{"id":2101,"date":"2016-11-27T12:43:07","date_gmt":"2016-11-27T11:43:07","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2101"},"modified":"2016-11-27T19:47:35","modified_gmt":"2016-11-27T18:47:35","slug":"dominic-razlaff-september-2015-stuklabel-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dominic-razlaff-september-2015-stuklabel-2016\/","title":{"rendered":"Dominic Razlaff \u2013 September 2015 \u2013 Stuklabel 2016"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2102\" title=\"Dominic Razlaff - September 2015\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Dominic-Razlaff-September-2015-Tape.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"155\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (27.11.2016) \/ Auch ver\u00f6ffentlicht auf <a title=\"Kult-Tour\" href=\"http:\/\/www.kult-tour-bs.de\/dominic-razlaff-september-2015-stuklabel-2016\/\" target=\"_blank\">Kult-Tour Der Stadtblog<\/a><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Es bewahrheitet sich: Das Tape erf\u00e4hrt derzeit ein Revival, das, anders als das der LP, einfach mal nicht so erwartbar war. Was will man mit diesem Plastikgeh\u00e4use mit einem Magnetband drin, das beim Abspielen seine eigene Aufl\u00f6sung initiiert? Aber wof\u00fcr gibt es denn Downloadcodes. Bevorzugt ist dieses Medium \u00fcbrigens in den Genres Black Metal und Ambient zu finden. Der Braunschweiger Dominic Razlaff alias DR best\u00e4tigt dies mit seinem frisch auf dem japanischen Stuklabel erschienenen Album \u201eSeptember 2015\u201c, das er mit einem beatlosen Ambient bef\u00fcllt. Seine Spezialit\u00e4t sind bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Field Recordings, die er in seine Synthiemodulationen einwebt. Er selbst spricht von Drone, aber der Begriff klingt viel dunkler als die Musik, die man tats\u00e4chlich zu h\u00f6ren bekommt.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Vom Rhythmus muss man sich verabschieden, wenn man dieses Tape einlegt. Diese f\u00fcnf Tracks leben von ihrer eigenen Dauer, die sich aus sich zaghaft wandelnden Soundfl\u00e4chen ergibt. Hier gilt das Rock&#8217;n&#8217;Roll-Gebot: Laut h\u00f6ren ist Pflicht, ansonsten verbindet sich die Musik mit den Alltagsger\u00e4uschen, was allerdings auch eine feine Art ist, sie zu genie\u00dfen. Doch zun\u00e4chst sollte man sich ihr bewusst aussetzen.<\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Anxiety\u201c hei\u00dft der erste Track, und mit diesem Wort untermauert Razlaff seine Ansicht, sich eher auf dem Feld des Drone als des klassischen Ambient zu bewegen. Doch vielleicht liegt es an den H\u00f6rgewohnheiten: Angst l\u00f6st das St\u00fcck nicht aus, klingt vielmehr sogar hoffnungsvoll. Das ist schon mal ein sch\u00f6ner Einstieg in die Rezeption von Razlaffs Musik: Je nach eigener Stimmung oder dem jeweiligen Befinden l\u00f6st sie andere Assoziationen aus. Was dem einen dunkel und dr\u00e4uend erscheint, wirkt auf den anderen wie ein Riss in der Wolkendecke, der den Blick auf den Himmel freigibt. Razlaff selbst verwendet f\u00fcr seine Musik die Bezeichnung \u201emelancholisch\u201c, und damit hat er absolut Recht: In Melancholie liegen Schwermut und Hoffnung beieinander.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Mit \u201eFluoxetin\u201c, so der Titel des zweiten St\u00fccks, bek\u00e4mpft man auf chemischem Wege Depressionen. Nun kann man das St\u00fcck wahlweise als Grund, das Medikament zu nehmen, oder als Folge der Einnahme auffassen: Einerseits ist der oberfl\u00e4chlich kaum ver\u00e4nderte Ton Sinnbild f\u00fcr Schwermut, andererseits auch f\u00fcr die Benommenheit unter Medikamenteneinfluss. Oder er wirkt einfach nur wie ein Nickerchen mit dem Kopf unter Wasser. Etwas heller wird es mit \u201eProcessed Water Glass\u201c, dessen Titel die Vorgehensweise der Aufnahme verraten mag. Dabei klingt der Ton hier nicht nach Wasserglas. Eher nach mit einem Schraubenschl\u00fcssel als Bogen verwendeten Spiel auf einem Stahlseil als Saite, aufgenommen in einer Kathedrale, und das so klar, als w\u00e4re er maschinengemacht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die zweite Seite beinhaltet nur zwei viertelst\u00fcndige Tracks, da h\u00e4lt es Razlaff mit den fr\u00fchen Krautrock- und Ambientmusikern der Siebziger. Interessanterweise sind die Spielzeiten f\u00fcr beide Tracks auf dem Tape etwas l\u00e4nger angegeben, als sie als Datei dauern. \u201e02_09_2015\u201c besteht, anders als die ersten drei Tracks, aus mehr als nur einer deutlich wahrnehmbaren wabernden Frequenz. Hier spielen zwei bis drei T\u00f6ne ineinander, umeinander herum; man sollte jetzt aber nicht erwarten, dass damit muntere Fr\u00f6hlichkeit einkehrt. Vielmehr wechselt der Track auf Spielzeit mehrfach seine Grundstimmung und l\u00e4sst damit ganz unterschiedliche Bilder vor dem inneren Auge entstehen. Man m\u00f6chte zudem ergr\u00fcnden, wie die T\u00f6ne erzeugt wurden, und meint, ein Streichinstrument, eine Kirchenorgel oder einen verfremdeten Chor zu erkennen, doch ist Razlaff nie eindeutig genug, um seine Quellen preiszugeben. Zum Schluss offenbart Razlaff wom\u00f6glich eine Motivation f\u00fcr sein Schaffen: mit \u201eBoring Sunday\u201c. Der Track entf\u00fchrt den H\u00f6rer einmal mehr unter Wasser. Danach muss man sich einmal sch\u00fctteln, um in die Realit\u00e4t zur\u00fcckzukehren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Es ist ein Abenteuerland, das Razlaff mit seinen Field Recordings und Synthies generiert. Dabei ist der Mann mit seinen Ver\u00f6ffentlichungen so temporeich, wie es die Musik nicht erwarten l\u00e4sst: Auf den verschiedensten Plattformen im Internet kann man sich seine Alben, EPs, Podcasts, Files, Tracks und Experimente herunterladen. Man findet seine Musik auf den \u00fcblichen Seiten wie Bandcamp, Soundcloud und Spotify, aber auch auf wei\u00dfrussischen oder japanischen Labelseiten und im Internet Archive. Manche seiner Titel verraten den Entstehungszeitraum (\u201eFrom July To October\u201c), manche den Ort (\u201eBraunschweig EP\u201c), manche den Anlass (\u201eWieso kann ich nicht schlafen?\u201c auf der \u201eNine Layers EP\u201c) und manche das Objekt, das der Aufnahme zugrunde liegt (\u201eUkulele Textures\u201c). Noch frischer als dieses Tape ist \u00fcbrigens seine neue CDr \u201eConvolution Reverb\u201c auf dem Label Lagerst\u00e4tte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Dieses Tape steht jetzt im Regal zwischen Solbrud, Cryptic Brood und Devin Townsend, die allesamt k\u00fcrzlich Musik auf Kassette ver\u00f6ffentlichten. Lustig ist bei \u201eSeptember 2015\u201c der Downloadvorgang: Da es sich um ein japanisches Label handelt, erfolgt auch die Codeeingabe auf einer japanischen Webseite. Fr\u00f6hliches R\u00e4tselraten! Den Soundtrack dazu kann man so lange vom Tape h\u00f6ren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Einige ausgew\u00e4hlte Links:<br \/>\n<a title=\"Spotify\" href=\"https:\/\/play.spotify.com\/artist\/2SWTTa9qQH4vgum8StpxGx?play=true&amp;utm_source=open.spotify.com&amp;utm_medium=open\" target=\"_blank\">Soundcloud<br \/>\nBandcamp<br \/>\nPetroglyph<br \/>\nLagerst\u00e4tte<br \/>\nSgustokmusic<br \/>\nSpheredelic<br \/>\nSpotify<\/a><br \/>\n<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (27.11.2016) \/ Auch ver\u00f6ffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog Es bewahrheitet sich: Das Tape erf\u00e4hrt derzeit ein Revival, das, anders als das der LP, einfach mal nicht so erwartbar war. Was will man mit diesem Plastikgeh\u00e4use mit einem &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dominic-razlaff-september-2015-stuklabel-2016\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2102,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-2101","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-tape"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2101","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2101"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2101\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2104,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2101\/revisions\/2104"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2102"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}