{"id":2268,"date":"2017-07-21T15:23:49","date_gmt":"2017-07-21T13:23:49","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2268"},"modified":"2017-07-21T15:23:49","modified_gmt":"2017-07-21T13:23:49","slug":"valerian-luc-besson-f-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/valerian-luc-besson-f-2017\/","title":{"rendered":"Val\u00e9rian \u2013 Luc Besson \u2013 F 2017"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (21.07.2017)<\/p>\n<p>Regisseur Luc Besson verfestigt seinen kreativen Niedergang. Sein letzter richtig guter Film ist 23 Jahre alt: \u201eL\u00e9on \u2013 Der Profi\u201c. Mit \u201eVal\u00e9rian\u201c verfilmt er eine frankobelgische SciFi-Comicserie aus den Sechzigern; wer die nicht kennt, sieht den Film f\u00fcr sich stehend und kann sich nur wundern, wie flach, banal, belanglos, stereotyp der ist. Es gibt in den 140 Minuten keine einzige eigene Idee. Aus dem Kino kommen und vergessen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zwei B\u00e4nde der Comicserie von Jean-Claude M\u00e9zi\u00e8res und Pierre Christin liegen dem Film zugrunde: \u201eIm Reich der tausend Planeten\u201c (Band 2) und \u201eBotschafter der Schatten\u201c (Band 6). Man m\u00fcsste sie nat\u00fcrlich lesen, um herauszufinden, ob die Vorlage schon so unterirdisch banal ist wie der Film. Dann w\u00e4re zwar der Film dicht am Original, aber das entbindet im Jahre 2017 keinen Skriptautoren davon, eine Story dramaturgisch umzugestalten, ohne dem Urwerk Kratzer zuzuf\u00fcgen. Auf diese Weise indes l\u00e4dt der Film nicht dazu ein, sich mit dem Comic zu befassen; wom\u00f6glich ein kulturelles Vers\u00e4umnis.<\/p>\n<p>Zur Story: Val\u00e9rian und Laureline sind Raum-Zeit-Agenten einer nicht n\u00e4her spezifizierten Regierung. Sie sollen einen illegalen Deal auf einem virtuellen Markt zum Platzen bringen und geraten dabei in eine Verschw\u00f6rung um einen als unbewohnt eingestuften Planeten, der im Zuge eines Krieges zerst\u00f6rt wurde und dessen Bewohner den Gegenstand des illegalen Deals f\u00fcr einen Neuanfang brauchen und daher selbst jagen. Schauplatz ist eine uralte Raumstation, auf der s\u00e4mtliche Zivilisationen sich erg\u00e4nzend nebeneinanderleben. Eigentlich. In ihrem Inneren nistet sich dieses vermeintlich inexistente Volk der Pearls ein und bereitet den Neustart ihres Planeten vor. Die Regierung versucht, dies mit Gewalt zu verhindern. Aus recht schnell ersichtlichen Gr\u00fcnden wechseln die beiden Agenten bald die Seiten.<\/p>\n<p>Eine d\u00fcnne, leichte Handlung, die Besson da bem\u00fcht. Doch l\u00e4sst er seinen Figuren und Schaupl\u00e4tzen nicht die sich daraus ergebende Zeit, auf den Betrachter zu wirken; lediglich die Anfangssequenz auf dem totgeweihten Planeten bekommt einige pastellige Wohlf\u00fchlzeit. Danach hetzt Besson durch die Settings und bringt vollkommen \u00fcberfl\u00fcssige Nebenschaupl\u00e4tze unter, durch die er ebenfalls hetzen muss, um nicht zu sehr zu \u00fcberziehen. Der virtuelle Marktplatz, die Raumstation mit den unterschiedlichen Welten: Entweder traut Besson seinen eigenen Bildern nicht oder er agiert wie ein Kind, das zwingend all seine Spielsachen in einer Geschichte verwursten muss. Man sieht sich etwa dazu gezwungen, gef\u00fchlt zehn Minuten lang Rihanna beim Strippen zuzugucken; die Tricks dabei sind sch\u00f6n gemacht, aber das Ganze ist sinnfrei, ebenso wie die dazugeh\u00f6rige Sequenz mit den menschenfressenden Aliens (unlogisch genug auf einer Station, auf der angeblich s\u00e4mtliche Zivilisationen friedlich koexistieren). Wenn all dieser Quatsch nur davon ablenken soll, dass die Handlung viel zu d\u00fcnn ist, dann gelingt das allerdings nicht.<\/p>\n<p>Verwunderlich ist, dass sich Besson keinen vern\u00fcnftigen Dialogautoren leisten kann. Unfassbar, was f\u00fcr einen Durchfall die Figuren hier absondern. Am schlimmsten sind die vermeintlichen Liebesz\u00e4nkereien zwischen Val\u00e9rian und Laureline: Er will etwas von ihr und sie findet das doof. Beider aufgez\u00e4hlte Gr\u00fcnde gehen am Kern der Beziehungstauglichkeit vorbei und passen sich dem hohlen Gepl\u00e4nkel zeitgem\u00e4\u00dfer Partnerschaftsvorstellungen aus dem Internetdating an; und das, als man dachte, man habe die Rollenmodelle der F\u00fcnfziger endlich \u00fcberwunden. Zweitschlimmstes sind die Wortbeitr\u00e4ge in Actionsituationen: \u201ePass auf dich auf\u201c, \u201eSchneller!\u201c, solche Allgemeinpl\u00e4tze und einige Buddyzitate erzeugen statt Spannung und Humor nur Kopfsch\u00fctteln. Ebenso die Spannung selbst: Die Kr\u00f6nung ist der Countdown einer Bombe, der allen Ernstes bei genau einer verbleibenden Sekunde gestoppt wird. Puh, das ist ja gerade nochmal gutgegangen!<\/p>\n<p>Unsch\u00f6n sind erschreckenderweise auch die technischen Aspekte. Das 3D-Bild wirkt oft uneindeutig, gedoppelt, unscharf, verwischt; als h\u00e4tte man einen 2D-Film notd\u00fcrftig hochgerechnet. Eine Raumtiefe ergibt sich kaum, in 2D verpasst man vermutlich nichts. Schlie\u00dflich bekommt man von den CGI-Bildern ja ohnehin kaum etwas Eindeutiges zu sehen, so flott, wie die virtuelle Kamera durch die Settings huscht. Die Farbwahl passt sich zudem an aktuelle Showb\u00fchnen aus dem Fernsehen an: Blau und Lila \u00fcberwiegen. Ganz schlimm nervig ist die Musik, die wie bei Hans Zimmer jedes Gef\u00fchl grobfiedelig unterstreichert, anstatt den Zuschauer m\u00fcndig selbst etwas empfinden zu lassen. Man ist emotional tot, noch bevor der Planet explodiert, und daran \u00e4ndert sich auch nichts mehr.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt birgt der Film keinerlei eigene Idee; das k\u00f6nnte man in Einzelf\u00e4llen als Hommage auffassen, wirkt aber nur uninspiriert: Die Pearls sehen aus wie verblasste Avatars, die drei Informanten wie Muppets mit der Eigenschaft von Volle und Kanne aus \u201eBill &amp; Ted\u201c, ein Verbrecher wie Jabba The Hut aus \u201eStar Wars\u201c. Rihanna spielt eine Formwandlerin analog zu Odo in \u201eDeep Space Nine\u201c.\u00a0 In diesem Zusammenhang f\u00e4llt zudem auf, wie unempathisch in diesem Film mit Toden umgegangen wird: Wer stirbt, ist halt weg, was insbesondere \u2013 und das ist typisch f\u00fcr Action- und Kriegsfilme aus Hollywood \u2013 f\u00fcr das soldatische Fu\u00dfvolk gilt. Helden m\u00fcssen gerettet, Helfer d\u00fcrfen gefressen werden. Einzige Ausnahme ist die K\u00f6nigstochter der Pearls. Und diese Sequenz am Ende ist auch die einzige im Film, die sich etwas Ruhe g\u00f6nnt; davon h\u00e4tte man sich mehr gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Fragw\u00fcrdig ist die Entscheidung, die beiden Helden von Jugendlichen darstellen zu lassen; als Identifikationsfiguren taugen diese Milchgesichter mit ihren Teenagerproblemen nicht. Wenn das allerdings zielgruppengem\u00e4\u00df sein soll, wundert es nicht, dass man den Kids von heute so altbackene Elemente vorsetzt, die f\u00fcr sie vermutlich brandneu sind, und Rihanna unterbringt. F\u00fcr die \u00c4lteren stellt Herbie Hancock einen Minister dar, aber das nehmen die schon kaum noch wahr. Ebenso fragw\u00fcrdig ist, warum die Titelhelden in der deutschen Version englisch ausgesprochen werden, nicht franz\u00f6sisch. Zudem schlagen die Namen dem Carlsen-Verlag ein Schnippchen, der die Comicserie seit den Siebzigern als \u201eValerian &amp; Veronique\u201c vermarktet.<\/p>\n<p>Einzig positiv an diesem Film ist, dass die beiden Hauptfiguren gleichwertig sind. Laureline ist kein tumber Stichwort- und Joke-Buddy wie Obelix, Goofy oder die Sidekicks in handels\u00fcblichen Actionklamotten, sondern eine ernstzunehmende Agentin. Wenigstens das. Trotzdem bitte keinen zweiten Teil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (21.07.2017) Regisseur Luc Besson verfestigt seinen kreativen Niedergang. Sein letzter richtig guter Film ist 23 Jahre alt: \u201eL\u00e9on \u2013 Der Profi\u201c. 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