{"id":1912,"date":"2016-06-19T11:58:18","date_gmt":"2016-06-19T09:58:18","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1912"},"modified":"2016-06-19T23:34:43","modified_gmt":"2016-06-19T21:34:43","slug":"tribute-terra-incognita-sireena-records-2016-original-1990","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/tribute-terra-incognita-sireena-records-2016-original-1990\/","title":{"rendered":"Tribute \u2013 Terra Incognita \u2013 Sireena Records 2016 (Original 1990)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1913\" title=\"Tribute - Terra Incognita\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Tribute-Terra-Incognita.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (19.06.2016)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Nicht Totengr\u00e4ber, sondern Schatzsucher sind die Leute von Sireena: Hiermit ver\u00f6ffentlichen sie den Schwanengesang des schwedischen Progkonglomerats Tribute (ungeschickter Name aus der Pr\u00e4-Google-Zeit). Interessanterweise klingen viele zeitgen\u00f6ssische Progalben so \u00e4hnlich, \u201eTerra Incognita\u201c (nicht zu verwechseln mit dem grandiosen Deb\u00fct von Gojira) k\u00f6nnte genau so auch von heute sein. Das sagt einerseits etwas \u00fcber das vermeintlich Neue im Biz dieser Tage aus und andererseits \u00fcber die offenbar nicht fl\u00e4chendeckend ausgefallene Ber\u00fccksichtigung der Band im weltweiten Progkosmos. Zumindest mir sind sie vorher nicht untergekommen. \u201eTerra Incognita\u201c ist so abwechslungsreich, dass im Wortsinne f\u00fcr fast jeden etwas Ansprechendes dabei ist \u2013 aber auch etwas, das er vielleicht nicht so mag.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von \u201eRock\u201c kann hier eigentlich keine dauerhafte Rede sein, daf\u00fcr ist das Album nicht kantig genug. Von \u201ePop\u201c allerdings auch nicht, daf\u00fcr ist es viel zu experimentell. Die kolportierten Vergleiche zu Mike Oldfield treffen nur stellenweise zu, der war zu seinen guten Zeiten auf etwas anderen Pfaden unterwegs, weitaus in sich gekehrter als Tribute. Die gehen in die Breite, um den Globus herum, integrieren schwedische Folklore ebenso wie indianische Ges\u00e4nge. Und ein Orchester. Und \u00fcberhaupt eine Vielzahl an Instrumenten. Und mindestens einen Chor. Und und und. Spannenderweise klingt alles in Reihe etwas \u00fcberkandidelt, aber dann f\u00e4llt einem auf, dass die Opulenz eben \u201enur\u201c in Reihe stattfindet und nicht gleichzeitig, was sie also wesentlich leichter goutierbar macht. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Streckenweise ist das aber schon ganz sch\u00f6n verwegen, was Tribute hier kredenzen. Der Auftakt sollte schnellstens \u00fcberskippt werden: \u201eA Brand New Day\u201c klingt wie der schlimmste Hans-Zimmer-Kitsch eines Romcomhollywoodfilms. So s\u00fc\u00dflich und bombastisch bleibt es gottlob nicht. \u201ePoem f\u00f6r vandrare\u201c fasziniert zun\u00e4chst mit sanftem Frauengesang auf Schwedisch zur akustischen Gitarre, mit leichten Anleihen an die Kollegen von ABBA, wenn sie mal von Poppfaden abwichen und experimenteller wurden. Ja, sobald dann Bass und reduzierte E-Gitarre einsetzen, bekommt das St\u00fcck sehr wohl einen Anstrich von Mike Oldfield (dabei ist Anita Hegerland Norwegerin). Bald verliert sich die Band im eskapistischen Gegniedel, bis zur R\u00fcckkehr zur Ausgangsbesinnlichkeit. \u201eDidn&#8217;t You Notice\u201c klopft an Stadiont\u00fcren, mit zu jener Zeit g\u00e4ngigem Rockrhythmus, Keyboardfanfaren und Wohlf\u00fchlharmonien. Nur die Querfl\u00f6te torpediert diesen Eindruck etwas. Im Verlauf belegt die Band, dass sie auch dazu in der Lage ist, mit Rockinstrumentarium verschachtelte Klassik nachzuempfinden.<\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Where There Is A Shadow There Is A Light\u201c startet als Pianoballade, einmal mehr begleitet von weiblicher Stimme. Auch dieses St\u00fcck flie\u00dft in Mike-Oldfield-N\u00e4he, aber wie fast jeder Track auf diesem Album beh\u00e4lt die Band keine Elemente dauerhaft bei; das Lied ist also in sich abwechslungsreicher als ein Oldfield-Song. Die Atmosph\u00e4ren bilden eine schl\u00fcssige Reihe und nehmen den H\u00f6rer mit, denn ohne eine gewisse Aufmerksamkeit entgeht einem einiges hier. Mit besinnlicher Akustikgitarre startet \u201eWinds Of Autumn\u201c, bald begleitet von Harfe und Geige. Hier sind es die beinahe mittelalterlichen Melodien und die im Zuwachs der Instrumente (zum Beispiel Fl\u00f6te) entstehende Euphorie, die das Besondere ausmachen. Ein sch\u00f6ner Abschluss f\u00fcr Seite Eins, betrachtet man das Album in seiner LP-Anordnung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Denn es folgt wie eine progrocktypische Seite Zwei der fast 22-min\u00fctige Titeltrack. Und da packen Tribute alles hinein, was noch im Studio herumlag. Deutschsprachige Nachrichtenschnipsel, ein komplettes Orchester, ein Kammerorchester, ein von Oboen begleiteter Indianerstamm, orientalische Melodien, Urwaldatmosph\u00e4ren, Proberaumaufnahmen einer Mike-Oldfield-Tribute-Band (hups! Doch daher der Name?), Pianoexperimente, Angelo-Badalamenti-Fingerschnipsen (das der zeitgleich bei \u201eTwin Peaks\u201c etablierte), Tubular Bells, ein Kitschfilmsoundtrack, ein russischer M\u00e4nnerchor, ein Military-Schlagzeug, ein trauriger Mariachi, eine jammende Progrockband, ein Kirchenchor, eine E-Drum und ein sattes Ma\u00df an Opulenz f\u00fcr den Ausklang. V\u00f6llig \u00fcberkandidelt, das Ding. Also typisch f\u00fcr diese Sorte Progmusik und dabei qualitativ nicht zu beanstanden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Mit \u201eTerra Incognita\u201c vollendet Sireena nun die Rereleasegeschichte der Band, von der es n\u00e4mlich nur drei Studio-Alben und ein Live-Album in sechs Jahren gab. Sicherlich wird \u201eTerra Incognita\u201c kaum Leute ansprechen, die mit progressiver Musik nichts anfangen k\u00f6nnen; die Wiederver\u00f6ffentlichung richtet sich definitiv an Kenner und Genreh\u00f6rer. Da es seit einigen Jahren einen wachsenden Markt auf dem Feld gibt, gibt es f\u00fcr dieses Rerelease eines versierten Albums eine klare Berechtigung. Und ABBA k\u00f6nnte ich auch mal wieder auflegen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (19.06.2016) Nicht Totengr\u00e4ber, sondern Schatzsucher sind die Leute von Sireena: Hiermit ver\u00f6ffentlichen sie den Schwanengesang des schwedischen Progkonglomerats Tribute (ungeschickter Name aus der Pr\u00e4-Google-Zeit). 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