{"id":2153,"date":"2017-01-28T12:35:48","date_gmt":"2017-01-28T11:35:48","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2153"},"modified":"2017-01-28T12:35:48","modified_gmt":"2017-01-28T11:35:48","slug":"sibylle-schreiber-ich-wollte-immer-mal-einen-liebesbrief-schreiben-formidabel-verlag-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sibylle-schreiber-ich-wollte-immer-mal-einen-liebesbrief-schreiben-formidabel-verlag-2016\/","title":{"rendered":"Sibylle Schreiber \u2013 Ich wollte immer mal einen Liebesbrief schreiben&#8230; \u2013 Formidabel-Verlag 2016"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2154\" title=\"Sibylle Schreiber - Ich wollte immer mal einen Liebesbrief schreiben\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Sibylle-Schreiber-Ich-wollte-immer-mal-einen-Liebesbrief-schreiben.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"159\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (28.01.2017)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Jetzt also doch noch: Das zweite Buch von Sibylle Schreiber, in dem sie wieder schwarze Kurzgeschichten sammelt. Man braucht einiges an Hartgesottenheit, um jeweils gegen Ende der Geschichten nicht durchzudrehen: Die meisten Texte beginnen n\u00e4mlich in einem vertrauten Setting, kippen dann aber kurz vor Schluss in etwas teilweise Abscheuliches. Diese Abscheulichkeiten offenbaren dabei weniger die schwarze Seele der Autorin, sondern vielmehr die Abgr\u00fcnde der Gesellschaft, die Schreiber beschreibt. Sprachlich und inhaltlich wiegt Schreiber den Leser in Sicherheit und schl\u00e4gt dann erbarmungslos in die Magengrube. Hier flie\u00dft \u2013 wie auf dem Cover \u2013 Blut aus dem Liebesbrief.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Bisweilen ist man von Schreibers Kopfinhalt echt geschockt. Da beginnt etwas wie eine lediglich aus dem Ruder gelaufene Liebesgeschichte und endet dann als komplett andere Beziehungskonstellation (das sei jetzt mal alles nicht gespoilert). Da beginnt etwas wie eine klassische Urlaubsromanze und verl\u00e4uft dann auf eine m\u00f6rderische Weise im Sande. Da kommt ein Soldat aus dem Kriegseinsatz zur\u00fcck und sieht sich von einer simplen Et\u00fcdenmelodie getriggert. Da flie\u00dft Blut aus vielen Geschichten, der Tod ist ein st\u00e4ndiger Teilnehmer. Und er ist nicht zimperlich. Parteiisch schon mal gar nicht. Wie er wechselt auch die Autorin gelegentlich unerwartet die Perspektive und tauscht Positiv gegen Negativ, Gewinner gegen Verlierer, T\u00e4ter gegen Opfer aus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die gro\u00dfe Kunst ist hier, dass fast alle Geschichten im Alltag beginnen, in einem Alltag, der den meisten Lesern vertraut sein d\u00fcrfte. Ebenso tr\u00fcgerisch allt\u00e4glich ist die Sprache, die Schreiber verwendet; sie ist vertraut, heimelig, sympathisch, detailgetreu. Schreiber bezieht popkulturelle Details in die Beschreibungen ein und wiegt den Leser in einer Sicherheit, die ihm jedoch alsbald abhanden kommt. Nicht immer freut man sich mit dem Ausgang, Schreiber ist keine simple Racheautorin. Meistens erstreckt sich eine gewisse Genugtuung darin, dass es jemanden gibt, der solch schwere Themen \u00fcberhaupt aufgreift, sie \u00f6ffentlich macht und damit ankreidet. Wie in der Satire, nur ohne lustig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">\u00c0 propos, in einem Punkt hat Schreiber selbst Recht: Humoristische Texte liegen ihr nicht so sehr. Es gibt zwei Beispiele daf\u00fcr in diesem Buch, jeweils in der ihr \u00fcblichen Schw\u00e4rze dargeboten, doch nimmt man ihr das Lustige nicht so recht ab. Ihre eigene kritische Sicht auf ihre Humorf\u00e4higkeit erf\u00e4hrt man aus den Einleitungen, die sie (fast) jedem Text voranstellt; da erl\u00e4utert sie ihre Motivation oder den Hintergrund f\u00fcr die Entstehung mancher Geschichten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Versammelt sind hier Kurzgeschichten, die Schreiber grob nach dem ersten Buch \u201eIch schaue M\u00e4nnern gern beim Schwimmen zu\u201c erstellte. Wie bei jenem erschlie\u00dft sich der Titel auch bei \u201eIch wollte immer mal einen Liebesbrief schreiben&#8230;\u201c \u00fcbrigens erst in Kombination mit dem Titelbild: Auf dem Deb\u00fct prangt unter der Schrift ein Krokodil, beim Vorliegenden quillt Blut aus dem Umschlag. Anders als bei vielen Leseb\u00fchnenautorenb\u00fcchern funktionieren Schreibers Texte auch ohne ihre Stimme, aber: mit ihrer Stimme noch viel besser. Schlie\u00dflich ist Schreiber \u201eDie Stimme\u201c. Davon sollte man sich unbedingt \u00fcberzeugen, sobald sie wieder irgendwo live in Erscheinung tritt.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (28.01.2017) Jetzt also doch noch: Das zweite Buch von Sibylle Schreiber, in dem sie wieder schwarze Kurzgeschichten sammelt. 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