl\u00f6\u00dft der Schwede Ruben \u00d6stlund hier das egozentrierte Individualverhalten des urspr\u00fcnglich einmal sozialen Wesens Mensch. An vielen Stellen h\u00e4tte man sich indes Straffungen gew\u00fcnscht, der Wucht der Inhalte zum Vorteil.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Hauptfigur Christian ist Kurator eines modernen Kunstmuseums in Stockholm. Sein Verhalten ist \u00fcberraschend ambivalent: Einerseits wundert er sich in einer beinahe kindhaft-beil\u00e4ufigen Art durchs Leben und man\u00f6vriert sich in ungute Situationen hinein, andererseits arbeitet er sich aus denen dann verbal dergestalt rhetorisch geschickt heraus, dass man nur respektvoll staunen kann. Der Film begleitet ihn auf zwei Ebenen, privat und dienstlich, und etwas r\u00e4tselhaft ist, dass es zwischen diesen Ebenen kaum Verkn\u00fcpfungen gibt. Privat wird ihm sein Telefon gestohlen, das er trackt und als Folge einer Wurfpostaktion in einem Sozialbrennpunktwohnblock zur\u00fcckerh\u00e4lt, damit aber auch andere Reaktionen ausl\u00f6st. Er l\u00e4sst sich sexuell auf eine Journalistin ein, die mit einem Schimpansen zusammenwohnt. Seine zwei T\u00f6chter kommen gelegentlich zu Besuch. Beruflich hat er die Ausstellung zum titelgebenden Kunstwerk \u201eThe Square\u201c zu promoten und l\u00e4sst zwei Web-4.0-Nerds freie Hand, die einen Youtube-Skandal mit einem explodierenden Kind ausl\u00f6sen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Viel Zeit vergeht in diesem Film damit, dass \u00d6stlund einfach nur zeigt. In typisch skandinavischer Tradition besteht der Gro\u00dfteil der Szenen aus unbewegten Kamerabildern, die nicht einmal immer das Geschehen einfangen, das man dann nur aus dem Off h\u00f6rt. Auf diese Sehweise muss man sich einlassen und hat dann Freude daran. Vieles, was \u00d6stlund nun zeigt, ist aber so redundant und hohl wie die geldschwere Gesellschaft, die er portr\u00e4tiert. Das macht den Film zwar in sich schl\u00fcssig, aber auch sehr z\u00e4h. Trotz der vermeintlichen Absurdit\u00e4ten, die \u00d6stlund einbaut, etwa das Baby im Konferenzraum; das wirkt zu aufgesetzt, um irrwitzig zu sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Daf\u00fcr sind die Dialoge und kolportierten Inhalte in voller Wucht treffend. Der vermeintliche T\u00f6lpel Christian dreht so manchen verbalen Angriff auf seine Person zum Nachteil des Attackierenden um. Insbesondere die im Kunstbetrieb vorgebrachten Vorgehensweisen sind, das wissen Involvierte, absolut zutreffend, da ist nichts \u00fcbertrieben, inklusive der immanenten Widerspr\u00fcchlichkeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Erz\u00e4hlerisch ist \u00d6stlund gut im Weglassen, er schl\u00fcsselt manche dramatischen Sequenzen nicht auf und spielt mit den Erwartungen der Zuschauer. Zudem \u2013 und das macht \u201eThe Square\u201c besonders \u2013 stellt man im Nachhinein fest, wie oft der Film sich selbst best\u00e4tigt. Das quadratische Kunstwerk ist als Raum des Miteinanders und der Hilfsbereitschaft konzipiert, und genau dagegen versto\u00dfen s\u00e4mtliche Personen permanent, sogar der Youtube-Film. Voll zutreffend indes verh\u00e4lt sich der Cheerleading-Trainer von Christians Tochter mit seinen Anti-Ego-Statements; zudem tritt die Gruppe ebenfalls in einem Quadrat auf. Die heftigste Szene zum Thema Hilfsbereitschaft und Zivilcourage ist die vielfach zitierte mit dem Performancek\u00fcnstler, der im Rahmen eines Banketts als Gorilla auftritt und seine Show allm\u00e4hlich ins Debakel driften l\u00e4sst: Beistand kommt erst, als keine Gefahr mehr droht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">So richtig Spa\u00df hat man an dem Film aber trotzdem nicht. Das liegt nicht nur an den L\u00e4ngen, sondern auch daran, dass man sich mit dem omnipr\u00e4senten Christian einfach nicht identifizieren kann. Der Typ ist einem von Anfang an egal. Und die gesellschaftskritische Haltung hat man mit etwas Verstand sowieso, da sieht man sich eher best\u00e4tigt als \u00fcberzeugt. Die zu \u00dcberzeugenden sehen sich einen solchen Film ohnehin niemals an. Sch\u00f6ner Randeffekt bei aller Kritik am Synchron: Hauptdarsteller Claes Bang spricht sich selbst auf Deutsch.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (06.11.2017) Dieser Film wirkt in der Nachbetrachtung eindrucksvoller als in der Betrachtung. 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