{"id":1971,"date":"2016-08-10T21:07:36","date_gmt":"2016-08-10T19:07:36","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1971"},"modified":"2016-08-10T21:07:36","modified_gmt":"2016-08-10T19:07:36","slug":"julieta-pedro-almodovar-e-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/julieta-pedro-almodovar-e-2016\/","title":{"rendered":"Julieta \u2013 Pedro Almod\u00f3var \u2013 E 2016"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (10.08.2016)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Eine Wohltat, dieser Film: Er ist in mehr als nur einem oder zwei Aspekten gut. Er hat ein gro\u00dfartiges Ende, sch\u00f6ne Bilder, eine mitnehmende Geschichte, passende Musik, attraktive Figuren, eine \u00fcberzeugende psychologische Basis und geschickt ausgelegte Selbstreferenzen. Jede Komponente f\u00fcr sich allein genommen h\u00e4tte ohne die anderen keinen guten Film ergeben, aus allen zusammen kreiert Almod\u00f3var, wie sich das fr\u00fchere Entfant Terrible des europ\u00e4ischen Kinos inzwischen nur noch nennt, ein wahres Kunstwerk. Man verl\u00e4sst das Kino mit einem \u201ewow\u201c auf den Lippen.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Handlung allein (\u00fcbrigens aus drei ineinander verschachtelten Kurzgeschichten der Autorin Alice Munro zusammengesetzt) w\u00e4re vermutlich eher \u00f6de gewesen: Titelfigur Julieta erh\u00e4lt am Vorabend ihrer geplanten Auswanderung von Madrid nach Portugal eine Information \u00fcber ihre verschollene Tochter Ant\u00eda. Von diesem Tiefschlag aus der verdr\u00e4ngten Vergangenheit niedergestreckt, trennt sie sich von ihrem langj\u00e4hrigen Partner und schreibt in einem an ihrer Tochter gerichteten Brief die wahre Geschichte nieder, die sich zwischen Ant\u00edas Zeugung und ihrem Verschwinden ereignet. Es geht um den Tod des Vaters, Depressionen, Zusammenhalt, Schuldgef\u00fchle und Freundschaft \u2013 und den Neubeginn nach einem solchen Schicksalsschlag. Doch sobald sich der Neubeginn f\u00fcr Julieta zaghaft abzeichnete, l\u00f6ste sich Ant\u00eda von ihrer Mutter. Julieta erf\u00e4hrt sp\u00e4ter im Film neue Details \u00fcber Ant\u00edas verst\u00f6rende Charakterver\u00e4nderungen und bekommt letztlich eine Chance, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Drama, Baby! K\u00f6nnte auf diese Weise ein unertr\u00e4glich schwerm\u00fctiges St\u00fcck Film werden. Ist es aber nicht, weil Almod\u00f3var eben mehr zu bieten hat. Sein Erz\u00e4hltempo etwa ist beinahe brillant, oder, um es mit Classic-Rock-Rezensenten zu sagen: kongenial zur Geschichte passend. Almod\u00f3var erwischt das korrekte Ma\u00df zwischen Eilen und Verweilen. Man bekommt ausreichend Zeit, sich auf Personen und Orte einzulassen, aber bis es zu <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">eine<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">r bedr\u00fcckenden Langeweile kommen k\u00f6nnte, setzt die Handlung l\u00e4ngst <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">in entspanntem Tempo <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">fort. <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Indes verzichtet der daf\u00fcr bekannt gewordene Almod\u00f3var auf die Freakereien seiner fr\u00fchen Filme, <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">die<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> h\u00e4tte<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">n<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> hier auch nicht gepasst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">D<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">ann nat\u00fcrlich die Bilder. <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Farbgebung unterstreicht die emotionale Lage der Figuren, au\u00dferdem ergeben viele <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Einstellungen<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> allein dank ihrer Komposition ein eigenes Kunstwerk. Da bleibt sich der Kinomagier treu. <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Ebenso sch\u00f6n wie die Bilder sind die Schauspieler, auch ihr Agieren ist schl\u00fcssig. <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Und das Meer, egal, welches, tr\u00e4gt das Seinige zu beeindruckenden Bildern bei. <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Au\u00dferdem setzt <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Almod\u00f3var <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">eine Musik ein, die man f\u00fcr sich geh\u00f6rt vermutlich furchtbar f\u00e4nde: eine Art orchestralen Jazz, der je nach gezeigter Situation mal mehr zu der einen, mal eher zu der anderen Richtung dieses Crossovers kippt. <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Bild und Ton erzeugen einen an Hitchcock gemahnende<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">n<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Suspense; das ist wohl der genialste Kniff, mit dem Almod\u00f3var die Handlung packend macht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">A<\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">u\u00dferdem versteckt er st\u00e4ndig kleine bis gro\u00dfe Wiederholungen im Film, er kehrt unterschiedlich h\u00e4ufig zu gewissen Details zur\u00fcck. In der Musik spr\u00e4che man von Loops: <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Auf die <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">eingangs <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">den Zusammenbruch ausl\u00f6sende Bea trifft Julieta am Ende erneut; ein Buch mit dem Foto eines Kunstwerks liegt irgendwo herum, von dem man sp\u00e4ter sowohl den Autoren als auch die K\u00fcnstlerin kennen lernt, <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">und als man das Buch <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">sp\u00e4ter <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">erneut zu sehen bekommt, ist es mit Leben gef\u00fcllt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Nicht zuletzt sind die Geschichte, die Dialoge, die Handlungsweisen und sogar die Selbstanalysen psychologisch nachvollziehbar. Es ist m\u00e4chtig interessant, zu sehen, wie Julieta von ihrer Tochter nach dem Tod des Vaters am Zusammenbruch gehindert wird, und dann zu erfahren, dass Julieta eben aufgrund ihrer selbstbezogenen Depressivit\u00e4t <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">(Tautologie, ja) <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">das wahre Wesen Anti\u00e1s offenbar gar nicht erfasst hat. <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Selbst die Wiederaufnahme des Kontaktes ist nachvollziehbar, und ganz besonders gut ist der Schluss: Der findet im eigenen Kopf statt, mit dem <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">nun endenden <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Film als Basis. <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Mit \u201eJulieta\u201c macht Almod\u00f3var \u201eFliegende Liebende\u201c vergessen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (10.08.2016) Eine Wohltat, dieser Film: Er ist in mehr als nur einem oder zwei Aspekten gut. 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