{"id":2355,"date":"2017-11-06T12:14:26","date_gmt":"2017-11-06T11:14:26","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2355"},"modified":"2017-11-10T11:41:09","modified_gmt":"2017-11-10T10:41:09","slug":"stranger-things-2-the-duffer-brothers-netflix-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/stranger-things-2-the-duffer-brothers-netflix-2017\/","title":{"rendered":"Stranger Things 2 \u2013 The Duffer Brothers \u2013 Netflix 2017"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2356\" title=\"Stranger Things 2\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Stranger-Things-2.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"148\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (06.11.2017)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die ersten zwei Drittel der zweiten Staffel von \u201eStranger Things\u201c kn\u00fcpfen mitrei\u00dfend an das \u00dcberraschungsdeb\u00fct der Duffer Brothers an, dann steigt ihnen pl\u00f6tzlich das Konzept zu Kopfe. Der Schluss zieht die Freude an der liebevollen Achtziger-Geschichte mit den \u00fcberzeugenden Charakteren ins Beliebige, in den Zitatetrash, dem die Geschichte zu folgen hat, anstatt umgekehrt. Unter diesem Umst\u00e4nden h\u00e4lt sich die Vorfreude auf die dritte Staffel leider in Grenzen.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Stranger Things\u201c hat alles, was den erwachsenen Nerd an die Mattscheibe klebt: Figuren vom Kind bis zum Erwachsenen, die ausformulierte Charaktere haben und schl\u00fcssig agieren, eine minderj\u00e4hrige Schicksalsgemeinschaft aus Nerds, die sich mit dem Verschwinden ihres Gruppenmitglieds auseinanderzusetzen haben, sowie eine Bedrohung aus Verschw\u00f6rung und \u00dcbersinnlichkeit, die Horror und Suspense ausl\u00f6sen. Dazu in Aussehen und Klang den Stil der Zeit mit allerlei Anspielungen auf Popkulturprodukte jener Dekade, die man nicht kennen muss, um die Geschichte zu lieben, und die als Quelle f\u00fcr eine eigene Geschichte dienen und nicht als platter Diebstahl daherkommen. F\u00fcr die liebevoll ausformulierte Geschichte nimmt man auch gern den filmischen Dilettantismus in Kauf, denn lieber eine schl\u00fcssige Handlung als eine glatte Oberfl\u00e4che.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">In Staffel zwei ziehen die Duffer Brothers zun\u00e4chst alle Register: Die Story kn\u00fcpft nachvollziehbar an den offenen Fragen der ersten Staffel an, die Bilder k\u00f6nnte man sich auch im Kino vorstellen, das Erz\u00e4hltempo ist ausgewogen mitrei\u00dfend, neue Figuren erweitern das Spektrum, der Horror wird zusehends blutiger, die Spannung steigt unermesslich. Und dann \u2013 \u00fcberdrehen es die Duffer Brothers. Sie geben der Minderj\u00e4hrigen Elfie Charakterz\u00fcge und Handlungsexkurse, die nahezu komplett \u00fcberfl\u00fcssig und unschl\u00fcssig sind. Ihre Wandlung macht sie vom unschuldigen Kind zum mordl\u00fcsternen Vamp. Zwar ist ihre Geschichte mit den Vorkommnissen verkn\u00fcpft, doch reduziert sich ihre Zust\u00e4ndigkeit in Staffel 2 ansonsten auf eine reine Torschlussfunktion, weshalb sie sich vermutlich unn\u00fctzerweise in einer Gro\u00dfstadt einigen kriminellen rachs\u00fcchtigen Hollywoodpunks anschlie\u00dfen muss. In den verbleibenden zwei Episoden fallen die positiven \u00dcberraschungen zugunsten von Gef\u00e4lligkeiten f\u00fcr die Zuschauer beinahe vollst\u00e4ndig weg. Dabei ist der Verbleib der Nebenfigur Bob doch so grandios, Potential also vorhanden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Mit dem entt\u00e4uschenden Ende vor Augen fallen einem noch mehr Kritikpunkte auch in den ersten sechs Episoden auf. Das Schlimmste sind die Teenageranteile. Man will als Erwachsener einfach nicht gef\u00fchlt stundenlang miterleben, wie sich Minderj\u00e4hrige auf einem Schulball verlieben, wie sich Nancy und Jonathan nach anf\u00e4nglichem Str\u00e4uben doch noch in ein Bett legen, wie Steve Dusty Tipps f\u00fcrs M\u00e4dchenaufrei\u00dfen und die Haarpflege gibt. Die komplexe Beziehung von Joyce und Hopper w\u00e4re weitaus interessanter gewesen, aber offenbar reicht die eigene Adoleszenz der Drehbuchautoren nicht so weit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">\u00dcberhaupt spielen Erwachsene abseits davon keine wesentliche Rolle. Die \u00fcbersinnliche Bedrohung, die die Kleinstadt Hawkins bef\u00e4llt, betrifft nur Kinder, keine Eltern (au\u00dfer Joyce) oder gar andere Bewohner. Das haben die Duffers bei Stephen King gelernt und das hat man auch gern in Anspielung an \u201eStand By Me\u201c oder \u201eEs\u201c mitgenommen. Das Problem dabei ist nur, dass man schon mit 13 nicht mehr empfand wie als Elfj\u00e4hriger und sich also als Erwachsener gar nicht mehr mit den Kinderproblemen auseinandersetzen mag, sofern es zumindest \u00fcber Nerdgeschmack hinausgeht. Rollenspiele und Kinofilme kann man nachvollziehen, aber Ressentiments oder Schw\u00e4rmereien gegen\u00fcber kleine M\u00e4dchen nicht mehr. W\u00e4hrend Hopper souver\u00e4n erwachsen damit zurechtkommt, dass Joyce mit Bob einen neuen Freund hat, wirbelt die neue minderj\u00e4hrige Einwohnerin Max die Gruppe der Kinder-Nerds durcheinander und bringt sogar Elfie auf die Palme. Das ist albern und klischeehaft und nimmt der Serie eine wichtige St\u00e4rke, n\u00e4mlich die Verbundenheit zwischen den Ausgesto\u00dfenen, die hier zwar immer noch am selben Problem arbeiten, aber nicht mehr miteinander.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Nicht nur auf Seiten der Bev\u00f6lkerung, auch bei den Verschw\u00f6rern haben die Erwachsenen wenig Spielraum. Die Duffers lassen sie sogar verbluten bis schlichtweg wegfallen. Blenden sie zun\u00e4chst noch bei allen m\u00f6glichen Vorkommnissen eine anonyme Gruppe Beobachter ein, die vermeintlich die F\u00e4den in der Hand haben, sind diese Hintermenschen zuletzt schlichtweg inexistent und damit unlogische Abwesende, die die aus dem Ruder gelaufenen Experimente mit der Anderwelt h\u00e4tten eind\u00e4mmen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">King ist nicht die einzige Zitatequelle in \u201eStranger Things\u201c. Die Duffers bedienen sich sichtbar bei den \u201eGoonies\u201c und anderen Teeniefilmen der Achtziger, was als rein optisches Zitat in Ordnung ist. In Staffel 2 binden sie damalige Trends wie die \u201eGhostbusters\u201c oder \u201eTerminator\u201c geschickt in die Handlung ein, indem die Kinder als erstere verkleidet zu Halloween unterwegs sind und zu zweiterem Filmplakate herumh\u00e4ngen. Langweilig wird es aber gegen Ende, wenn die Geschichte pl\u00f6tzlich als Mix aus \u201eExorzist\u201c und \u201eAlien\u201c abgeschlossen wird. Da steht das Zitat \u00fcber der Handlung, damit fehlt dem Drehbuch das Eigene, f\u00fcr das man die Serie so geliebt hat. Da sind einem die Kartoffelchips auf einmal wichtiger als die Action.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">L\u00e4ngst ist die Rede von Staffel 3. Auf die hat man mit einer solchen Elfie aber wenig Lust. Es steht zu bef\u00fcrchten, dass die Duffers jetzt anders als zuletzt unter Erwartungsdruck stehen und versuchen, die Zuschauer zu bedienen, anstatt ihr Ding zu machen. Wenn aber solche Sequenzen wie die mit Elfie schon deren Ding sein sollten, sind die Aussichten nicht besser.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">\u00dcbrigens gibt es f\u00fcr Smartphones ein liebevolles Spiel zu \u201eStranger Things\u201c. F\u00fcr ein Gratisspiel ohne Werbung ist das ein Bombending, an dem man ohne L\u00f6sungen locker zehn Stunden Spa\u00df haben kann. Der Gag mit den Ghostbusters am Telefon kommt auf Deutsch indes gar nicht her\u00fcber \u2013 viel Spa\u00df beim Entdecken!<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (06.11.2017) Die ersten zwei Drittel der zweiten Staffel von \u201eStranger Things\u201c kn\u00fcpfen mitrei\u00dfend an das \u00dcberraschungsdeb\u00fct der Duffer Brothers an, dann steigt ihnen pl\u00f6tzlich das Konzept zu Kopfe. 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