{"id":2063,"date":"2016-11-12T18:02:11","date_gmt":"2016-11-12T17:02:11","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=2063"},"modified":"2016-11-12T18:02:11","modified_gmt":"2016-11-12T17:02:11","slug":"the-childhood-of-a-leader-brady-corbet-usa-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-childhood-of-a-leader-brady-corbet-usa-2016\/","title":{"rendered":"The Childhood Of A Leader \u2013 Brady Corbet \u2013 USA 2016"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (12.11.2016)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Stanley Kubrick verfilmt das \u201eNesth\u00e4kchen\u201c: Ein Junge, der aussieht wie ein M\u00e4dchen, terrorisiert in Zeiten des ersten Weltenbrandes angesichts autorit\u00e4rer Eltern sein Umfeld. Fazit: Arschl\u00f6cher zeugen Arschl\u00f6cher. Als Erkl\u00e4rung f\u00fcr politische F\u00fchrerfiguren ist das reichlich kurz gedacht und als Film reichlich langatmig. Auch der wohlgepriesene Soundtrack von Scott Walker erzeugt bei Leuten, die schon mal avantgardistische Musik geh\u00f6rt haben, nur f\u00fcr Schulterzucken. Immerhin, die Bilder sind ansprechend und manche One-Liner erinnerungsw\u00fcrdig. Ansonsten wundert man sich, warum Brady Corbet daran zehn Jahre lang gearbeitet haben will.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Beinahe der gesamte Film ist dunkel. Man kennt das ja von anderen Filmen, in denen Kinder eine Rolle spielen, in der sie au\u00dferkindliche Kr\u00e4fte walten lassen. So spukig ist dieser Bengel hier nicht, aber die Atmosph\u00e4re unterstellt ihm, es zu sein. Die Geschichte spielt w\u00e4hrend des ersten Weltkriegs. Der Vater des Bengels ist US-amerikanischer Regierungsmitarbeiter und werkelt in Paris daran, die Deutschen zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Verheiratet ist der Mann mit einer deutlich j\u00fcngeren polyglotten Deutschen, die die meiste Zeit damit verbringt, in ihrem heruntergekommenen riesengro\u00dfen Herrenhaus die Hausm\u00e4dchen und das Kind zu g\u00e4ngeln. Weder miteinander noch mit dem Kind gehen die Eltern liebevoll um, einzig die Hausm\u00e4dchen und die Franz\u00f6sischlehrerin zeigen einige W\u00e4rme. In drei Etappen zeichnet Corbet nun die Diktatorwerdung dieses Jungen nach: Als kirchlicher Steineschmei\u00dfer, der zur Entschuldigung gezwungen wird, als Busengrabscher, dem der Vater versehentlich beim Bestrafen einen Arm bricht, und als Mutterm\u00f6rder, der bei Tisch das Gebet verweigert. Danach ist Prescott, so der erst sp\u00e4t fallende Name des Jungen, Hitler.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">F\u00fcr diese drei Etappen l\u00e4sst sich Corbet Zeit. Er zeigt politische Dialoge und umst\u00e4ndliche Erziehungsmethoden. Der eher schweigsame Bengel reagiert darauf, wie ein vernachl\u00e4ssigter und geg\u00e4ngelter Bengel eben reagiert: Er rebelliert in Kleidungsstil, mit Verweigerung und Starrsinn sowie mit latenter Gewalt. Das kam zur vorletzten Jahrhundertwende h\u00e4ufiger vor, dass Eltern gehobener Klassen ihre Kinder distanziert aufzogen; zum Diktator wurden davon die wenigsten, gottlob. Sicherlich zeigt eine solche Erziehung Folgen, die einige heute Lebende von ihren gro\u00dfmannss\u00fcchtigen Gro\u00dfv\u00e4tern kennen k\u00f6nnen. Aus diesen wenigen Kindertraumata l\u00e4sst sich ein Hitler indes nur grobmaschig stricken.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Corbet bedient sich einer Bildsprache, die in Sachen Kameraf\u00fchrung, Schnitttempo und Bildausschnitt nicht selten an Stanley Kubrick erinnert. Auch die dazugeh\u00f6rige Musik l\u00e4sst jenen Vergleich aufkommen. Scott Walker sprang zwar in den vergangenen 40 Jahren von \u201eThe Sun Ain&#8217;t Gonna Shine Anymore\u201c zu Doom-Metal mit SunnO))), aber wirklich verst\u00f6rend ist der gefeierte Score nicht. Da haben Dmitri Schostakowitsch und Apocalyptica schon \u00c4hnliches fabriziert. Was keine Abwertung der Musik sein soll, gut ist sie. So hat man in den Sequenzen mit der Musikuntermalung zumindest eindrucksvolle Kinomomente.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Lockmittel f\u00fcr den Mainstream, der sich hiervon allerdings verhohnepiepelt f\u00fchlen d\u00fcrfte, sind Schauspieler wie Kindervampir Robert Patinson oder Thronspieler Liam Cunningham, Indiefilmfans hingegen freuen sich \u00fcber Yolande Moreau, die ihre Wandelbarkeit einmal mehr ausspielt. Gegen die Schauspieler allgemein l\u00e4sst sich nichts sagen, sie sind gut und ansehnlich und haben so manches Bonmot auf der Zunge; Pattinson als Hausfreund Charles sagt besoffen beim Billard: \u201eSchlimm sind nicht die Einzelnen, die B\u00f6ses tun, sondern die Vielen, die Gutes nicht tun.\u201c Sp\u00e4ter stellt ausgerechnet Pattinson auch den F\u00fchrer dar, sch\u00f6ne Pointe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Um schwer zu sein, ist die Kost nicht \u00fcppig genug; zu viele Nahrungserg\u00e4nzungsmittel strecken den Brei. Da hat sich jemand ambitioniert ins Biz gewagt und einen obschon in Summe bemerkenswerten, so doch nicht sehr relevanten Film unter die Piranhas geworfen. Okay. N\u00e4chster!<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (12.11.2016) Stanley Kubrick verfilmt das \u201eNesth\u00e4kchen\u201c: Ein Junge, der aussieht wie ein M\u00e4dchen, terrorisiert in Zeiten des ersten Weltenbrandes angesichts autorit\u00e4rer Eltern sein Umfeld. Fazit: Arschl\u00f6cher zeugen Arschl\u00f6cher. 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