{"id":1993,"date":"2016-09-09T11:15:08","date_gmt":"2016-09-09T09:15:08","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1993"},"modified":"2016-09-09T11:15:08","modified_gmt":"2016-09-09T09:15:08","slug":"one-more-time-with-feeling-andrew-dominik-aus-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/one-more-time-with-feeling-andrew-dominik-aus-2016\/","title":{"rendered":"One More Time With Feeling \u2013 Andrew Dominik \u2013 AUS 2016"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (09.09.2016)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Interesse wecken durch Verknappung: \u201eOne More Time With Feeling\u201c, die Dokumentation zum neuen Album von Nick Cave &amp; The Bad Seeds mit dem Titel \u201eSkeleton Tree\u201c, l\u00e4uft weltweit nur einmal in den Kinos, und zwar am Vorabend der Albumver\u00f6ffentlichung. In dem fast zweist\u00fcndigen Film offenbart der Bandchef Einblicke in seine Seele, die der Tod seines Sohnes traumatisierte. Die Auswirkungen schlagen sich in Texten und Musik seiner Bad Seeds nieder. Ergreifend, \u00fcberwiegend schwarzwei\u00df, musikalisch unerwartet, poetisch und trotzdem nicht frei von Humor.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Hintergr\u00fcnde f\u00fcr diesen Film muss man allerdings den Gossipnews entnommen haben, erst sp\u00e4t benennen Nick Cave und seine Frau Susie den Tod ihres Sohnes Arthur. Man muss wissen, dass jener sich vor gut einem Jahr im Alter von 15 Jahren bei Brighton von den Klippen st\u00fcrzte, Medienberichten zufolge im Zuge eines aus dem Ruder gelaufenen LSD-Tests. Das verschweigt der Film indes. Vielmehr vertieft er sich in Caves Seele und in die Auswirkungen, die das Trauma auf ihn haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Regisseur Andrew Dominik kommt dem ansonsten verschlossenen und sich gern kryptisch gebenden Cave \u00fcberraschend nah, gelegentlich schockierend nah. Cave l\u00e4sst pers\u00f6nliche Einblicke zu, die er im Verlauf de Films sogar beinahe bereut. Intim als Bezeichnung ist da beinahe zu gering. Auch seine Gattin Susie kommt zu Wort; sie ist es, die anhand eines Bildes, das Arthur im Alter von f\u00fcnf Jahren von exakt seiner Ungl\u00fccksklippe malte, Details zu den Umst\u00e4nden f\u00fcr den Film und das Album preisgibt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Zu den k\u00fcnstlerischen Auswirkungen geh\u00f6rt, dass Caves Texte auf \u201eSkeleton Tree\u201c nicht mehr Geschichten erz\u00e4hlen wie fr\u00fcher, sondern Stimmungen aufgreifen, Haltungen transportieren, seelische Abgr\u00fcnde analysieren. Cave ist weniger eindeutig und l\u00e4sst freie Interpretationen zu, dabei gibt er sich ausgesprochen poetisch. Auch die Musik \u00e4ndert sich; mit dem Wissen um das, was die Band hier spielt und das auf dem Album landen wird, ahnt man nachtr\u00e4glich die grobe Richtung auf dem ruhigen Vorg\u00e4nger \u201ePush The Sky Away\u201c. \u201eSkeleton Tree\u201c wird indes manischer, weniger songorientiert, birgt St\u00f6rger\u00e4usche, verst\u00f6rt mit abrupten Ch\u00f6ren, birgt ein nerv\u00f6ses Jazzschlagzeug, mahnt, trauert, br\u00fcllt den Schmerz heraus, ohne laut zu sein. Einmal mehr untermauert sich der Eindruck, die wahrhaft interessante Musik werde heutzutage von erwachsenen Menschen gemacht. Cave ist fast 60 Jahre alt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Cave und seinen ewigen Sidekick Warren Ellis verbindet eine ausnehmend tiefe Freundschaft. Das deutete sich bereits in der gro\u00dfartigen Fake-Dokumentation \u201e20,000 Days On Earth\u201c \u00fcber Caves Leben an und vertieft sich in Zeiten der Trauer. Au\u00dferdem ist Ellis auch kompositorisch Caves wichtigster Begleiter. \u00dcberdies arbeiteten beide bereits mit dem Regisseur zusammen: Sie komponierten den Soundtrack f\u00fcr dessen Western \u201eDie Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (The Assassination Of Jesse James By The Coward Robert Ford)\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Da der Stoff extrem heftig ist, greift Dominik zu probaten Mitteln: Er l\u00e4sst den Traumatisierten selbst Humor in den Film einbringen. So stellt er ihn nicht blo\u00df und gibt ihm die Chance, seinen Schmerz auf seine eigene Weise zu brechen. Dominiks eigener Beitrag dazu ist, als Quasi-Metaelement Diskussionen um nichtgelungene Takes als gelungene Takes in den Film zu schneiden: Cave soll sich erneut anziehen und langsamer aus dem Bild verschwinden, Susie findet es in Ordnung, dabei gefilmt zu werden, auf dem Klo ihr Kleid zu richten; die Sch\u00fcssel sehe man ja nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Dominik drehte an wechselnden Standorten; w\u00e4hrend Autofahrten, am Tisch, bei den Caves in Brighton zu Hause, im Studio. Er begleitet den kreativen Prozess des Poeten und die Entstehung der Musik im Studio, wo alle Musiker gemeinsam live die neuen Songs performen. Auf die kann man sich nur freuen, das Album wird gro\u00dfartig. Beim \u201eSkeleton Tree\u201c handelt es sich \u00fcbrigens nicht um einen figurativen Skelettbaum, sondern um Euphorbia tirucalli, in Ausnahmen auch Euphorbia rhipsaloides oder Euphorbia viminalis, zu Deutsch jeweils Milchbusch, Bleistiftstrauch oder Tirucalli-Wolfsmilch.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (09.09.2016) Interesse wecken durch Verknappung: \u201eOne More Time With Feeling\u201c, die Dokumentation zum neuen Album von Nick Cave &amp; The Bad Seeds mit dem Titel \u201eSkeleton Tree\u201c, l\u00e4uft weltweit nur einmal in den Kinos, und zwar am &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/one-more-time-with-feeling-andrew-dominik-aus-2016\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":660,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1993","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1993","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1993"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1993\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1994,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1993\/revisions\/1994"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media\/660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1993"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1993"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1993"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}