{"id":2287,"date":"2017-08-28T15:52:12","date_gmt":"2017-08-28T13:52:12","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2287"},"modified":"2017-08-28T22:53:31","modified_gmt":"2017-08-28T20:53:31","slug":"nektar-live-in-bremen-sireena-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/nektar-live-in-bremen-sireena-2017\/","title":{"rendered":"Nektar \u2013 Live In Bremen \u2013 Sireena 2017"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2289\" title=\"Nektar - Live In Bremen\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Nektar-Live-In-Bremen1.jpg\" alt=\"\" width=\"112\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (28.08.2017)<\/p>\n<p>Ist Siebziger-Jahre-Progrock aus Deutschland eigentlich automatisch Krautrock? Auch, wenn er von Engl\u00e4ndern gespielt wird? Die Band Nektar starteten diverse Briten 1969 in Deutschland, mit allem, was dazugeh\u00f6rt: Weltraum- und Fantasy-Themen, ausuferndes Gegniedel, Soli mit allen verf\u00fcgbaren Instrumenten inklusive Orgel, Trackl\u00e4ngen um die 20 Minuten. Nach einer zwanzigj\u00e4hrigen Pause bis zum Jahr 2000 waren sie seitdem bis 2016 aktiv, zumindest noch mit zwei Gr\u00fcndungsmitgliedern. \u201eLive In Bremen\u201c beinhaltet einen Auftritt aus dem Jahr 2015, der alle Qualit\u00e4ten und Epochen der Band abbildet, blo\u00df etwas d\u00fcnner. W\u00fcsste man nicht, dass das Material authentisch ist, w\u00e4re das Album langweilig. So ist es ein Dokument.<\/p>\n<p><!--more-->Gef\u00fchlt gibt es von Nektar mehr Live- als Studioalben, daher erzeugt die Ank\u00fcndigung von \u201eLive In Bremen\u201c zun\u00e4chst ein Schulterzucken \u2013 insbesondere, wenn man die Information im Hinterkopf hat, dass es bei Nektar seit jeher sehr stark auch um die Lichtshow geht, die eine CD naturgem\u00e4\u00df nicht \u00fcbermitteln kann. Doch dann f\u00e4llt auf, dass auf diesem Doppelalbum letztmalig S\u00e4nger und Gitarrist Roye Albrighton zu h\u00f6ren ist, Mitgr\u00fcnder von Nektar und 2016 verstorben. Von den Gr\u00fcndern ist jetzt folglich nur noch Schlagzeuger Ron Howden an Bord, Keyboarder Klaus Henatsch (unter anderem von Jane) und Bassist Tom Fry sind noch keine zehn Jahre dabei \u2013 sofern es Nektar ohne den S\u00e4nger \u00fcberhaupt noch gibt, da ist wohl noch keine Entscheidung gef\u00e4llt. Wenngleich die Band von 1976 bis 1978 schon einmal ohne Albrighton auskam (auf \u201eMagic Is A Child\u201c sang Dave Nelson, die Songs findet man deshalb auch auf keinem Live-Album).<\/p>\n<p>Aber 2015 im Meisenfrei Blues Club zu Bremen war noch alles gut und die Lust am eigenen Repertoire aus allen Epochen ungebremst. Und das h\u00f6rt man. Das Verstiegene zelebriert das Quartett ausufernd auf den \u2013 man muss sie im Bandkontext so nennen \u2013 Hits aus den Siebzigern, allem voran auf \u201eA Tab In The Ocean\u201c vom zweiten Album und auf \u201eThe Dream Nebula\u201c vom Deb\u00fct, beides aus dem Jahr 1972. Da wechseln die psychedelischen Stimmungen, Harmonien und Rhythmen, was das Zeug h\u00e4lt, und das h\u00e4lt eine Menge. So stellten sich Fans von Yes, King Crimson und Pink Floyd damals den Progrock vor, und so bedienten auch Nektar die Bed\u00fcrfnisse, nicht nur als Kopisten, sondern origin\u00e4r.<\/p>\n<p>Das Kopistische kam dann nach der Reunion. Den wenigsten Progrockbands gelang der Schritt in die Achtziger, geschweige denn in die Zeit danach. Entweder verzettelten sie sich in Synthiegedudel oder versuchten sich an kompakten Radiorocksongs. Ganz schlimme Vertreter mixten beide Entwicklungen, ganz schlaue versuchten, den alten Geist beizubehalten, und verloren sich doch in Beliebigkeit. Die Seele altert und l\u00e4sst sich nicht mehr so unbeschwert rekonstruieren. Ein bisschen ist es auch mit Nektar so, die neueren Songs rocken zwar recht knackig bis groovig, aber man h\u00f6rt doch deutlich heraus, dass nicht nur das Publikum mit den alten Sachen am meisten anfangen kann. Immerhin lockern die j\u00fcngeren Songs die Setlist etwas auf, teilweise in alte Songs verquickt, nicht einfach nur nacheinander. Spannender Selbstremix, die Songs leben, die Band bem\u00fcht sich nicht um reine Musealisierung.<\/p>\n<p>Man muss zudem feststellen, dass eine im Jahr 2015 gespielte Musik dieser Art reichlich veraltet wirkt. W\u00fcsste man nicht, dass insbesondere die dudeligen Passagen authentisch sind, legte man die Doppel-CD gelangweilt beiseite: So etwas hat man in den vergangenen 50 Jahren einfach schon zu oft geh\u00f6rt. Das Wiedererkennen bleibt zudem lediglich den Afficionados vorbehalten, weil Nektar anders als manch andere Progvertreter keine allgemeing\u00fcltigen Hits hervorbrachten. Nicht zuletzt ist der Sound etwas d\u00fcnn, aber das nimmt der Fan zugunsten des Dokumentarischen gern hin.<\/p>\n<p>\u201eLive In Bremen\u201c erscheint als vierte Nummer im Rahmen der Sireena-Reihe \u201eOn Stage\u201c. Die anderen drei sind: Corky Laing\u2019s Mountain mit \u201eLive In Melle\u201c, Nine Below Zero mit (man mag\u2019s kaum glauben) \u201eLive In Gifhorn\u201c sowie Kofi Baker\u2019s Cream Experience ebenfalls mit \u201eLive In Bremen\u201c.<\/p>\n<p>01 A Tab In The Ocean (von \u201eA Tab In The Ocean\u201d, 1972)<br \/>\n02 Band Introduction<br \/>\n03 Doctor Kool (von \u201eBook Of Days\u201c, 2008)<br \/>\n04 King Of The Deep (von \u201eBook Of Days\u201c, 2008)<br \/>\n05 Recycled (Excerpt) (von \u201eRecycled\u201c, 1975)<br \/>\n01 The Dream Nebula (Part 1+2) (von \u201eJourney To The Center Of The Eye\u201c, 1972)<br \/>\n02 Desolation Valley (von \u201eA Tab In The Ocean\u201d, 1972)<br \/>\n03 Waves (von \u201eA Tab In The Ocean\u201d, 1972)<br \/>\n04 Time Machine (von \u201eTime Machine\u201c, 2013)<br \/>\n05 Now (von \u201eThe Prodigal Son\u201c, 2001)<br \/>\n06 Cast Your Fate (von \u201e\u2026Sounds Like This\u201c, 1973)<br \/>\n07 The Debate (von \u201eEvolution\u201c, 2004)<br \/>\n08 Man On The Moon (eigentlich \u201eMan In The Moon\u201c vom gleichnamigen Album, 1980)<br \/>\n09 Good Day (von \u201e\u2026Sounds Like This\u201c, 1973)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (28.08.2017) Ist Siebziger-Jahre-Progrock aus Deutschland eigentlich automatisch Krautrock? 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