{"id":2232,"date":"2017-05-15T22:17:28","date_gmt":"2017-05-15T20:17:28","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2232"},"modified":"2017-05-15T22:17:28","modified_gmt":"2017-05-15T20:17:28","slug":"alessandro-baricco-mr-gwyn-atlantik-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/alessandro-baricco-mr-gwyn-atlantik-2017\/","title":{"rendered":"Alessandro Baricco \u2013 Mr. Gwyn \u2013 Atlantik 2017"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2233\" title=\"Alessandro Baricco - Mr. Gwyn\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Alessandro-Baricco-Mr.-Gwyn.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"162\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (15.05.2017)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Mit sechs Jahren Versp\u00e4tung ist der trotzdem noch j\u00fcngste Roman (eigentlich sind es sogar zwei B\u00fccher in einem) von Alessandro Baricco endlich auch auf Deutsch erh\u00e4ltlich. \u201eMr. Gwyn\u201c ist nichts f\u00fcr Happy-End-Fetischisten, die Geschichte zerrinnt einem wohlig zwischen den Fingern. Das kennt man so \u00e4hnlich von Paul Auster, und wer mit dessen Erz\u00e4hlweise zurechtkommt, hat zu \u201eMr. Gwyn\u201c leichteren Zugang. Baricco l\u00e4sst seine Figuren dieses Mal in London agieren, in einer vertrauten Gesellschaft, doch garniert er die Begebenheiten mit einer sprachlich entz\u00fcckenden poetischen Philosophie. Es ist ein Fest, dieses Buch zu lesen.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Verglichen mit fr\u00fcheren B\u00fcchern, \u00fcberrascht \u201eMr. Gwyn\u201c auf der sprachlichen Ebene: Die Geschichte findet in einer beinahe banalen Gegenwart statt und Baricco bildet sie auch genau so ab; Autoren haben Verleger und Agenten, jene haben Assistentinnen, und wenn sie sich unterhalten, reden sie wie das gew\u00f6hnliche Volk. Nur Baricco selbst nicht, der Kontrast sitzt beim Erz\u00e4hler: Dessen Bewertungen und Betrachtungen sind ganz im vertrauten Stil des Italieners gehalten. Wer in diesem Buch so vor sich hin sinniert, philosophiert auf poetische Art. Von unz\u00e4hligen S\u00e4tzen in diesem Buch ist man mindestens \u00fcberrascht, meistens hingerissen, oftmals ekstatisch verz\u00fcckt. Die Kunst Bariccos besteht darin, diese S\u00e4tze zwar auch als alleinstehendes Zitat wirkungsvoll oder bildhaft zu gestalten, doch ihnen gleichzeitig im Rahmen der Geschichte eine Bedeutung zu geben. Ein Beispiel: \u201eSie bewegte sich, als w\u00fcrde sie andauernd St\u00fccke von sich selbst einsammeln, die nicht daf\u00fcr gedacht waren, zusammenzubleiben. Ihr K\u00f6rper schien das Ergebnis einer Willensanstrengung zu sein.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Titelfigur ist ein Schriftsteller, der f\u00fcr drei B\u00fccher und seine Zeitungsartikel ber\u00fchmt ist. Eines Tages beschlie\u00dft er, mit dem Romaneschreiben aufzuh\u00f6ren und Kopist zu werden. Das gestaltet er, indem er geschriebene Portr\u00e4ts anfertigt: Seine Modelle m\u00fcssen daf\u00fcr einen Monat lang nackt in seinem Atelier verweilen, bis die letzte handgefertigte Gl\u00fchlampe eines alten Handwerkers vergl\u00fcht, und Gwyn l\u00e4sst ihnen dann ihr Portr\u00e4t zukommen. Den Anfang macht er mit der Agenturassistentin Rebecca, die er hernach f\u00fcr seine Arbeit engagiert \u2013 und auf die nach einer guten H\u00e4lfte der Geschichte der Fokus liegt, da Gwyn selbst nach einigen angefertigten Portr\u00e4ts pl\u00f6tzlich verschwindet. Rebecca kommt bald hinter einige Geheimnisse, die die philosophische Tiefe der Erz\u00e4hlweise aufgreifen, die Geschichte aber nicht vordergr\u00fcndig zu einem Abschluss f\u00fchren. Gro\u00dfartig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">In der deutschen Ausgabe ist dem eigentlichen Buch das Buch im Buch angef\u00fcgt, \u201eDreimal im Morgengrauen\u201c, das in der Geschichte \u201eMr. Gwyn\u201c eine wichtige Rolle spielt und das Baricco in Italien dem Roman separat nachschob (und ihm damit den sch\u00f6nen Status des MacGuffin raubte). Man sollte zwischen dem letzten Satz von \u201eMr. Gwyn\u201c und der neuen Geschichte eine kleine Pause machen, um die Geschehnisse sacken zu lassen. Zudem ist \u201eDreimal im Morgengrauen\u201c sprachlich, formal und inhaltlich ganz anders, n\u00fcchterner, vulg\u00e4rer, und gleichzeitig vertraut \u00fcberraschend in Philosophie und Konklusio.<\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Mr. Gwyn\u201c ist ein Lesefest. Das Buch saugt sich von selbst in Herz und Hirn, genau wie die anderen B\u00fccher Bariccos. Man wundert sich, wie wenig zu geschehen scheint und wie voll und detailreich die Geschichte dennoch ist. Wirkungsvoll auf allen Ebenen. Fast jeder Satz ein Orgasmus.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (15.05.2017) Mit sechs Jahren Versp\u00e4tung ist der trotzdem noch j\u00fcngste Roman (eigentlich sind es sogar zwei B\u00fccher in einem) von Alessandro Baricco endlich auch auf Deutsch erh\u00e4ltlich. \u201eMr. Gwyn\u201c ist nichts f\u00fcr Happy-End-Fetischisten, die Geschichte zerrinnt einem &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/alessandro-baricco-mr-gwyn-atlantik-2017\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2233,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-2232","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-buch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2232","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2232"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2232\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2234,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2232\/revisions\/2234"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2233"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2232"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2232"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2232"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}