{"id":1769,"date":"2016-03-16T22:52:22","date_gmt":"2016-03-16T21:52:22","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1769"},"modified":"2016-03-17T21:52:35","modified_gmt":"2016-03-17T20:52:35","slug":"spotlight-tom-mccarthy-usa-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spotlight-tom-mccarthy-usa-2015\/","title":{"rendered":"Spotlight \u2013 Tom McCarthy \u2013 USA 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (16.03.2016) \/ Auch erschienen auf <a title=\"Kult-Tour\" href=\"http:\/\/www.kult-tour-bs.de\/kino-spotlight-von-tom-mccarthy\/\" target=\"_blank\">Kult-Tour | Der Stadtblog<\/a><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Spotlight\u201c ist ein M\u00e4rchen: \u00fcber Loyalit\u00e4t und Leidenschaft, \u00fcber Empathie und f\u00fcr die Sache Einstehen, \u00fcber unabh\u00e4ngigen Journalismus und die Wahrheit, \u00fcber st\u00fcrzende Systeme und Gerechtigkeit. Das Erstaunlichste daran ist: Alles an diesem Film ist (offenbar) wahr! Das l\u00e4sst von einer guten Welt tr\u00e4umen. Au\u00dferdem ist dieser Film fein erz\u00e4hlt, dezent gefilmt und musikalisch angemessen unterlegt, also rundum eine Perle. Auch das ist heutzutage fast schon ein M\u00e4rchen.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Beinahe kann man \u201eSpotlight\u201c als historischen Film betrachten, und das, obwohl er schon in diesem Jahrtausend spielt, 2001 und 2002 n\u00e4mlich. Aber so wie damals ist es heute in vielen Bereichen schon nicht mehr. Allein die Rolle einer lokalen Tageszeitung hat sich massiv ver\u00e4ndert und die Motivation ihrer Mitarbeiter auch. \u201eSpotlight\u201c ist ein Rechercheteam des \u201eBoston Globe\u201c, das daf\u00fcr bezahlt wird, sich monatelang an einem Thema festzubei\u00dfen, bis dieses \u00fcberhaupt ver\u00f6ffentlicht wird. Das ist heute unvorstellbar. So viel Geld geben Verlage nicht mehr aus, wenn sie ihre Tageszeitungen auch von Unterbezahlten aus Pressemitteilungen zusammenkopieren lassen k\u00f6nnen. Dieses Team untersteht einem neuen Redaktionsleiter, dem es nicht darum geht, sein Ego zu polieren, sondern der das Team in allen Belangen f\u00f6rdert und sich hinter es stellt. \u201eSpotlight\u201c besteht nicht aus Selbstdarstellern, sondern aus leidenschaftlichen Reportern, die f\u00fcr die gerechte Sache ihren Alltag und sich selbst zur\u00fcckstellen und die auch in der Lage sind, sich selbst und ihre Gegner differenziert zu betrachten. Es geht um Recherche, die nicht allein aus logischen Schl\u00fcssen und akribischer Detektivarbeit besteht, sondern auch daraus, als Mensch anderen Menschen zu begegnen und sie als Mitstreiter f\u00fcr die Sache zu gewinnen sowie gegen ein repressives System zu arbeiten, von dem eigentlich sogar fast alle abh\u00e4ngen.<\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Sache\u201c ist in diesem Fall Kindesmissbrauch durch Schutzbefohlene, in Boston die Katholische Kirche, die dies auch mit Hilfe von Anw\u00e4lten jahrzehntelang vertuscht, trotz einiger offenkundiger Hinweise. Letztlich k\u00f6nnte man dieses System als Platzhalter auffassen, denn schlie\u00dflich sind Arbeiter ausbeutende Konzerne oder B\u00fcrger unterdr\u00fcckende Regierungen gleicherma\u00dfen bek\u00e4mpfenswerte Systeme, aber war es nun mal in der Realit\u00e4t eben dieser Antagonist. Es ist wie bei \u201eExorzist\u201c oder \u201eDer wei\u00dfe Hai\u201c, dass der Gegenspieler stellvertretend f\u00fcr die Aufgabe der Protagonisten steht. Und diese Protagonisten stellt der Film empathisch dar.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Dramaturgie von \u201eSpotlight\u201c folgt nicht dem klassischen Dreiakter, es fehlt auch das retardierende Moment. Das w\u00fcrde hier auch gar nicht passen. Vielmehr geht es flugs voran und stetig bergan, mit vielen geschickten Dialogen, lediglich manche latent bremsenden T\u00e4ler sorgen f\u00fcr mehr Schwung in der Handlung. Diese Sequenzen leben von unaufdringlicher Musik, die \u00fcber einem bunten Tableau aus Eindr\u00fccken liegt, die durch geschickt platzierte Impressionen wiederum die Handlung vorantreiben. Auch verl\u00e4uft sich der Film nicht nach skandinavischer Art in den Privatgeschichten der Reporter, das w\u00e4re hier komplett \u00fcberfl\u00fcssig. Ebenso fehlt am Platze w\u00e4ren Gewalt und Action; da sieht man mal, wie gepr\u00e4gt man ist, dass man \u00fcberall drohende Attentate wittert, weil man solches aus anderen Filmen gewohnt ist. Viele Kamerabesonderheiten findet man \u00fcberdies nicht, einzig die langsamen Zooms tragen zu Sogwirkung der Geschichte bei. Die Schauspieler sind angenehm gew\u00e4hlt, nur mit Michael Keaton muss man sich immer noch von seinem Batmankost\u00fcm losgel\u00f6st vertraut machen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Tja, ein M\u00e4rchen, ein Paradies, in dem \u201eSpotlight\u201c arbeitet. Nicht nur in paradiesischen Bedingungen, sondern auch mit paradiesischem Einsatz. Solchen Journalismus hat es mal gegeben, und das ist erst 15 Jahre her. Wer wei\u00df, wahrscheinlich liegt es an solchen Systemen, dass dieser inzwischen von substanzlosen Modellen verdr\u00e4ngt ist.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (16.03.2016) \/ Auch erschienen auf Kult-Tour | Der Stadtblog \u201eSpotlight\u201c ist ein M\u00e4rchen: \u00fcber Loyalit\u00e4t und Leidenschaft, \u00fcber Empathie und f\u00fcr die Sache Einstehen, \u00fcber unabh\u00e4ngigen Journalismus und die Wahrheit, \u00fcber st\u00fcrzende Systeme und Gerechtigkeit. 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