{"id":1685,"date":"2016-01-28T21:16:22","date_gmt":"2016-01-28T20:16:22","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1685"},"modified":"2016-02-03T20:00:38","modified_gmt":"2016-02-03T19:00:38","slug":"the-hateful-eight-quentin-tarantino-usa-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-hateful-eight-quentin-tarantino-usa-2015\/","title":{"rendered":"The Hateful Eight \u2013 Quentin Tarantino \u2013 USA 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (29.01.2016) \/ Auch erschienen auf <a title=\"Kult-Tour\" href=\"http:\/\/www.kult-tour-bs.de\/kino-the-hateful-eight-von-quentin-tarantino\/\" target=\"_blank\">Kult-Tour\u00a0\u2013 Der Stadtblog<\/a><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Filme von Quentin Tarantino kann man in (mindestens) zwei Universen betrachten: im allgemeinen Filmkosmos und in Tarantinos eigener Historie. Verglichen mit dem Rest der Welt, oder zumindest von Hollywood, macht Tarantino exorbitant gute Filme. Verglichen mit sich selbst erkennt man eine Weiterentwicklung innerhalb der acht Filme, f\u00fcr die er bislang Regie f\u00fchrte: Er wird erwachsener, beh\u00e4lt aber viele seiner Merkmale bei. Filmisch ist er weniger experimentierw\u00fctig, daf\u00fcr aber subtiler. Sein Humor \u00e4u\u00dfert sich weniger visuell als nun \u00fcberwiegend inhaltlich. Da das Cartoonhafte zur\u00fcckweicht, wirken die blutigen Anteile jedoch brutaler. Ansonsten: Ein gro\u00dfartiger Film, der drei Stunden lang nicht eine Sekunde langweilt, obwohl er zumeist auf beengtem Raum stattfindet.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Wie immer bei Tarantino sind die Figuren gut ausgearbeitet und vielschichtig. Gut und B\u00f6se sind nicht auf Anhieb auszumachen und stecken ohnehin in jeder Person. Als Betrachter wechselt man seine Allianzen daher so oft, wie es die Figuren im Film selbst tun, weil sie sich gegenseitig und damit dem Zuschauer uneindeutig darstellen. Waffen und unvorhersehbare unterschwellige Gewalt sind wie in einem Kriegsfilm zwar simple Spannungselemente, aber Tarantino verfeinert sie mit Dialogen und bietet ihnen damit eine nur untergeordnete Grundlage. Das Schachspiel in der Mitte des Raumes steht nicht zuf\u00e4llig stellvertretend f\u00fcr die Geschichte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Mit der f\u00fchrt einen Tarantino einmal mehr zun\u00e4chst hinters Licht. Er zeigt in einem Western Kopfgeldj\u00e4ger und einen vermutlichen Sheriff in spe, die in einer Kutsche eine Gesuchte bei sich f\u00fchren und in einer Gastwirtschaft Unterschlupf vor einem Schneesturm suchen wollen. Diese H\u00fctte ist bereits belegt von einem englischen Henker, einem Mexikaner, einem Cowboy und einem alten General. Manche kennen sich untereinander, oft nur vom Ruf, und so manche aufgebaute Identit\u00e4t besteht daher den Realit\u00e4tscheck nicht. So kurz nach dem amerikanischen B\u00fcrgerkrieg treten Rassenressentiments in den Vordergrund, da einer der Kopfgeldj\u00e4ger schwarz ist und der alte General den S\u00fcdstaatlern angeh\u00f6rte (\u00fcberdies entlarvt Tarantino in diesem Film \u00fcber die Art und Weise, wie die Charaktere hier Schwarze, Mexikaner und Frauen behandeln, den gegenw\u00e4rtigen Zustand der USA). In der ersten H\u00e4lfte des Films, bis zur von Tarantino berechtigt gesetzten Pause, vollf\u00fchren diese Personen (inklusive Kutscher sind es \u00fcbrigens neun) einen munteren Reigen der Schlagabtausche \u2013 bis zum ersten Schuss. Nach der Pause wird es extrem blutig, aber aus anderen Gr\u00fcnden, als Tarantino es zun\u00e4chst andeutete. Bluffs und Finten, Enttarnungen und \u00dcberreaktionen bestimmen die Szenerie.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Wie \u00fcblich ist auch dieser Film angenehm dialoglastig (und damit wahnsinnig witzig). Tarantino erz\u00e4hlt Geschichten in der Geschichte, zus\u00e4tzlich zum laufenden Film bem\u00fcht er beim Betrachter das Kopfkino. \u00dcberall legt er dabei falsche F\u00e4hrten aus, es ist nie klar, welche Geschichte stimmt. Besonders gelungen ist, als er der abwesenden H\u00fcttenbesitzerin im R\u00fcckblick ein Gesicht gibt: Man hat sie sich nicht als dieser Ethnie angeh\u00f6rend vorgestellt. Ch\u00e2peau!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Wie immer erz\u00e4hlt Tarantino auch \u201eThe Hateful Eight\u201c in Kapiteln, und wie immer ist eines davon chronologisch vor den anderen anzuordnen. Jenes eine wirft einige Geschichten mal eben um und gibt gewissen Andeutungen eine Basis. Zudem macht diese Vorgeschichte die ganzen sch\u00f6nen Allianzen obsolet. Fein gemacht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Anders als sonst verwendet Tarantino dieses Mal weniger Nahaufnahmen und zeigt daf\u00fcr deutlich l\u00e4ngere Einstellungen. Interessanterweise macht dies einen Film in einer engen H\u00fctte nicht langweilig oder beengend, sondern hilft, zur Dialogspannung beizutragen. Mit einigen Zwischenschnitten in die verschneite Gegend bricht er zudem die Enge der H\u00fctte f\u00fcr den Betrachter auf. Auch arbeitet Tarantino dieses Mal noch mehr mit Licht als sonst, schon in der Kutsche etwa leuchtet der Brief von Abraham Lincoln wie der Kofferinhalt von Marcellus Wallace in \u201ePulp Fiction\u201c, und auch in der H\u00fctte sind \u00fcberall dezidierte Spots gesetzt. Wie gewohnt arbeitet Tarantino auch hier wieder mit musikalischen Pointen: Als der Mexikaner am Piano \u201eStille Nacht\u201c als inhaltliches Gegenst\u00fcck zur ganzen Geschichte spielt, erz\u00e4hlt der schwarze Kopfgeldj\u00e4ger gerade dem General prahlerisch, wie er dessen Sohn get\u00f6tet haben will. Den Zitate-Pop bringt Tarantino hier subtiler unter als sonst: Ein blutiger Western erinnert nat\u00fcrlich an Sam Peckinpah oder Sergio Leone, die knappe Whodunnit-Szenerie an \u201eZehn kleine Negerlein\u201c von Agatha Christie. Toll sind ebenfalls wie immer die Schauspieler: Samuel L. Jackson und Kurt Russell haben die ausgepr\u00e4gtesten Figuren, Tim Roth \u00fcbernimmt dieses Mal die distinguierte Rolle von Christoph Waltz. Und Jennifer Jason Leigh ist einfach mal eine herrlich absto\u00dfende Verbrecherin.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Brutal ist \u201eThe Hateful Eight\u201c ebenfalls. Erst in der zweiten H\u00e4lfte, dort dann aber umso ausdr\u00fccklicher und schonungsloser, weil der Film weniger \u00fcberzeichnet ist als etwa die Schie\u00dferei in \u201eDjango Unchained\u201c. Jede Blutkotze und jedes weggeschossene Gehirn machen unangenehm Eindruck. Als Cameo taucht Tarantino dieses Mal nur im Original auf, da spricht er n\u00e4mlich die Off-Texte in der zweiten H\u00e4lfte. Anders ist, dass Tarantino dieses Mal keinen coolen Soundtrack zusammenstellte, sondern diesen fast komplett eigens vom Maestro komponieren lie\u00df, den er ansonsten mit einzelnen St\u00fccken schon immer unterbrachte: Ennio Morricone pers\u00f6nlich. Als analogen Gag drehte er den Film auf einem uralten Material, das nur wenige Kinos heute noch abspielen k\u00f6nnen (diese Fassung ist sogar noch um 20 Minuten l\u00e4nger). Und in einer erheblichen Sache wich er von seiner bisherigen Linie ab: Sein achter Film \u201eThe Hateful Eight\u201c (auf Deutsch \u201eThe Hateful 8\u201c) ist sein erster Film, der nicht genau zwei W\u00f6rter im Titel hat. Ist so: \u201eReservoir Dogs\u201c, \u201ePulp Fiction\u201c, \u201eJackie Brown\u201c, \u201eKill Bill\u201c, \u201eDeath Proof\u201c, \u201eInglorious Basterds\u201c, \u201eDjango Unchained\u201c. Abgesehen davon, dass sich in der H\u00fctte nicht genau acht Personen befinden, ist \u201eThe Hateful Eight\u201c auch eigentlich Tarantinos neunter Film, weil er \u201eKill Bill\u201c seinerzeit als zwei Filme in die Kinos brachte. Finten \u00fcberall.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Faszinierend ist, dass dieser Film schon sehr gut w\u00e4re, h\u00f6rte er schon nach der H\u00e4lfte auf. Dann w\u00e4re man aber um einige \u00dcberraschungen \u00e4rmer. \u201eThe Hateful Eight\u201c ist der \u2013 hm \u2013 achte gute Film von Quentin Tarantino in Folge. Das muss man mal schaffen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (29.01.2016) \/ Auch erschienen auf Kult-Tour\u00a0\u2013 Der Stadtblog Filme von Quentin Tarantino kann man in (mindestens) zwei Universen betrachten: im allgemeinen Filmkosmos und in Tarantinos eigener Historie. 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