{"id":1943,"date":"2016-06-29T21:29:04","date_gmt":"2016-06-29T19:29:04","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1943"},"modified":"2016-06-29T21:29:04","modified_gmt":"2016-06-29T19:29:04","slug":"the-neon-demon-nicolas-winding-refn-usadkf-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-neon-demon-nicolas-winding-refn-usadkf-2016\/","title":{"rendered":"The Neon Demon \u2013 Nicolas Winding Refn \u2013 USA\/DK\/F 2016"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (29.06.2016)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Das Modeldasein frisst Dich auf. Okay. Bekannte Erkenntnis. Und weiter? Nix weiter. Nicht in \u201eThe Neon Demon\u201c zumindest. Der Film ist so glatt wie die Gesellschaft, die er darstellt. Da gibt es keinen Bruch und keinen Tiefgang. Die Handlung ist so plump, dass der Film sogar komplett ohne sie deutlich attraktiver geworden w\u00e4re. Man sieht, wer oder was Nicolas Winding Refn gern gewesen w\u00e4re, aber geworden ist er es nicht. Nett zu betrachten, mehr nicht \u2013 und das ist sicherlich nicht der Effekt, den das vermeintliche Enfant Terrible sich hiermit erhofft hat.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Minderj\u00e4hrige Jesse kommt nach Los Angeles, um eine Modelkarriere zu starten. Ihr erste Begegnung (nach der mit ihrem Fotografenfreund) wird dabei ihre schicksalhafteste Verbindung: Die Visagistin Ruby nimmt sich ihrer an. Mit unschuldsweit ge\u00f6ffneten Rehaugen verfolgt Jesse, wie sich die Modewelt vor ihr verbeugt und wie sich Rivalinnen an ihr sto\u00dfen. Im gleichbleibend gem\u00e4chlichen Tempo gipfelt der Film gegen Ende in Abscheulichkeiten und hinterl\u00e4sst dann aalglatte Unzufriedenheit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Man meint zu sp\u00fcren, was Winding Refn im Sinne hatte: der Oberfl\u00e4chlichkeit eine optische Entsprechung geben. Das ist gegl\u00fcckt. Optisch ist \u201eThe Neon Demon\u201c in der Tat reizvoll, mit asymmetrischer Raumaufteilung, Spiegeleffekten, Lichtspielereien. Und einem Soundtrack erg\u00e4nzt, der zun\u00e4chst den positiven Eindruck erweckt, es mit einer Art angenehm unentschl\u00fcsselbaren Dauermusikvideo zu tun zu haben. Doch dann entwickelt sich eine Handlung mit einigen Untiefen, und da liegt der Hund begraben. Diese Handlung ist dergestalt dumm, dass man sich langweilt. Zwar packt Winding Refn, der sich selbst in Vor- und Abspann f\u00fcr seine mannigfaltigen Beitr\u00e4ge zum Film abfeiert, diverse Andeutungen ins Geschehen, doch l\u00e4sst er sie allesamt irgendwo fallen und m\u00e4andert weiter auf das Finale zu. Und dar\u00fcber hinaus. Man wartet die ganze Zeit darauf, dass sich der Titel irgendwo niederschl\u00e4gt, aber bis auf den Umstand, dass sich Jesse nach einer Performance in einem Neonr\u00f6hrendreieck zum egoistischen Arschloch entwickelt, gibt es keinerlei Bezug dazu. Den muss man sich selbst suchen: Ist etwa Ruby der Neon Demon, der im Moment des Kontaktherstellens das Schicksal Jesses steuert, inklusive Raubkatzen im Motelzimmer, Vergewaltigung im Nachbarraum und der Flucht in Rubys Obhut? Wenn ja, hat Winding Refn das bestens versteckt. Wenn nein, hat der Betrachter einfach zu viel von dem Film erwartet und zu viel Verstand f\u00fcr schlichte Modelthemen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Und so betrachtet man eben andere Aspekte an dem Film. Die Optik zum Beispiel. Die erinnert an ganz viele andere Filme und Filmemacher. So glatt wie diesen Film stellt man sich etwa \u201eAmerican Psycho\u201c vor. Wie hier durch R\u00e4ume gegangen wird, das l\u00e4sst an \u201e2001: A Space Odyssey\u201c denken, wie \u00fcberhaupt viel Stanley Kubrick durchsickert. Die unterschwellige Pseudospannung will an David Lynch gemahnen, doch fehlt es Winding Refn daf\u00fcr an Tiefgang, an Doppelb\u00f6digkeit, an Dunkelheit. Er kann nur platt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Zwar ist es erfreulich, dass der D\u00e4ne trotz des Modelthemas mit Nacktheit und trotz des Psychogebarens mit Gewalt bis zum Finale wartet, doch \u00fcbertreibt er es da dann sofort mit possierlichen Tabubr\u00fcchen: Nekrophilie, Kannibalismus, Lesbensex, Vergewaltigung. Und nichts davon zieht er durch: Die (zwei, drei) schockierendsten Momente l\u00f6st er im Nebensatz oder als Vision auf. Und Jesses markantestes Erlebnis ist zwar konsequent, hat aber keine Konsequenzen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">H\u00e4tte er mal ganz auf Handlung verzichtet. Oder sich etwas einfallen lassen wie Paolo Sorrentino, dessen Nebenstr\u00e4nge oft auch unentschl\u00fcsselbar erscheinen, aber eine eigene Tiefgr\u00fcndigkeit mitbringen. Der Versuch, stringent zu bleiben, ist bei \u201eGermany&#8217;s Next Top Model\u201c einfach zu einfach l\u00f6sbar. Tabudarstellungen wiederum gab es bei Peter Greenaway auch schon weitaus geschmackloser. Letztlich ist es schon ganz in Ordnung, dass Winding Refn es mit den expliziten Darstellungen nicht \u00fcbertreibt. Mehr Inhalt w\u00e4re aber sch\u00f6n gewesen, alternativ eben weniger Inhalt und mehr Form.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (29.06.2016) Das Modeldasein frisst Dich auf. Okay. Bekannte Erkenntnis. Und weiter? Nix weiter. Nicht in \u201eThe Neon Demon\u201c zumindest. Der Film ist so glatt wie die Gesellschaft, die er darstellt. 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