{"id":2114,"date":"2016-12-05T18:24:54","date_gmt":"2016-12-05T17:24:54","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2114"},"modified":"2016-12-05T18:24:54","modified_gmt":"2016-12-05T17:24:54","slug":"arrival-denis-villeneuve-usa-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/arrival-denis-villeneuve-usa-2016\/","title":{"rendered":"Arrival \u2013 Denis Villeneuve \u2013 USA 2016"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (05.12.2016)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Bilder sind eindrucksvoll und nachhaltig: Wie da so die au\u00dferirdischen Riesenlinsen \u00fcber den verschiedensten Weltgegenden hochkant in der Luft h\u00e4ngen, das bleibt h\u00e4ngen. In \u201eArrival\u201c geht es um genau diese Ankunft Au\u00dferirdischer, die zwar T\u00f6ne absondern, die aber niemand versteht. Daf\u00fcr muss eine Sprachwissenschaftlerin ran. Und die dreht die Geschichte mit ihren Erkenntnissen in eine g\u00e4nzlich unerwartete Richtung. Man kann \u00fcber diesen Film kaum angemessen berichten, ohne zu spoilern \u2013 das sei warnend vorweggeschickt.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Visuell macht der Film alles richtig und viel her. Das Licht ist permanent gedimmt, es dringen kaum helle Farben ins Auge. Die Kamera ist nicht immer an den erwartbaren Positionen aufgestellt, sondern zeigt das Geschehen mal durch Scheiben, kopf\u00fcber, ausschnitthaft oder auch gar nicht, weil man nur die Gesichter derer zu sehen bekommt, die das Unsagbare verfolgen. Damit ist der kanadische Regisseur Denis Villeneuve angenehm weit weg vom handels\u00fcblichen Hollywood \u2013 und mit seiner Erz\u00e4hlweise auch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Villeneuve stellt nicht alles dar, was herk\u00f6mmliche Hollywoodfilme zeigen w\u00fcrden. Seine Sprachwissenschaftlerin Louise setzt im Kontakt mit den Aliens an einer Position an, die weit nach der ersten Begegnung liegt. Man sieht auch nicht jedes Gespr\u00e4ch mit den Aliens, sondern erf\u00e4hrt oft erst in der Nachbesprechung von den bahnbrechenden Ereignissen. Viele weltpolitische und sich auf die Handlung direkt auswirkende Entwicklungen bekommt man beil\u00e4ufig aus Live\u00fcbertragungen mitgeteilt. Das ist spannend, weil es die Wertigkeit des Gezeigten verlagert. Leider hat diese Vorgehensweise auch einen Nachteil: Man kommt Louise nicht nahe, sie wirkt wie isoliert in der Handlung und darf nicht mal ausgiebig staunen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Nat\u00fcrlich wirft das die Frage auf, was denn dann des Pudels Kern sein soll. Und der wiederum ist gegen Ende eine handfeste \u00dcberraschung: Wer die r\u00e4tselhafte Schrift der Aliens anwendet, kann in die Zeit sehen. Nicht reisen, aber gucken: So sind die Flashbacks, die Louise den ganzen Film \u00fcber hat, Boten aus der Zukunft; das macht es etwas un\u00fcbersichtlich, weil diese Szenen schon auftauchen, bevor sie die vision\u00e4re Eigenschaft hat. Man muss also davon ausgehen, dass sie ihre Zukunftsvisionen und ihre eigene Erinnerung aus einer noch weiter entfernten Zukunft erz\u00e4hlt, in der beides bereits Vergangenheit ist. Ansonsten ist es nicht schl\u00fcssig. Wirft aber existenzielle Fragen auf: W\u00fcrdest du dein Leben weiterleben, wenn du bereits w\u00fcsstest, dass etwas an dem, was du gerade begonnen hast, schieflaufen wird? Louise bejaht diese Frage, aber der Zuschauer bewegt sie noch eine Weile in sich und kommt wom\u00f6glich zu anderen Ergebnissen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Visuell also ist der Film bemerkenswert, aber: Man kann dar\u00fcber streiten, ob es sinnvoll ist, den Aliens ein konkretes Aussehen zu geben. Und war eines, das sich als ein Mix aus Tintenfisch, Elefant und Hand darstellt. Sicherlich ist es bequemer, die Kommunikation zwischen Mensch und Septopoden darzustellen, wenn man beide Gespr\u00e4chspartner sehen kann. So sei es denn.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Im Hintergrund der Handlung findet au\u00dferdem die Welt statt, wie sie sich Utopisten des Sci-Fi-Zeitalters seit jeher vorstellten: Die Menschheit reagiert auf die Anwesenheit von Aliens mit Hysterie und Unmenschlichkeit. So weit, so gut. Aber so richtig daneben benehmen sich hier sch\u00f6n klischeehaft die Chinesen, gefolgt von Russen und irgendwelchen Arabern. Sie alle geh\u00f6ren zu zw\u00f6lf Nationen, \u00fcber deren Territorium je eines der undurchsichtigen Alienschiffe schwebt. \u00dcberdies sei hier der wohl beste und gr\u00f6\u00dfte Witz des Films gelobt: Bei dem Versuch, zu ermitteln, warum sich die Au\u00dferirdischen ausgerechnet diese Punkte auf der Erde ausgesucht haben, kommt heraus, dass in den Achtzigern eine S\u00e4ngerin in genau diesen L\u00e4ndern einen Hit in den Top-Ten hatte. Das ist eine absolut gro\u00dfartige Nerdrecherche.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">So sch\u00f6n dieser Film auch ist und so eindrucksvoll das Thema Zeit hier interpretiert wird und so sehr das Ende gleichzeitig m\u00e4rchenhaft und ern\u00fcchternd ist \u2013 so richtig viel mitzunehmen ist auf emotionaler Ebene nicht. Das ist bedauerlich, weil man es ansonsten mit einem fantastischen Werk zu tun hat. Auch, was den Sound und die Bilder betrifft, sollte man den Film einmal gesehen haben, und das im Kino; zu Hause funktioniert der sicherlich nicht halb so gut.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (05.12.2016) Die Bilder sind eindrucksvoll und nachhaltig: Wie da so die au\u00dferirdischen Riesenlinsen \u00fcber den verschiedensten Weltgegenden hochkant in der Luft h\u00e4ngen, das bleibt h\u00e4ngen. 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