{"id":2174,"date":"2017-02-21T23:34:03","date_gmt":"2017-02-21T22:34:03","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2174"},"modified":"2017-02-21T23:34:03","modified_gmt":"2017-02-21T22:34:03","slug":"t2-trainspotting-danny-boyle-uk-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/t2-trainspotting-danny-boyle-uk-2017\/","title":{"rendered":"T2 Trainspotting \u2013 Danny Boyle \u2013 UK 2017"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (21.02.2017)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Mega mega wildes Ding, diese \u00fcberraschende Fortsetzung des Neunziger-Popkultur-Meilensteins (als solchen muss man den Film auffassen) \u201eTrainspotting\u201c. Regisseur Danny Boyle holte die verbliebene Clique zusammen und erz\u00e4hlt, was aus den perspektivlosen Edinburgher Junkies und Kriminellen nach 20 Jahren so geworden ist. Das brutale und melancholisch-humorige Ergebnis ist nicht nur inhaltlich stimmig, sondern auch formal, in Sound und Vision. Spannend ist au\u00dfer dem Film sicherlich die Frage nach dessen Zielgruppe.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">In Sachen Popkultur war \u201eTrainspotting\u201c 1996 pr\u00e4gend: \u201eBorn Slippy.NUXX\u201c von Underworld, \u201eLust For Life\u201c von Iggy Pop, Begbies Bierglaswurf, der Tauchgang durch das verdreckte Klo, das tote Baby an der Decke, der \u201eChoose Life\u201c-Rant. Dazu die abgefuckten Typen, die im politisch und wirtschaftlich abgeh\u00e4ngten Edinburgh versuchen, den Arsch an die Wand und die F\u00fc\u00dfe auf den Boden zu kriegen. Und dann von einem aus den eigenen Reihen um ihre m\u00fchsam ergaunerte Kohle betrogen werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Fortsetzung hat: genau das alles auch. Okay, das Baby und das Klo nur als Zitat, den Rest aber als R\u00fcckblende oder als Remix. Und es geht damit los, dass Renton, der Abzocker, \u00fcberraschend nach Edinburgh zur\u00fcckkehrt und sich mit der Wut seiner fr\u00fcheren Freunde sowie deren anhaltender Perspektivlosigkeit auseinandersetzen muss. Und seiner eigenen. So sehen Typen wie diese eben mit Mitte Vierzig aus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Da setzt dann jedoch gleich die Frage nach der Zielgruppe an. Wer soll sich heute f\u00fcr Typen wie Renton, Spud, Sick Boy und Begbie interessieren? F\u00fcr Jugendliche dreht es sich um deren Elterngeneration, und Leute, die \u201eTrainspotting\u201c als Jugendliche im Kino sahen, sind heute gesetzt und keine Cineasten mehr, abseits von Netflix zumindest. So droht dem Film vermutlich das Schicksal eines Nischenprodukts.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Und das ist sehr bedauerlich, denn nicht nur inhaltlich dreht Boyle am Rad, auch in Sachen Bildkomposition, Lichtspielerei und Effekten hat der Schotte offensichtlich dazugelernt. Beispiele daf\u00fcr gibt es unz\u00e4hlige, und nicht alle fallen sicherlich sofort auf; darunter: der Schatten der verstorbenen Mutter am K\u00fcchentisch, das Flackern der vorbeirasenden Eisenbahnwaggonlichter im Pub, die digitale Stockwerkanzeige an der Fassade eines Hochhauses, ein durchs geschlossene Fenster verfolgter Dialog und die schon im ersten Teil liebgewonnenen Freezemomente. Dazu narrative Kamerafahrten, ein fast touristischer Blick auf Edinburgh und der Einsatz von attraktiver Musik aus Vergangenheit und Gegenwart. Zudem flicht er lauter Handlungsstr\u00e4nge ein, die die Hauptgeschichte \u2013 die nicht sonderlich breit aufgestellt ist \u2013 erweitern und den Figuren mehr Tiefe geben. <\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Trainspotting\u201c-Autor Irvine Welsh legte bereits zwei weitere Teile als Roman vor, \u201ePorno\u201c und das Prequel \u201eSkagboys\u201c. Boyle bedient sich nur auszugsweise beim Sequel \u201ePorno\u201c, den Filmdreh l\u00e4sst er ganz weg. Vielmehr konzentriert er sich auf das Gef\u00fcge zwischen den zerstrittenen Figuren und l\u00e4sst sie sich erinnern (die ausufernden R\u00fcckblenden sind das einzige Manko, au\u00dfer denen, die eigens f\u00fcr diesen Film angefertigt wurden) und weitergehen. Einige treten tats\u00e4chlich eine positive Entwicklung an. Und am Ende geht ein v\u00f6llig unerwarteter Mensch als Gewinner hervor. Es gelingt dem Team, einen Film zu erstellen, der die Vergangenheit aufgreift, aber in der Gegenwart eine Melange aus Aggression und Angst aufkommen l\u00e4sst, die den Zuschauer mit den Figuren mitfiebern l\u00e4sst. Sozialromantik, Wehmut und Aufbruchstimmung bestimmen die Gef\u00fchlslage, durchsetzt mit Humor, sonst w\u00e4re der Film bestimmt unertr\u00e4glich. 1690.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Sch\u00f6n ist \u00fcberdies, dass sich Boyle und sein fr\u00fcherer Hauptdarsteller Ewan McGregor wieder vers\u00f6hnten. Der brach mit seinem Mentor, als der f\u00fcr \u201eThe Beach\u201c nicht ihn, sondern Leonardo Di Caprio bevorzugte. Jetzt sind die Kriegsbeile begraben und \u201eT2\u201c, nicht zu verwechseln mit dem Terminator, wurde m\u00f6glich. Ein Gl\u00fcck.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (21.02.2017) Mega mega wildes Ding, diese \u00fcberraschende Fortsetzung des Neunziger-Popkultur-Meilensteins (als solchen muss man den Film auffassen) \u201eTrainspotting\u201c. 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