{"id":1948,"date":"2016-07-02T14:44:30","date_gmt":"2016-07-02T12:44:30","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1948"},"modified":"2016-07-02T14:44:30","modified_gmt":"2016-07-02T12:44:30","slug":"swans-the-glowing-man-young-god-recordsmute-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/swans-the-glowing-man-young-god-recordsmute-2016\/","title":{"rendered":"Swans \u2013 The Glowing Man \u2013 Young God Records\/Mute 2016"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1949\" title=\"Swans - The Glowing Man\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Swans-The-Glowing-Man.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (02.07.2016)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">\u00dcberraschend unl\u00e4rmig ist der \u2013 ja, auf das Wortspiel kommt jeder \u2013 Schwanengesang der j\u00fcngsten Swans-Inkarnation. Leichte Kost wird dieses zweist\u00fcndige Album dennoch f\u00fcr die meisten Menschen kaum sein. \u201eThe Glowing Man\u201c klingt, als h\u00e4tten Michael Gira und seine nicht mehr lange um ihn kreisenden Mannen das Vorg\u00e4ngeralbum \u201eTo Be Kind\u201c entkernt und hier die herausgearbeiteten Kerne neu verfugt. Repetetives Ausufern ist die Basis der meisten St\u00fccke, mit flirrenden, nur latent dissonanten Semimelodien dar\u00fcber. Selbst das Tempo bleibt reduziert, die musikalische Wucht dadurch aber kaum. Was man mit den herk\u00f6mmlichen Bandinstrumenten nicht alles selbst im Jahre 2016 noch Unerh\u00f6rtes kreieren kann. Respekt, ihr alten M\u00e4nner!<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Noch zuletzt versch\u00fctteten die Swans ihre Neigung zur musikalischen Sch\u00f6nheit unter tonnenweise L\u00e4rm. Dieser L\u00e4rm ist nun auf \u201eThe Glowing Man\u201c beiseite geschoben und die \u00c4sthetik freigelegt. Hier geht es mehr um Atmosph\u00e4ren und Soundlandschaften als darum, infernalisch die Magengruben zu maltr\u00e4tieren. Das zeichnet die Musik der Swans seit Anbeginn aus: Sie ist sehr vielschichtig, keine zwei Alben klingen gleich, der Hang zum Experiment schloss etwa in den Neunzigern sogar schr\u00e4gen Techno mit ein. Hier bleibt es aber bei akustischen Instrumenten, teilweise elektrisch verst\u00e4rkt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Zart, fast \u00e4therisch beginnen die Swans ihr neues Album. \u201eCloud Of Forgetting\u201c bezirzt mit einem klaren Piano, das den stoischen, aber leichten Rhythmus begleitet. Fast 13 Minuten lang. \u201eCloud Of Unknowing\u201c dauert 25 Minuten, hier erzeugt Giras unglaublich eindrucksvolle, tiefe, charakterstarke Stimme eine Art Trancezustand, bis das St\u00fcck dann nach einer Viertelstunde unkontrolliert einen Abhang hinunterkullert. Die Band f\u00e4ngt sich wieder und kehrt zur fast jazzigen, leicht spukigen Ambientstille zur\u00fcck. Und das so reizvoll, dass man gar nicht wegh\u00f6ren kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die hypnotisierende Rotation ist auch in \u201eThe World Looks Red\/The World Looks Black\u201c die Methode der Wahl. Zur Mitte gesellen sich dezente Bl\u00e4ser dazu, dann verst\u00e4rkt sich die Rhythmusmaschine: Das Lied bekommt eine zun\u00e4chst unterschwellige Kraft, die den Eindruck erweckt, es wolle eruptieren. Solches l\u00e4sst auf sich warten, aber die Bl\u00e4ser und ein Chor unterf\u00fcttern den Rhythmus, ohne konkrete Melodien hinzuzuf\u00fcgen. Sch\u00f6nheit gibt es auch ohne oberfl\u00e4chlichen Sch\u00f6nklang. Und auf diese Weise beh\u00e4lt die Musik ihren fordernden Reiz bei, wenn nicht sogar einen subliminalen Groove. Mit dem morbid funkelnden Seemannslied \u201ePeople Like Us\u201c endet die erste Seite: Mit viereinhalb Minuten ist der verf\u00fchrerische Schunkler das k\u00fcrzeste St\u00fcck des Albums, mit Glocken, Piano und Frauenchor wom\u00f6glich sogar der poppigste. Pop nach Art der Swans.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die zweite Seite beginnt mit einem Chor, bestehend aus zun\u00e4chst nur weiblichen Stimmen und dann der von Gira dazu, der sich z\u00f6gernd aufbaut und eine Art Kakophonie ergibt, die stark an den ersten Kontakt mit dem Monolithen auf dem Mond in \u201e2001: A Space Odyssey\u201c erinnert. Erst nach sieben Minuten nehmen die Instrumente in \u201eFrankie M.\u201c \u00dcberhand und treiben das Kakophonische voran, jedoch ohne die Brutalit\u00e4t der fr\u00fcheren Werke. Kurz vor der Mitte des Einundzwanzigmin\u00fcters \u00fcbernimmt die ganze Band den Sound, wie gehabt in Kreisen, aber mit einer zwangsl\u00e4ufig wiederkehrenden Stolperdelle im Rad. Auch der Chor kehrt alsbald zur\u00fcck. Bis der Song pl\u00f6tzlich in folklorige Popstrukturen f\u00e4llt, mit Wohlf\u00fchlgesang von Gira und akustischen Schmetterlingen. Und wieder erzeugen sie auf Langstrecke einen groovenden Sog. Den sie dann doch nicht so bestehen lassen k\u00f6nnen: Beklemmung macht sich breit, dann rocken die Swans erstmals auf diesem Album los. Rock nach Art der Swans.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Es folgt \u201eWhen Will I Return?\u201c, mit Frauengesang zur Akustikgitarre mit befremdlichen Hintergrundger\u00e4uschen (\u00fcbrigens mit f\u00fcnfeinhalb Minuten das zweitk\u00fcrzeste Lied). Wundervoll, wenn man angstresistent ist, aber die fehlende Kraft einer Jarboe macht sich im direkten Vergleich stark bemerkbar. Nach der H\u00e4lfte erinnert der Song an die wundersch\u00f6n gruftige Folklorezeit rund um \u201eThe Burning World\u201c. Und dann kommt das Titellied. Fast eine halbe Stunde lang. Mit Orgel und Stimmen flirrt es eingangs konturlos herum, dann setzt wieder die gewohnte Wiederholungsmaschinerie ein, mit Giras Stimme und anderen Brummt\u00f6nen, von der Band reduziert, aber temporeich und fordernd begleitet. Sp\u00e4ter demonstrieren die Swans ihre ausufernde Vorstellung von einer Polka. Exakt zur H\u00e4lfte machen die Jungs daraus abrupt einen Rocksong. Den sie dann in etwas m\u00fcnden lassen, dass die Ans\u00e4tze zu den fr\u00fcheren L\u00e4rmattacken in sich tr\u00e4gt. Diesen lassen sie freien Lauf, unterbrechen sie gelegentlich, hantieren unkontrolliert am Klavier, schrammeln auf der Gitarre, dreschen ins Schlagzeug, zurren am Bass. Aber alles noch deutlich weniger die Physis zerfleischend als zuvor. \u201eFinally, Peace\u201c, behauptet die Band abschlie\u00dfend f\u00fcr sechs Minuten. Und hat mit dem Flower-Power-Gruftst\u00fcck sogar Recht. Einmal mehr Swans-Pop.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die limitierte Fassung beinhaltet wieder eine Live-DVD. Der Mitschnitt stammt aus der Zeit der \u201eTo Be Kind\u201c-Tour. Wenn man eingangs die Bandmitglieder vor dem Auftritt miteinander knuddeln sieht, mag man gar nicht glauben, dass diese zarten alten Herren anschlie\u00dfend solch brutale Musik erzeugen. Doch auch die DVD f\u00e4ngt die physische Gewalt eines Swans-Konzertes nicht ein. Sie ist gut, aber ersetzt das Erleben nicht. Gut so.<\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">The Glowing Man\u201c wurde, ebenfalls wie die beiden Alben davor, dadurch teilfinanziert, dass sich Fans \u00fcber die Webseite des Young-God-Labels limitierte Live-Alben kauften. Diese geh\u00f6ren nun in die Discographie der Band \u2013 was das Sammeln nicht eben einfach macht. Offiziell ist \u201eThe Glowing Man\u201c das nur 14. Album in 34 Jahren (inklusive 13 Jahren Pause), aber drumherum gibt es so un\u00fcberblickbar viele spannende weitere Ver\u00f6ffentlichungen, dass man seinen Geldbeutel tief im Garten vergr\u00e4bt. \u00dcbrigens empfindet der Rezensent die Swans als die vermutlich einzige Band, die seit ihrer Reaktivierung Musik von Relevanz generiert. \u201eThe Glowing Man\u201c geh\u00f6rt dazu. Leider k\u00fcndigte Gira an, diese Inkarnation seiner Band ad acta zu legen, weil er mit ihr alles auserz\u00e4hlt habe, was es zu sagen gebe. Das ist schade, aber konsequent. Wenn aber das n\u00e4chste Reboot der Band des alten Mannes so gut wird wie dieses, gibt es Hoffnung.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (02.07.2016) \u00dcberraschend unl\u00e4rmig ist der \u2013 ja, auf das Wortspiel kommt jeder \u2013 Schwanengesang der j\u00fcngsten Swans-Inkarnation. 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