{"id":2224,"date":"2017-04-28T09:59:11","date_gmt":"2017-04-28T07:59:11","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2224"},"modified":"2017-04-28T09:59:11","modified_gmt":"2017-04-28T07:59:11","slug":"gimme-danger-jim-jarmusch-usa-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/gimme-danger-jim-jarmusch-usa-2016\/","title":{"rendered":"Gimme Danger \u2013 Jim Jarmusch \u2013 USA 2016"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (27.04.2017)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Dieser Film erz\u00e4hlt eine Geschichte, deren Botschaft es ist, keine Botschaft zu brauchen. Grob gesagt. Nat\u00fcrlich stimmt das nicht bis ins \u00c4u\u00dferste, aber The Stooges stehen nicht wie andere Bands f\u00fcr eine Ideologie, eine Mythologie oder gar f\u00fcr ein Genre, denn das, wie man sie nachtr\u00e4glich kategorisierte, existierte vor 50 Jahren noch gar nicht, gerade einmal z\u00f6gerlich die Grundhaltung dahinter. Den Regisseur Jim Jarmusch indes erkennt man in diesem seinem Film zwangsweise nicht am Visuellen, sondern an den kulturellen Querverweisen, die sein Freund Iggy Pop mitbringt. Jarmusch kreiert eine Musikerdoku, die dem reinen Stil entsagt und damit seiner eigenen Botschaft Folge leistet: Die Geschichte steht \u00fcber der Mission.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Gimme Danger\u201c ist anders als herk\u00f6mmliche Musikerdokus. Hier geht es nicht um den L\u00e4ngsten, nicht um das \u00fcppigste Konto, nicht um den geilsten Absturz, nicht um den gr\u00f6\u00dften Einfluss auf andere. Rund um die inzwischen siebzigj\u00e4hrige Person Iggy Pop, die eine nat\u00fcrliche Ausstrahlung mit sich bringt, f\u00fcr die man kein Image generieren muss, l\u00e4sst Jarmusch die Geschichte der Band The Stooges nacherz\u00e4hlen. Das \u00fcbernehmen ausschlie\u00dflich Beteiligte, keine Verehrer; schleimige Lobhudeleien muss man schon mal gar nicht ertragen, das ist eine der vielen Abweichungen vom Herk\u00f6mmlichen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Da Jarmusch rechtzeitig damit begann, die Stooges-Mitglieder auszufragen, kommen hier auch s\u00e4mtliche Verstorbenen zu Wort, und derer sind es mittlerweile viel zu viele. Daher besteht der Film zu weiten Teilen aus Archivaufnahmen, die Jarmusch an Stellen, zu denen er lediglich O-T\u00f6ne hat, aber keine exakten Bilder, mit artfremden Filmausschnitten versetzt, die inhaltlich passen: historische Stra\u00dfenszenen, Film- und TV-Aufnahmen, Sequenzen aus \u201eThe Three Stooges\u201c und \u201eAddams Family\u201c sowie eigens angefertigten Animationen, die bisweilen an Beavis &amp; Butthead erinnern. Da solches Material \u00fcberwiegend nicht aus Jarmuschs Hand stammt, kann es zwangsweise nicht seine Handschrift tragen, doch ganz zu verbergen ist die gottlob nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die gr\u00f6\u00dfte Gemeinsamkeit zwischen Portr\u00e4tiertem und Portr\u00e4tierendem ist die kulturelle Verlinkung: Ganz wie Jarmusch seine liebsten K\u00fcnstler stets in seinen Filmen unterbringt, zu denen immer wieder auch Iggy Pop geh\u00f6rt (in \u201eCoffee And Cigarettes\u201c und \u201eDead Man\u201c pers\u00f6nlich, in \u201eOnly Lovers Left Alive\u201c als Foto an der Wand), hat jener im Kontext der Stooges mit lauter krediblen Musikern zusammengearbeitet. Das Who-Is-Who der Avantgarde kommt hier zur Sprache oder zu Wort: Fr\u00fche und reichlich unerwartete Einfl\u00fcsse f\u00fcr James Osterberg waren etwa John Coltrane und Maceo Parker, sp\u00e4tere Kollaborateure John Cale, Mike Watt, Fred \u201eSonic\u201c Smith und die MC5, David Bowie, J Mascis, also lauter Leute, deren Musik man als Stooges-Fan ohne Scham im Plattenregal stehen haben kann. Dazu montiert Jarmusch als Fazit einen kurzen Reigen an Beeinflussten, indem er Plattenh\u00fcllen und Livecover mixt, und auch diese Auswahl bezeugt Geschmack; Sonic Youth gelingt ein Stooges-Song indes h\u00f6rbar besser als den Sex Pistols.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Zur Geschichte: Ausgehend von Iggy Pops Leben als selbsterwirkter Schlagzeugsch\u00fcler im Wohnwagen, seinen Engagements bei den sein Pseudonym ausl\u00f6senden Iguanas (der Umstand wird im Film gar nicht aufgel\u00f6st) bis hin zur Gr\u00fcndung der Psychedelic Stooges, die erfolgte, um auf Partys sagen zu k\u00f6nnen, man habe eine Band, erz\u00e4hlen die Beteiligten die chaotische Historie jener Gruppe, die zu Hauptzeiten gerade drei Alben ver\u00f6ffentlichte (und zwei nach der Reunion). Als Motivation gibt Iggy Pop an, nicht so klingen gewollt zu haben wie andere (er versetzt der Industrie deutliche Schl\u00e4ge, von den gecasteten Hippiebands der Sechziger bis heute), und mit seiner Band alles kommunistisch zu teilen. Das ber\u00fchmte \u201eI wiped out the sixties\u201c ist dabei einer seiner aussagekr\u00e4ftigen S\u00e4tze. Zu mehr Ideologie kommt es kaum, der Rest des Films ist Handlung. Mit Humor. Und Tragik. Das Private des Herrn Osterberg indes klammert Jarmusch aus; man erf\u00e4hrt nichts \u00fcber das gegenw\u00e4rtige Leben Iggy Pops, nichts \u00fcber Wohlstand oder Lebensweise (seine Frau wird kurz bei der stinkefingerbest\u00fcckten Zeremonie zur Aufnahme in die Rock&#8217;n&#8217;Roll Hall Of Fame erw\u00e4hnt). Man sieht diverse Liveauftritte und Studiosessions, man h\u00f6rt Geschichten zur Entstehung und Rezeption der heute ikonischen Songs, mit denen die Band damals jedoch bald im Elend versank. Bis zur Rehabilitation durch J Mascis und Mike Watt. Und das ist das gr\u00f6\u00dfte Wunder dieser paradoxen Geschichte: Eigentlich berichtet der Film die ganze Zeit, wie gering bis negativ die Resonanz trotz zun\u00e4chst gut besuchter Konzerte mit ausgeflipptem Publikum auf die fr\u00fchen Stooges war, und doch geschieht dies mit der Grundaussage, es mit der gr\u00f6\u00dften Rock&#8217;n&#8217;Roll-Band aller Zeiten zu tun zu haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Man muss sich an das Erz\u00e4hltempo gew\u00f6hnen. Obwohl Jarmusch Iggys Solojahre ausklammert, hat er immer noch gen\u00fcgend Stoff, den er in den Film presst. An mancher Stelle f\u00fchlt man sich \u00fcberfordert, doch sobald es tragisch wird, nimmt Jarmusch das Tempo zur\u00fcck und gibt den Emotionen Raum. Typisch Jarmusch ist \u00fcberdies die Typographie der Zwischentitel, die er auch schon bei seiner ersten Musikdoku \u201eYear Of The Horse\u201c \u00fcber Neil Young And Crazy Horse einsetzte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Wie oft man sich diesen wilden Ritt namens \u201eGimme Danger\u201c fortan geben mag, ist nicht absch\u00e4tzbar. Der st\u00e4rkste Eindruck nach dem Abspann ist, es bei Iggy Pop mit einem schelmischen Sympathen zu tun zu haben, dessen Musik und Geschichten man gern h\u00f6ren mag. Und der sich, laut trefflichem Abschlussstatement, nicht als Teil einer Bewegung sehen will: \u201eI just want to be.\u201c<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (27.04.2017) Dieser Film erz\u00e4hlt eine Geschichte, deren Botschaft es ist, keine Botschaft zu brauchen. Grob gesagt. 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