{"id":2270,"date":"2017-08-01T22:24:01","date_gmt":"2017-08-01T20:24:01","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2270"},"modified":"2017-08-01T22:24:40","modified_gmt":"2017-08-01T20:24:40","slug":"baby-driver-edgar-wright-gbusa-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/baby-driver-edgar-wright-gbusa-2017\/","title":{"rendered":"Baby Driver \u2013 Edgar Wright \u2013 GB\/USA 2017"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (01.08.2017)<\/p>\n<p>Edgar Wright scheitert am Genre. Er ist immer dann am besten, wenn er darauf pfeift, und das unterl\u00e4sst er bei \u201eBaby Driver\u201c leider. Die Folge ist, dass das Drehbuch keine Haken schl\u00e4gt, sondern konventionell den verfolgungsjagdlastigen Actionfilm um einen juvenilen gutherzigen Zufallsbeteiligten bedient. Auch vermisst man Wrights typischen Filmstil, den er hier indes gegen in der Tat gro\u00dfartig komponierte Choreografien tauscht: Der Film geschieht im Takt der Musik, die die Titelfigur und damit der Zuschauer unabl\u00e4ssig im Ohr hat. Immerhin gut gemacht, aber ansonsten Stangenware.<\/p>\n<p><!--more-->Ed Wright hat Bock auf Mucke, das belegt der Film in jeder Sekunde; auch im Titel, der nach einem Song von Simon &amp; Garfunkel benannt ist. Hauptfigur Baby hat permanent seinen produktplazierten iPod im Ohr, um damit seinen Tinnitus zu \u00fcbert\u00f6nen, und Wright schneidet seinen Film in vielen Sequenzen atemberaubend einfallsreich um den Soundtrack herum. Baby h\u00f6rt Punk, Post Punk und New Wave, Soul, Funk und Classic Rock, der Soundtrack eint also Geschmackssicheres und Guilty Pleasures. Als Musiknerd, der Jon Spencer, The Damned, Beck und Jonathan Richman verehrt, hat man das Recht, auch an Queen, den Commodores und Focus seine Freude zu haben, will er sagen. Die Attit\u00fcde \u00e4hnelt der des Quentin Tarantino, und dessen filmische Coolness will Wright auch einfangen. Nur sind daf\u00fcr bei aller blutgetr\u00e4nkten Benzinaction die Farben zu schwach und die Figuren und Dialoge zumeist zu flach.<\/p>\n<p>Zwar sind es trotzdem verbale Austausche, in denen ein Teil des Filmwitzes steckt, doch wirken die Dialoge an vielen Stellen zu bem\u00fcht cool und letztlich gew\u00f6hnlich. Die Gangster sind zu stereotyp, um in sich gebrochen zu sein und damit nachhaltig als au\u00dfergew\u00f6hnlich im Ged\u00e4chtnis zu bleiben; ein Keyser S\u00f6ze, Anton Chigurh oder Marsellus Wallace sind von einem ganz anderen Kaliber. Einzig Kevin Spacey als Gangsterboss Doc strahlt eine gewisse erinnerbare Souver\u00e4nit\u00e4t aus, die anderen sind plappernde Kugelf\u00e4nger. Die andere H\u00e4lfte der Witze nehmen die Popkulturzitate ein, nicht nur \u00fcber die Musik: Der Gummimaskenbesorger verwechselt Michael Myers und Mike Myers, Baby zitiert Pixar-Filme.<\/p>\n<p>Der Rest ist Drama mit Autoverkehr. Baby wohnt bei einem \u2013 sympathischen und bemerkenswerten \u2013 geh\u00f6rlosen alten Mann und hat sich in die Kellnerin Deborah verliebt. Beide Nebenfiguren geraten ins Visier der Gangster, f\u00fcr die der vollwaise Baby Fahrdienste bei \u00dcberf\u00e4llen \u00fcbernehmen muss, weil er mal dem Falschen das Auto geklaut hat, Doc n\u00e4mlich. Die R\u00e4ubereien laufen mehr und mehr aus dem Ruder, w\u00e4hrend Baby und Deborah ihre Flucht aus dem Alltag planen, und Baby wendet sich bald gegen seine Zwangsgemeinschaften. Dies erfolgt nicht auf intellektueller Ebene, sondern mit der Gewalt, die er eigentlich verabscheut; das ist inkonsequent und simpel. Schlimmer ist lediglich das Ende, weil so hyperkitschig, dass es den Rest beinahe vergessen l\u00e4sst. Denn immerhin sind ja die Ballereien und Autojagden ansehnlich und schwei\u00dftreibend, insbesondere im Duett mit der Musik.<\/p>\n<p>Von einem Ed Wright war da mehr zu erwarten, oder besser: etwas anderes. Eigentlich lebte er seinen Actiondrang bereits mit \u201eHot Fuzz\u201c aus, dem zweiten Teil der Cornetto-Trilogie, und bewies damit, wie sicher er sich auf dem Boden recht \u00fcberzeugend bewegen kann. Mit dem ironischen Blick auf das Genre lassen sich Stereotypen auch leichter verdauen. Sein \u201eBaby Driver\u201c indes verzichtet darauf, ebenso auf seine typischen Zoom-Jumpcuts, genialen \u00dcberblendungen und Grafikspielereien; der Film tr\u00e4gt also nicht Wrights Handschrift. Coming-Of-Age-Liebeleien stellte er in \u201eScott Pilgrim\u201c \u00fcberzeugender dar, Splatter in \u201eShaun Of The Dead\u201c, humorvolle Dialoge in \u201eSpaced\u201c. Er kann\u2019s doch! So ist des Briten Eintritt in Hollywood leider so entt\u00e4uschend wie ein \u201eSpiderman\u201c aus der Hand von Sam Raimi.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (01.08.2017) Edgar Wright scheitert am Genre. Er ist immer dann am besten, wenn er darauf pfeift, und das unterl\u00e4sst er bei \u201eBaby Driver\u201c leider. 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