{"id":2328,"date":"2017-10-05T22:11:09","date_gmt":"2017-10-05T20:11:09","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2328"},"modified":"2017-10-06T09:44:16","modified_gmt":"2017-10-06T07:44:16","slug":"lcd-soundsystem-american-dream-dfasony-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/lcd-soundsystem-american-dream-dfasony-2017\/","title":{"rendered":"LCD Soundsystem \u2013 American Dream \u2013 DFA\/Sony 2017"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2329\" title=\"LCD Soundsystem - American Dream\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/LCD-Soundsystem-American-Dream.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (05.10.2017)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Das war ein Abschied mit eingebauter Auferstehung, wenn man mal ehrlich ist: Die Wiederkunft von LCD Soundsystem war absehbar. Und selten sehnte man ein Comeback \u00fcberhaupt herbei, schon gar nicht so innig wie das von James Murphy und Konsorten. \u201eAmerican Dream\u201c hat alles, was man an LCD Soundsystem liebt, und sogar noch viel viel mehr. Hier hat der Pop die Dunkelheit der wavigen Achtziger, die Disco die Virilit\u00e4t der funkigen Siebziger, die Komposition die Tiefe und Komplexit\u00e4t der intellektuellen Kunst und der Sound die Atmosph\u00e4re der tiefgr\u00fcndigen Seele. Unter allem liegt ein fordernder Groove. Hier tanzt man sich schlau.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Schon in der zweiten Single \u201eLosing My Edge\u201c legte Murphy 2002 seine Einfl\u00fcsse f\u00fcr jedermann offen: Er z\u00e4hlt unverhohlen auf, wen er verehrt, und nimmt damit jenen den Wind aus den Segeln, die diese Vorbilder in der Musik heraush\u00f6ren und ihn als schlichten Kopisten schimpfen wollen. Der Schuss geht nach hinten los. Wie nur sehr wenigen Musikern nach dem Jahr 2000 gelingt es Murphy, aus diesen heraush\u00f6rbaren Einfl\u00fcssen etwas zu kreieren, das noch viel eindeutiger LCD Soundsystem als dessen Vorbilder ist. Die Eigenst\u00e4ndigkeit verdankt Murphy vermutlich seinem Alter: Geboren 1970, begann er seine musikalischen Aktivit\u00e4ten mit LCD Soundsystem erst im hohen Alter von 32 Jahren (nicht seine musikalische Aktivit\u00e4t \u00fcberhaupt, die begann er circa 1988). Das distanzlose Ungest\u00fcm hatte er da l\u00e4ngst hinter sich gelassen, gelassen n\u00e4herte er sich selbst in kreativem Ausdruck. Er hat niemandem etwas zu beweisen. Die richtig gute Musik, sagte einst ein anderer Musiker, wird heutzutage von M\u00e4nnern \u00fcber 40 gemacht. \u201eAmerican Dream\u201c (selbstverst\u00e4ndlich ein vielfach mit Assoziationen belegter Titel) best\u00e4tigt diese Einsch\u00e4tzung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Wie schon auf den ersten drei (oder sieben) Alben geht Murphy seine Songs reduziert an und t\u00fcrmt sie im Laufe der Spielzeit zu epischen Monumenten auf. Hier sitzt jeder Sound, dezent getupft das Keyboard, dezent gezupft die Gitarre, dezent gelupft der Bass, und alsbald lassen die Musiker ihre Expertisen galoppieren. Man ger\u00e4t in einen Sog, kann nicht stillsitzen, beginnt, mit den Armen zu rudern und stampft schon bald rhythmisch durch den Raum. Man verliert sich in einer Musik, die gleichzeitig hypnotisch und unterschwellig aggressiv ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Alle Beteiligten hatten Lust auf \u201eAmerican Dream\u201c, das h\u00f6rt man. Und sie machen zumindest fast nichts falsch. Einfl\u00fcsse reichen von den Talking Heads \u00fcber Wave, Synthiepop und Electro bis zum Afrobeat, und doch hat man es nat\u00fcrlich jederzeit mit LCD Soundsystem zu tun. Keine Effektheischerei, die hedonistische Party bliebt im Keller, Daft Punk spielen schlie\u00dflich im House, und doch hat die dunkle Melancholie, die dem Album eine gehaltvolle Basis gibt, nichts Depressives. Das ist Musik von Erwachsenen f\u00fcr Erwachsene, die unter dem Begriff etwas anderes verstehen als die, die meinen, erwachsen zu sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Lediglich den Rauswerfer h\u00e4tte man sich sparen k\u00f6nnen, die zw\u00f6lf pl\u00e4tschernden Minuten \u201eBlack Screen\u201c zerst\u00f6ren trotz des verhei\u00dfungsvollen Anfangs etwas den energetischen Schub, den die neun Tracks davor verabreichten. Und letztlich erscheint einem der Abstand zwischen den j\u00fcngsten beiden LCD-Ver\u00f6ffentlichungen nicht, als w\u00e4re \u201eAmercian Dream\u201c ein Comeback: Erst vor drei Jahren erschien mit \u201eThe Long Goodbye\u201c das Abschiedskonzert aus dem Film \u201eShut Up And Play The Hits\u201c von 2012 als F\u00fcnfach-LP. Schade nur, dass die Vorabsingle \u201eChristmas Will Break You Heart\u201c auf \u201eAmerican Dream\u201c nicht enthalten ist: Die 7\u201c ist inzwischen unbezahlbar.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (05.10.2017) Das war ein Abschied mit eingebauter Auferstehung, wenn man mal ehrlich ist: Die Wiederkunft von LCD Soundsystem war absehbar. 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